Fukushima aktuell: Kran reißt Öffnung in Schutzmantel von Reaktor 1

Fukushima aktuell: Kran reißt Öffnung in Schutzmantel von Reaktor 1

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Artikelbild - Fukushima-Reaktor 1: Beschädigung des Schutzmantels am 28. Oktober 2014 (Foto: TEPCO)
Fukushima-Reaktor 1: Beschädigung des Schutzmantels am 28. Oktober 2014 (Foto: TEPCO)

Gerade erst wurden die Arbeiten am Schutzmantel von Reaktor 1 begonnen, schon muss der Betreiber des AKW Fukushima heute einen ersten Zwischenfall melden. Details sowie weitere Fukushima News jetzt im Spreadnews Japan-Ticker vom 28. Oktober 2014.

Unsere heutigen Themen:

  • Schaden an Schutzmantel von Reaktor 1
  • Ölleck an Fahrzeug auf AKW-Gelände
  • Stadtverwaltung Satsumasendai stimmt für AKW-Neustart
  • Grundwasserverklappung abgeschlossen
  • Umstrittene Entschädigungsrichtlinien von TEPCO

Schaden an Schutzmantel von Reaktor 1: Am heutigen Dienstag wurde  gegen 8:23 Uhr ein Schaden an einem Deckenpaneel des Schutzmantels von Reaktor 1 entdeckt. Ursache ist offenbar die Düsenspitze eines Geräts, das von einem Kran herabhing, um ein Bindemittel in das Innere zu sprühen und aufgrund eines Windstoßes gegen den Schutzmantel geschlagen war.

Die Folge ist eine dreieckige Öffnung von einem Meter Breite und zwei Metern Höhe an einem Deckenpaneel. Als Reaktion auf den Schaden wurden die heutigen Arbeiten unterbrochen. Einen Zeitpunkt zur Wiederaufnahme nannte TEPCO nicht.

Den offiziellen Richtlinien zufolge, werden Kranarbeiten erst ab einer Windgeschwindigkeit von 36 Kilometern pro Stunde eingestellt. Daher geht das Unternehmen von einem kurzen heftigen Windstoß von etwa 7 km/h aus. Im Normalfall sollen die Öffnungen zur Einspeisung lediglich 30×30 Zentimeter groß sein.

Kraftwerksbetreiber TEPCO versichert, trotz des Schadens sei bislang kein Anstieg radioaktiven Materials in der Umgebung festgestellt worden. Für den heutigen Dienstag war die Entfernung eines Dachpaneels geplant worden. Unklar ist, ob diese Maßnahme noch durchgeführt wird.

Durch die kontrollierte Öffnung sollte versuchsweise festgestellt werden, wie groß der Austritt von radioaktivem Material nach dem Zuführen chemischer Bindemittel ist.  Über den Zwischenfall berichtete sowohl TEPCO als auch die NHK.

Ölleck an Fahrzeug auf AKW-Gelände: Am heutigen Morgen wurde gegen 8:30 Uhr in der Nähe des Haupttores der Kraftwerksanlage ein Ölfleck festgestellt, die auf einen Schaden an einem der Fahrzeuge hinwies. Bei einer Kontrolle wurde Öl auf einer Fläche von 1×1 Meter entdeckt.

Wie vorgeschrieben, wurde die Feuerwehr Futaba über den Fund in Kenntnis gesetzt. Gegen 9:40 Uhr konnte dann ein Stopp des Ölaustritts festgestellt werden. Das berichtete der Kraftwerksbetreiber TEPCO.

Stadtverwaltung Satsumasendai stimmt für AKW-Neustart: Die Stadtverwaltung von Satsumasendai (Präf. Kagoshima), beschloss heute in einer außerordentlichen Sitzung nach Antragsprüfungen, eine Zustimmung für den möglichen Neustart des AKW Sendai.

Bei einer Abstimmung wurde eine Befürwortung von zwei Reaktorneustarts mit 19 Stimmen zu 4 Gegenstimmen, beschlossen.

Stadt Satsumasendai stimmt für AKW-Neustarts (Foto: pd)
Stadt Satsumasendai stimmt für AKW-Neustarts (Foto: pd)

Bürgermeister Hideo Iwakiri erklärte im Anschluss, angesichts der Gefühle der Einwohner sei dies eine schwierige Entscheidung gewesen, als AKW-Standort habe man jedoch Verständnis für die Pläne der Regierung gehabt. Japans AKW-Standorte erleiden wirtschaftliche Einbußen, seitdem alle Reaktoren des Landes heruntergefahren  wurden.

