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Fukushima aktuell: Kritik am Recycling von kontaminiertem Erdreich

Experten fürchten illegale Entsorgung

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Artikelbild - Lagerung von Kunststoffsäcken mit Dekontaminationsabfall am 31. Mai 2015 (Foto: Prof. Haruhiko Okumura, cc-by)
Lagerung von Kunststoffsäcken mit Dekontaminationsabfall am 31. Mai 2015 (Foto: Prof. Haruhiko Okumura, cc-by)

Die aktuellen Fukushima News befassen sich vor allem mit der Entsorgung von radioaktiv belasteten Abfällen und tatsächlich ist das Thema in der Präfektur Fukushima heute ebenso von Bedeutung, wie zu Beginn der Krise.

In weitere Meldungen geht es um das Bemühen, die Normalität in freigegebene Teile des Sperrgebiets zu gewährleisten. Die Details hierzu gibt es nun im Spreadnews Japan-Ticker vom 5. Juli 2016.

Unsere heutigen Themen im Überblick:

  • Wiederverwendung kontaminierter Abfälle führt zu Missbrauchssorgen
  • Festnahme nach illegaler Entsorgung radioaktiver Abfälle
  • Elektrozäune gegen Wildschweine in Naraha
  • Neue Müllentsorgungsanlage am AKW Fukushima geplant
Wiederverwendung kontaminierter Abfälle führt zu Missbrauchssorgen

Nachdem das Umweltministerum am 30. Juni beschloss, die zuvor geplante Verwendung von Dekontaminationsabfällen im Straßenbau und anderen Projekten zu genehmigen, warnen Experten nun vor der Möglichkeit, illegale Entsorgungen könnten so verschleiert werden.

Die Regelung, der zufolge Erdreich mit Cäsiumbelastungen unter 8.000 Becquerel für öffentliche Projekte genutzt werden könnte, war trotz Überschneidungen mit anderen gesetzlichen Regelungen mit Dekontaminationskriterien beschlossen worden.

Diese Widersprüche könnten nach  Ansicht von Experten künftig ein Sicherheitsproblem werden und die unkontrollierte Kontamination fördern.

Die Belastung von Material aus der Stilllegung von Reaktoren darf bei Wiederverwendung lediglich 100 Becquerel pro Kilogramm betragen. Dieser Wert geht auf die Internationale Strahlenschutzkommission zurück, die eine jährliche Belastung von bis zu 0,01 Millisievert als geringe Gefahr ansieht.

Das im Januar 2012 erlassene Gesetz, das dagegen Belastungen bis zu 8.000 Becquerel pro Kilogramm als akzeptabel ansieht, beruht auf dem Jahresgrenzwert für Zivilisten, der eine Belastung bis zu einem Millisievert zulässt.

Dieser doppelte Standard war vom Umweltministerium bislang dadurch gerechtfertigt worden, dass es beim ersten um „Wiederverwendung“ und beim Zweiten um „Entsorgung“ gehe. Doch die Entscheidung vom Juni widerspricht nun der bisherigen Darstellung.

Diese und weitere Uneinheitlichkeiten waren bei den Gesprächen hinter verschlossenen Türen nie näher zur Sprache gekommen, noch war das Thema bei öffentlichen Treffen diskutiert worden.

Experten fürchten nun, aufgrund der Differenzen könnten skrupellose Unternehmen durch dubiose Verträge das kontaminierte Material abnehmen und dafür Geld erhalten, um es dann illegal zu entsorgen.

Bereits in der Vergangenheit war kontaminiertes Material in Bauarbeiten eingesetzt, oder in Form von Schlacke aus der Eisenverarbeitung getarnt worden. Über die Bedenken berichtete die Mainichi Shimbun.

Festnahme nach illegaler Entsorgung radioaktiver Abfälle:

Am gestrigen Montag nahm die Polizei Iwaki einen 38 Jahre alten Arbeitslosen in Hirata fest. Er wird verdächtigt, für die illegale Entsorgung von kontaminierten Abfällen aus Koriyama im Dezember vergangenen Jahres verantwortlich zu sein.

Damals waren Säcke mit radioaktivem Erdreich aus Dekontaminationsmaßnahmen  ungenehmigt im Waldgebiet abgelegt worden.

Der Mann bestreitet die Vorwürfe und erklärt, er wisse nichts über die damaligen Ereignisse. Zum Zeitpunkt der Straftat war er bei der Abfallentsorgung beschäftigt. Über die Festnahme berichteten Präfekturmedien.

In der Vergangenheit hatte es mehrfach Berichte über die Beseitigung radioaktiver Abfälle, entsprechende Festnahmen von Verdächtigen, sowie Verurteilung der Täter gegeben.

Im Februar 2015 waren in Minamisoma Zweige in Gruben entsorgt worden. Im Oktober folgte in der selben Gemeinde die illegale Entsorgung von Schutzkleidung. Dies sind nur einige Beispiele für Verstöße gegen geltendes Recht.

Elektrozäune gegen Wildschweine in Naraha:

Nachdem in Naraha erstmals wieder Reisanbau durchgeführt werden darf, will die Gemeinde die Felder nun mit elektrischen Zäunen vor Wildschweinen schützen.

Im Zuge der AKW-Katastrophe waren einige Gemeinden evakuiert worden, so dass im Sperrgebiet die Population der Tiere nicht kontrolliert werden konnte und durch Wildtiere schwere Schäden an Gebäuden und landwirtschaftlichen Nutzflächen entstanden.

Nun, nachdem die Freigabe der Ortschaften im Rahmen des Drei-Zonen-Modells fortschreitet, will man sich gegen die erwarteten Probleme durch Wildtiere schützen.

Zu diesem Zweck erlaubte ein Verband jetzt die kostenlose Nutzung von elektrischen Zäunen mit Solarenergie. An den Arbeiten zur Anbringung der Zäune, sowie weiteren Arbeiten beteiligen sich auch Angestellte des Lraftwerksbetreibers TEPCO.

Bis Mitte Juli soll der Zaun fertig gestellt sein und insgesamt 20 Hektar Anbaufläche vor den Wildtieren schützen. Darüber berichteten Präfekturmedien.

Die massenhafte Keulung von Rindern, die Tötung von Wildschweinen und die Verbrennung der Kadaver waren bislang die größten Herausforderungen in diesem Bereich.

Abseits der menschlichen Siedlungen sollen die Wildschweine als Dosimeterträger dazu beitragen, ein besseres Bild der Strahlungsbelastung ermitteln zu können.

Neue Müllentsorgungsanlage am AKW Fukushima geplant:

Wie Kraftwerksbetreiber TEPCO mitteilt, soll im Nordwesten des Kraftwerksgeländes die nunmehr neunte Anlage dieser Art geplant. Die Abfälle sollen dort zunächst zerkleinert werden, um das Volumen des Materials zu verringern.

Die Sicherheit der Einrichtung soll dabei durch Strahlenschutzmaßnahmen gewährleistet werden, die eine Ausbreitung von radioaktivem Material aus dem Inneren des Gebäudes hinaus, verhindern. Daher ist auch die Lagerung von Festabfällen dort möglich. Über diesen Schritt berichtete der Kraftwerksbetreiber.

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