Fukushima aktuell: Kritik an illegaler Foto-Aktion im Sperrgebiet

Fukushima aktuell: Kritik an illegaler Foto-Aktion im Sperrgebiet

Rufschädigung und Einseitigkeit verärgern Fukushima-Unterstützer

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Kritik an unerlaubten Fotografien aus evakuierten Ortschaften (Grafik: pd)

Unzufriedenheit und Kritik von Verwaltung und Bürgern werden aus der Präfektur Fukushima heute gemeldet und sind die Reaktion auf ein ungenehmigtes Fotoprojekt in der Sperrzone um das Kernkraftwerk Fukushima Daiichi.

Die Fukushima News befassen sich aber auch mit der radioaktiven Belastung von Wildtieren. In beiden Fällen finden sich die aus Japan aktuell gemeldeten Einzelheiten im Spreadnews Japan-Ticker vom 15. Juli 2016.

Unsere Themen zum Wochenende:

  • Sperrzonen-Fotoaktion sorgt für Proteste
  • Wildtiere in Minamisoma über Grenzwert belastet
Sperrzonen-Fotoaktion sorgt für Proteste

Die international viel beachtete Aktion eines malaysischen Fotografen, der ohne Genehmigung in das Sperrgebiet um das Kernkraftwerk Fukushima Daiichi eingedrungen war und Fotos in menschenleeren Supermärkten und evakuierten Privathäusern gemacht hatte, steht nun in der Kritik.

Die Fotos würden ein extrem einseitiges Bild zeichnen und nicht wiedergeben, dass bereits fünf der 11 evakuierten Gemeinden mittlerweile freigegeben wurden und die Dekontaminationsarbeiten weitergeführt werden.

Der bereits gelungene Wiederaufbau von Infrastuktur finde sich ebenfalls nicht in den Aufnahmen. Diese zeigen lediglich verlassene, beschädigte Gebäude und seien somit eine verzerrte Darstellung der tatsächlichen Verhältnisse in den Gemeinden.

Der Fotograf zeichne das Bild einer Zeitblase, in der die Zeit stehen geblieben ist, während in Wirklichkeit intensive Arbeiten um die Wiederbelebung der Präfektur durchgeführt werden, sagen Kritiker.

Vorurteile, bei der Präfektur Fukushima handele es sich um eine Art radioaktives Niemansland würden hierdurch bestätigt und damit einen Imageschaden verstärken, dem man bereits durch Werbemaßnahmen entgegen getreten war.

Man befürchte nun, dass das Negativ-Image im Ausland gefördert werde.

Zu den kritischen Stimmen gehören Yumiko Nishimoto von der Non-Profit-Organisation „Happyroad.net“ und der Kanadier William McMichael, der als Assistenzprofessor an der Universität Fukushima tätig ist.

Der Fotograf Keow Wee Loong hatte nach eigenen Angaben nicht den langwierigen Genehmigungsprozess abwarten wollen und war, unter Umgehung von Polizeikontrollen, unerlaubt durch Wälder in das Sperrgebiet eingedrungen.

Die Fotos veröffentlichte er auf seinem Facebook-Profil und diese wurden von den internationalen Medien mit großem Enthusiasmus weiter verbreitet. Er selbst sieht die Aktion als Mittel, um auf die Gefahren der Kernenergie hinzuweisen.

Mittlerweile gibt es jedoch auch auf Facebook kritische Stimmen. Mit Behauptungen wie „als ich die rote Zone betrat, brannten mir die Augen und ich hatte einen starken chemischen Geruch in der Nase“ verbreite er rufschädigende Gerüchte.

Über die Kritik an dem ungenehmigten Fotoprojekt berichteten Präfekturmedien.

Erwartungsgemäß erfahren Initiativen, die auch die attraktiven Seiten der Präfektur Fukushima zeigen wollen, deutlich weniger Aufmerksamkeit.

So gelangte etwa die ebenfalls auf Facebook gepostete Bitte des „This is Fukushima„-Projekts, durch eigene Fotos aus der Präfektur zum Jahreskalender 2017 beizutragen, im Gegensatz zu den dramatischen Katastrophenfotos, nicht in die internationalen Massenmedien.

Wildtiere in Minamisoma über Grenzwert belastet

Gestern veröffentlichte die Präfektur Fukushima die Testergebnisse von wildlebenden Tieren, die zu Untersuchungszwecken gefangen worden waren. Dazu gehörten neben Vögeln und Schwarzbären unter anderem auch Wildschweine.

Bei 22 der insgesamt 33 Wildschweine und vier der insgesamt 13 Schwarzbären wurden bei den Strahlungskontrollen teils deutliche  Überschreitungen des zulässigen Lebensmittelgrenzwerts von 100 Becquerel pro Kilogramm nachgewiesen.

Ausgerechnet bei Wildschweinen, die im Juni im Gebiet der erst kürzlich freigegebenen Stadt Minamisoma getestet wurden, konnten Höchstwerte bis 960 Becquerel pro Kilogramm nachgewiesen werden.

Die Präfektur wies daraufhin die Bevölkerung an, auf den Verzehr dieser Tiere zu verzichten. Über die Entdeckung berichteten Präfekturmedien.

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