Fukushima aktuell: Kontaminiertes Gras an Rinder verfüttert

Fukushima aktuell: Kontaminiertes Gras an Rinder verfüttert

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Artikelbild - Wagyu-Rind (Foto: cgoodwin, cc-by)
Präfektur Fukushima; Testweise Rinderzucht in einstiger Sperrgebietsgemeinde (Symbolfoto: cgoodwin, cc-by)

Mit Fukushima News über die Unterstützung für gehandicapte Bewohner der Präfektur, die Bewerbung von Lebensmitteln und der Kritik an Futtermitteln, beginnt die Woche bereits vielfältig.

Einzelheiten der Meldungen, in denen die Folgen der Katastrophe von Fukushima heute wieder einmal deutlich werden, gibt es jetzt im Spreadnews Japan-Ticker vom 23. November 2015.

Unsere Themen zum Wochenbeginn:

  • Kontaminiertes Gras zur Rinderfütterung  eingesetzt
  • Dosimeter für Sehbehinderte in Fukushima verfügbar
  • Bento aus Fukushima-Produkten an Hauptbahnhof Tokyo

Kontaminiertes Gras zur Rinderfütterung  eingesetzt: Die Verfütterung von radioaktiv belastetem Gras an Rinder klingt dramatisch, ist im aktuell gemeldeten Fall nach offiziellen Angaben jedoch unbedenklich.

Zwischen Ende Oktober und Anfang November lieferte die Stadt Shiroishi (Präf. Miyagi) etwa 1.100 Grasrollen die sich nach der Fukushima-Katastrophe dort angesammelt hatten, an einen Rinderzuchtbetrieb in Namie (Präf. Fukushima).

Tamotsu Baba, Bürgermeister von Namie, reichte am vergangenen Freitag eine Beschwerde ein. Die Stadt habe die Gefühle der Einwohner von Namie bei der Entscheidung, dieses Gras zu liefern, nicht berücksichtigt.

Der stellvertretende Bürgermeister von Shiroishi verteidigte die Lieferung. Man habe mit der Lieferung die dortigen Betriebe unterstützen wollen. Zudem ist der Verkauf von kontaminiertem Gras bei der Einhaltung eines Grenzwerts von 8.000 Becquerel pro Kilogramm zulässig.

Bei dem Empfänger handelt es sich um den Bauernhof von Masami Yoshizawa, der sich mit seiner „Ranch of Hope“ gegen die Massentötung aller Rinder im Sperrgebiet des AKW Fukushima Daiichi gerichtet hatte und dort als eine Art Gnadenhof 330 Rinder versorgt.

Yoshizawa akzeptierte die Bitte der Stadt, auch kontaminiertes Futtergras anzunehmen. Es ist nicht zur Verfütterung an Schlachtrinder geeignet, da es den Lebensmittelgrenzwert von 100 Becquerel pro Kilogramm überschreitet.

Es kann als wahrscheinlich angesehen werden, dass die Stadtverwaltung von Shiroishi nicht rein aus humanitären Gründen handelte, sondern vor allem eine Möglichkeit suchte, das kontaminiere Gras möglichst kostengünstig zu entsorgen, wie dies die Regierung von lokalen Behörden verlangt.

Aufgrund der niedrigen Belastung darf es zwar theoretisch verbrannt werden, jedoch gibt es bei dieser Entsorgungsmethode immer wieder Bedenken von Einwohnern, die eine Freisetzung von radioaktivem Material fürchten.

Da die Verfütterung von kontaminiertem Gras an die Rinder der Farm in Fukushima die Verbraucher verunsichern könnte, falls der Eindruck entstehe, auch Schlachtrinder würden mit diesem Futter versorgt, veranlassten Landwirtschaftsministerium und die Präfekturverwaltung Miyagi einen Stopp weiterer Lieferungen.

Über diesen Fall berichtete die Asahi Shimbun.

Dosimeter für Sehbehinderte in Fukushima verfügbar: Seit diesem Monat bietet der Blindenverband der Präfektur Fukushima den kostenlosen Verleih  von Dosimetern für sehbehinderte Menschen in zehn Gemeinden.

Die Geräte zeigen die gemessene Strahlungsdosis nicht nur auf einem Display an, sondern verfügen auch über eine Sprachausgabe, die den Wert in Mikrosievert pro Stunde vorliest.

Nach Angaben des Verbands leben in den zehn Gemeinden etwa 500 Personen mit unterschiedlichen Sehbehinderungen. Die Präfektur stellt 100 Geräte zur Verfügung und hofft, sie tragen dazu bei, auch bei diesen Menschen die Strahlungsangst einzudämmen.

Anfragen zu den Bedingungen für das Anmieten der Geräte können an den Sozialverband der jeweiligen Gemeinde gerichtet werden. Über die Maßnahme berichteten Präfekturmedien.

Bento aus Fukushima-Produkten an Hauptbahnhof Tokyo;  Am Samstag begann der Verkauf von Mahlzeiten zum Mitnehmen am Tokyoter Hauptbahnhof (Bezirk Chiyoda), deren Zutaten aus der Präfektur Fukushima stammen.

Hautpbahnhof Tokyo (Foto: pd)
Hauptbahnhof Tokyo (Foto: pd)

Ekiben (Bahnhofs-Bento) genannte Lunchboxen werden in Japan in Zügen und auf Bahnhöfen an die Reisenden verkauft.

Die angebotenen Bento enthalten eine Mahlzeit im Stil der französischen Küche.

Die Zutaten für die Gerichte stammen von einem Betrieb in Iwaki (Präf. Fukushima), der auf den Einsatz von chemischen Düngemitteln und Pestiziden verzichtet.

Bereits am ersten Tag der Aktion des Werbeprodukte-Herstellers „Concept Village“ aus der Stadt Koriyama, waren die 50 angebotenen Lunchboxen bis 15:00 Uhr ausverkauft.

Der Verkauf der Mahlzeiten für 1.290 Yen soll nicht nur finanziellen Gewinn bringen, sondern vor allem die Angst vor Produkten aus der Region verringern. Über die Werbeaktion berichteten Präfekturmedien.

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