Kyushu Electric, Betreiber des AKW Sendai, will nun auch Gouverneur Yuichiro Ito und die übrige Präfekturleitung zu einer Befürwortung der Neustarts bewegen. Die Anlage ist das erste Kernkraftwerk, dass nach den verschärften Sicherheitsstandards geprüft wurde.

Über die Entscheidung der Stadtverwaltung berichteten Kyodo, jiji, Mainichi Shimbun und NHK. Kritiker sehen eine Gefährdung des AKW-Standorts durch Erdbeben und vulkanische Aktivität gegeben und lehnen daher einen Neustart der beiden Reaktoren ab.

Grundwasserverklappung abgeschlossen: Eine heute durchgeführte Verklappung von umgeleitetem Grundwasser verlief nach Angaben von TEPCO ohne Zwischenfälle. Bei den Arbeiten zwischen 10:10 Uhr und 16:40 Uhr wurden 1.638 Tonnen an Grundwasser aus den Bergen in den Pazifik eingeleitet.

Durch die Umleitung und anschließende Verklappung von Grundwasser aus den Bergen, soll die Menge an kontaminiertem Grundwasser unterhalb der Kraftwerksanlage reduziert und die Gefahr für eine unkontrollierte Belastung des Meeres verhindert werden.

Die von TEPCO erhoffte Erlaubnis, zu einem späteren Zeitpunkt auch radioaktiv belastetes Wasser des AKW-Geländes nach einer Filterung verklappen zu dürfen, wird dagegen von Fischereiverbänden weiterhin blockiert.

Umstrittene Entschädigungsrichtlinien von TEPCO: Aus einem internen Papier des AKW-Betreibers geht hervor, dass das Unternehmen eigene Standards zur Entschädigung von Evakuierten aus Sperrgebieten pflegt. Diese sehen eine Rückzahlung von bereits erhaltenen Entschädigungsleistungen durch Empfänger vor, wenn diese eine schulische Laufbahn außerhalb des Sperrgebiets aufnehmen.

Das berichtet die Mainichi Shimbun und beruft sich dabei auf die ihr vorliegenden Dokumente. TEPCO gibt bislang an, Entscheidungen über Entschädigungszahlungen jeweils auf Einzelfallbasis anhand von Anträgen zu treffen.

In den Richtlinien wird erklärt, falls ein Mietvertrag zwischen einem nun Evakuierten und seinem Vermieter außerhalb des Sperrgebiets vor dem Ausbruch der Krise gemacht wurde, sei ihr Status als Evakuierter mit Entschädigungsanspruch abgelaufen, sobald der ohnehin geplante Umzug erfolgte.

Da nach Auskunft von Schulträgern der Präfektur Fukushima jedoch überhaupt keine Universitäten oder zweijährige Hochschulen in den Evakuierungsgebieten existierten würden alle Personen die umgezogen sind, mit Rückzahlungsforderungen durch TEPCO rechnen müssen.

Die monatliche Entschädigungszahlung von 100.000 Yen, soll die Evakuierten für die emotionale Belastung durch die Flucht aus dem gewohnten Lebensumfeld entschädigen.

Auch nach dem jetzigen Bericht bleibt TEPCO bei der Aussage, Entscheidungen nach den jeweils bestehenden persönlichen Umständen des Antragstellers zu treffen und lehnte die Veröffentlichung von unternehmenseigenen Zahlungsrichtlinien ab.

TEPCO machte zudem keine Angaben dazu, wieviel Personen unter diese interne Regelung fallen würden. Die Zahl von 1.000 Stundenten aus den jetzigen Evakuierungszonen, die im Frühling 2011 vor der Katastrophe ihren Abschluss machten, lassen jedoch die möglichen Zahlen für Rückforderungen erahnen.

Zuletzt hatte die Rückzahlungsforderung von neun Millionen Yen gegen eine 21 Jahre alte Frau für Aufsehen gesorgt. Es handelte sich um die erste Forderung gegen eine Person, die nicht Familienangehörige eines TEPCO-Mitarbeiters ist.

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