Start Aktuelles Fukushima aktuell: Kontaminiertes Grundwasser soll ebenfalls verklappt werden

Fukushima aktuell: Kontaminiertes Grundwasser soll ebenfalls verklappt werden

3047
1
TEILEN
Artikelbild - AKW Fukushima: Grundwasserverklappung unter Aufsicht der METI am 21. Mai 2014 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Grundwasserverklappung unter Aufsicht der METI am 21. Mai 2014 (Foto: TEPCO)

Der im Zusammenhang mit den Entwicklungen der Grundwasserprobleme am AKW Fukushima heute bekannt gewordene Plan, neben Grundwasser aus den Bergen auch bereits kontaminiertes Wasser zur Verklappung freizugeben, bestimmen die heutigen Fukushima News im Spreadnews Japan-Ticker vom 7. August 2014.

Unsere heutigen Themen:

  • Bereits kontaminiertes Grundwasser soll ebenfalls verklappt werden
    • Maßnahme
    • Ablauf
    • Ziel
    • Ausblick
    • Hintergrund

Das bislang genutzte Konzept der Grundwasserumleitung beruht darauf, ausschließlich aus den Bergen kommendes Grundwasser umzuleiten, bevor es durch Reaktorabwässer unter der Anlage kontaminiert werden kann, es in Sonderbehältern auf radioaktive Belastung zu prüfen und dann in den Pazifik einzuleiten.

Die Maßnahme war lange Zeit von den Fischereiverbänden abgelehnt worden, da sie Auswirkungen auf den Fischfang fürchteten. Die Fischer hatten ihr Einverständnis gegeben, nachdem ihnen die Einhaltung besonderer Sicherheitsmaßnahmen, wie etwa die Kontrolle der Kontamination durch eine unabhängige Instanz zugesichert worden war.

Doch nun wird eine Ausweitung geplant.

Maßnahme: Geht es nach dem Willen von Regierung und AKW-Betreiber, soll künftig auch bereits kontaminiertes Wasser aus dem Bereich der Grundwasserbrunnen in den Pazifik verklappt werden. Diesem Vorgang werde jedoch eine sorgfältige Filterung vorausgehen, so dass keine unkontrollierte Verklappung erfolge.

Diese Pläne sind durchaus ernst zu nehmen, denn bereits jetzt wurde ein Antrag auf Prüfung der Maßnahme durch die Atomaufsichtsbehörde NRA eingereicht. Auch Informationsveranstaltungen für die Fischereikooperativen, in deren Verlauf der neue Plan erklärt wird, finden bereits statt.

Sowohl die Behörden, als auch der Elektrizitätskonzern versicherten, niemals eine derartige Maßnahme ohne ausdrückliche Zustimmung der örtlichen Gemeinschaften durchzuführen.

Dennoch dürfte mit Protesten zu rechnen sein, da die Aussicht, bereits kontaminiertes Wasser nach einer Filterung einzuleiten, dem bisherigen Abkommen mit den Fischern widerspricht.

Sollte dagegen alles nach Wunsch der Verantwortlichen verlaufen, könnte schon Ende September mit dem neuen Projekt begonnen werden, da zu diesem Zeitpunkt eine Seebarriere und ein in Bau befindliches Filtersystem fertiggestellt sein sollen.

Ablauf: Der Plan sieht vor, das bereits belastete Grundwasser heraufzupumpen und durch das geplante Filtersystem von radioaktivem Material wie Cäsium und Strontium zu befreien, bevor es kontrolliert in den Pazifik eingeleitet wird.

Dabei will man auch auf bislang ungenutzte Grundwasserbrunnen in der Nähe von Reaktorgebäuden zurückgreifen und das von dort stammende Wasser durch Rohre weiterleiten. Die dortigen Grundwasserbrunnen („subdrains“) bestanden bereits vor der Fukushima-Katastrophe und dienten der Einleitung in das Meer, um den Grundwasserpegel niedrig zu halten.

Die Anlagen waren aufgrund von Schäden und der anhaltenden Kontamination in Reaktornähe nicht mehr genutzt worden. Nun plant TEPCO nicht nur 27 bereits bestehende Grundwasserposten wieder zu nutzen, sondern darüber hinaus 15 weitere dieser Brunnen schaffen. Die Aufgabe, die benötigten Entwässerungsrohre im Bereich der Kraftwerksanlage zu verlegen und die sonstigen damit anfallenden Arbeiten, sollen der Regierung zufallen.

Ziel: Die täglich anfallende Menge von 400 Tonnen an kontaminiertem Grundwasser, soll durch die Verklappung des bereits kontaminierten und anschließend gefilterten Grundwassers auf 200 Tonnen und damit um die Hälfte der bisherigen Menge reduziert werden.

Ausblick: Laufen alle Projekte, darunter auch die geplante Grundwasserbarriere wie erhofft, wird TEPCO langfristig zwei Verklappungssysteme auf der Anlage haben.

Eine Leitung die unbelastetes Grundwasser aus den Bergen direkt ins Meer leitet und eine weitere, die innerhalb des Eiswalls das an den Reaktoren anfallende Wasser der Grundwasserpumpen filtert und anschließend ebenfalls verklappt.

Hintergrund: Das Projekt soll zur Lösung des Problem der radioaktiven Abwässer am Kernkraftwerk Fukushima Daiichi beitragen. Täglich fallen dort durch Arbeiten und Reaktorabwässer etwa 400 Tonnen an radioaktiv kontaminiertem Wasser an, das in Lagertanks abgepumpt werden muss. Schätzungsweise 200 Tonnen an kontaminiertem Grundwasser gelangen täglich in das Meer.

Nachdem die Schaffung eines effektiveren Multinuklid-Filtersystems aussteht, der Wasserfluss in unterirdischen Tunneln noch nicht unterbrochen und die bisherige Umleitung und Verklappung von unbelastetem Grundwasser sich als ineffektiv erweist, will man offenbar mit dieser Maßnahme das Problem eindämmen.

Langfristig setzt TEPCO auf die Schaffung einer unterirdischen Grundwasserbarriere durch einen „Eiswall“ aus tiefgefrorenem Erdboden. Zu diesem Zweck soll um die Reaktorgebäude 1 bis 4 ein Rohrsystem im Boden geschaffen werden, durch das eine Kühlflüssigkeit zirkuliert und so die frostige Temperatur aufrecht erhält.

Diese Maßnahme wurde jedoch noch nie bei derartigen Großprojekten eingesetzt und ist auch nicht auf einen Langzeitbetrieb ausgerichtet, so dass Kritiker vor allem Risiken sehen, wenn es etwa zu Schäden an den Leitungen kommt. Zudem überschneiden sich die überfluteten Tunnel, deren Blockade durch Eis gerade versucht wird, an einigen Stellen mit der Grundwasserbarriere, was die Schwierigkeit zusätzlich erhöht.

Über die neusten Pläne berichteten praktisch alle japanischen Medien, darunter Kyodo, Mainichi Shimbun, Asahi Shimbun und NHK.

1 KOMMENTAR

  1. vom 1. Tag an gibt es probleme die nichtmal im Ansatz beseitigt werden konnten. ausserdem fließen diese Mengen an wasser schon von Anfang an ins Meer, gell? und jeden Tag findet man irgendwo neue lecks!

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here