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Fukushima aktuell: Kontaminiertes Regenwasser am AKW in den Boden gelangt

Analysen wiesen Cäsium und Betastrahler in den Wasserproben nach.

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Artikelbild - Herbstblatt im Regen (Foto: ECP cc-by)
Radioaktiv belastetes Regenwasser gelangte am AKW Fukushima in den Boden (Symbolfto: ECP, cc-by)

Nach längerer Zeit ereignete sich am AKW Fukushima heute ein Wasserleck, dessen Bedeutung über die bloße Bildung einer Lache hinausgeht, da auch radioaktiv kontaminies Wasser in den Boden gelangte.

Weitere Fukushima News befassen sich mit einem Gerichtsurteil, das aufgrund einiger Besonderheiten in Japan aktuell für Schlagzeilen sorgt. Die Details zu diesen Meldungen gibt es jetzt im Spreadnews Japan-Ticker vom 15. März 2018.

Unsere heutigen Themen im Überblick:

  • Radioaktiv belastetes Regenwasser am AKW in den Boden gelangt
  • Regierung und TEPCO müssen „freiwillig Evakuierte“ in Kyoto entschädigen
Radioaktiv belastetes Regenwasser am AKW in den Boden gelangt

Wie der Betreiber des AKW Fukushima Daiichi am heutigen Donnerstag bekannt gab, gelangte bei einem Zwischenfall auf dem Kraftwerksgelände radioaktiv kontaminiertes Regenwasser in den Erdboden.

Angestellte der Betreiberfirma TEPCO entdeckten gegen 11:50 Uhr (Ortszeit) im Lagertankbereich G3, dass Wasser durch Risse im Boden zwischen innere und äußere Barriere gelangt war. Sofort wurde eine Untersuchung eingeleitet.

Demnach traten etwa 6,5 Tonnen an Regenwasser aus, das bereits mit radioaktivem Material kontaminiert worden war. Zwar war das Ventil des äußeren Damms geschlossen, doch gelangte zumindest ein Teil des Wassers in diesem Zwischenbereich in den Boden.

Als Ursache geht das Unternehmen davon aus, dass ein Angestellter, als er seinen dortigen Arbeitsplatz bei Regenwasserpumparbeiten verließ, das Verbindungsstück der Leitung aus der ursprünglichen Position bewegte und so das Wasser herauslaufen konnte.

Die radioaktiv belastete Flüssigkeit konnte zwar in den Boden sickern, gelangte aufgrund des geschlossenen Außenventils aber nicht weiter in die Umwelt.

Eine Analyse der Wasserproben ergab eine Cäsiumkonzentration von 146 Becquerel pro Liter (davon Cäsium-134: 16 Becquerel und Cäsium-137: 130 Becquerel), sowie eine Konzentration von Betastrahlern, wie etwa Strontium, in Höhe von 420 Becquerel pro Liter.

Damit ist der Grenzwert von 30 Becquerel pro Liter, der unbedenklich freigesetzt kann, in beiden Fällen überschritten worden. Eine Gefahr für die Umwelt besteht nach ersten Angaben von TEPCO nicht.

Über den Zwischenfall berichteten das Betreiberunternehmen TEPCO, sowie Präfekturmedien.

Regierung und TEPCO müssen „freiwillig Evakuierte“ in Kyoto entschädigen

Ein Gericht in Kyoto verurteilte heute die japanische Regierung, sowie den Elektrizitätsanbieter TEPCO als Betreiber des Kernkraftwerks Fukushima Daiichi, zur Leistung von Entschädigungszahlungen in Höhe von mehreren Millionen Yen.

Damit gab das Gericht zwar 110 der insgesamt  174 Kläger Recht, blieb mit der Summe von 110 Millionen aber deutlich unter den 846,6 Millionen Yen. Die Kläger sind unzufrieden und gaben bereits bekannt, das Urteil anfechten zu wollen.

Geklagt hatten 174 so genannte „freiwillig Evakuierte“, die im Zuge der AKW-Krise im März 2011 noch vor dem Erlass einer offiziellen Evakuierungsanordnung aus ihren früheren Wohnorten nach Kyoto geflohen waren.

Das Gericht sah es als erwiesen an, dass die Regierung das Risiko eines Tsunami zumindest teilweise vorhersehen konnte und es unterlassen habe vom AKW-Betreiber stärkere Schutzmaßnahmen zu fordern.

Das Risiko sei neun Jahre vor der AKW-Krise bekannt gewesen und die Kernschmelzen hätten vermieden werden können, wenn die damaligen Aufsichtsbehörden ab 2006 stärkeren Druck ausgeübt hätten.

Auch sei das Fehlen einer offiziellen Anordnung zur Evakuierung eines Gebiets keine zwingende Voraussetzung um ein Anrecht auf Entschädigung zu haben. Abhängig von der Situation sei eine solche Flucht durch den gesunden Menschenverstand gerechtfertigt.

Insgesamt wurden in Japan bislang etwa 30 Klagen gegen die Regierung und TEPCO eingereicht. Es handelt sich um das fünfte Urteil dieser Art und den dritten Fall, in dem beide beklagte Instanzen schuldig gesprochen wurden.

Zuvor hatten  Gerichte im Tokyoter Bezirk Maebashi (März 2017) und in der Präfektur Fukushima (Oktober 2017) sowohl Staat, als auch AKW-Betreiber verurteilt. Dagegen hatte ein Gericht in Chiba (September 2017) lediglich Ansprüche gegen TEPCO zugelassen.

Ungewöhnlich ist, dass im aktuellen Fall auch einem Kläger aus der Präfektur Chiba eine Entschädigung zugesprochen wurde, obwohl sie im Großraum Tokyo und damit etwa 240 Kilometer von der Präfektur Fukushima entfernt liegt.

Über den Fall berichteten zahlreiche Medien, darunter Kyodo, Mainichi Shimbun, Asahi Shimbun, NHK und Präfekturmedien.