Fukushima aktuell: Kühlkreislauf am Eiswall gestartet

Fukushima aktuell: Kühlkreislauf am Eiswall gestartet

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Artikelbild - Eiswallprojekt am AKW Fukushima; Start der Kühlmitteleinspeisung am 31. März 2016 (Foto: TEPCO)
Eiswallprojekt am AKW Fukushima: Start der Kühlung am 31. März 2016 (Foto: TEPCO)

Nach der gestrigen Erlaubnis begann am AKW Fukushima heute der offizielle Start des Kühlkreislaufs im Rahmen des Eiswallprojekts. Andere Fukushima News, die aus Japan aktuell ebenfalls gemeldet werden, stehen im Schatten dieses Ereignisses.

Dennoch haben wir natürlich auch diese Meldungen im Spreadnews Japan-Ticker vom 31. März 2016.

Unsere heutigen Themen im Überblick:

  • Kühlkreislauf am Eiswall des AKW Fukushima gestartet
  • Aktuelle Angaben zur Strahlungsbelastung der Fukushima-Arbeiter
  • Weiterhin hohe Cäsiumbelastung bei Wildtieren
  • Reaktormodell an Forschungszentrum fertiggestellt

Kühlkreislauf am Eiswall des AKW Fukushima gestartet: Gestern erfolgte die Erlaubnis zum Start des Kühlkreislaufs durch die Atomaufsichtsbehörde NRA. Heute begann der Betreiber des AKW Fukushima Daiichi mit der Einleitung der Kühlflüssigkeit.

Dabei soll zunächst nur der Ostteil auf der Küstenseite der Anlage gefroren werden. Allein dieses Vorhaben wird schätzungsweise mehr als drei Monate in Anspruch nehmen.

Sofern alles planmäßig verläuft, soll das Kühlmittel dann auch in den Abschnitten auf der Westseite des Geländes eingeleitet werden. Innerhalb von acht Monaten soll dann der so genannte Eiswall im Vollbetrieb laufen.

AKW Fukushima: Start der Eiswallkühlung am 31. März 2016
AKW Fukushima: Start der Eiswallkühlung am 31. März 2016

Zwischen Juni 2014 und Februar 2016 wurden auf einer Strecke von 1,5 Kilometern und in einer Tiefe von 30 Metern insgesamt etwa 1.568 Rohre unterirdisch um die Reaktorgebäude 1 bis 4 verlegt und Vorrichtungen zur Kontrolle des Kühlmittelkreislaufs angebracht .

Ergänzend hierzu wird bereits aus den Bergen strömendes Grundwasser umgeleitet, noch bevor es das AKW-Gelände erreicht, dann auf mögliche Kontamination getestet und schließlich in den Pazifik verklappt, um den Grundwasserpegel der Anlage zu kontrollieren.

Durch die Gefrierung der umliegenden Bodenschichten soll eine Art Eiswall entstehen, der als Grundwasserbarriere den Austausch zwischen radioaktiven Abwässern aus Reaktorgebäuden und dem Grundwasser langfristig verhindern soll.

TEPCO hofft, die täglich anfallende Menge radioaktiver Abwässer, die auf dem Gelände eingelagert werden müssen und daher ein Sicherheitsrisiko darstellen, durch dieses Großprojekt drastisch reduzieren zu können.

Bereits durch die Gefrierung des Küstenabschnitts soll bis zum Sommer die täglich anfallende Menge an Grundwasser, das in die Reaktorgebäude gelangt, von 400 auf 90 Tonnen reduziert werden. Im Vollbetrieb sollen sogar nur noch 50 Tonnen anfallen.

Trotz erfolgter Versuche mit Testläufen auf Teilstücken des Eiswallprojekts und der Fertigstellung der Rohrleitungen im Februar 2016 kam es nicht sofort zur Inbetriebnahme. Die Atomaufsichtsbehörde NRA blockierte den Start des Eiswalls.

Die NRA nannte als Begründung das Risiko, bei einem plötzlichen Abfall des Grundwasserpegels könnte schwallartig radioaktives Abwasser aus den Reaktorgebäuden gelangen.

TEPCO begegnete diesen Bedenken mit einem schrittweisen Gefrierungsprozess auf acht Teilstücken und der Versicherung, im Ernstfall die Gefrierung zu Stoppen und durch Einspeisung von Wasser den Pegel wieder heben zu können.

Daraufhin erteilte die Behörde ihre Erlaubnis für das Vorgehen des Kraftwerksbetreibers. Doch Kritiker sehen noch weitere Risiken – etwa im Umfang des Eiswallprojekts.

Derartige Konzepte sind zwar nicht neu, werden jedoch lediglich in viel kleinerem Rahmen eingesetzt. Es gibt bislang keine Erfahrung in solch großem Maßstab. Auch werden solche Barrieren lediglich temporär eingesetzt – das Konzept ist nicht für einen Dauerbetrieb ausgelegt.

Über den Start der Kühlmitteleinspeisung berichteten neben TEPCO auch mehrere japanischen Medien, darunter Kyodo, Mainichi Shimbun, NHK und Präfekturmedien.

Aktuelle Angaben zur Strahlungsbelastung der Fukushima-Arbeiter: Am heutigen Donnerstag übermittelte der Kraftwerksbetreiber TEPCO die aktuellen Angaben zur Zahl der Beschäftigten an der Anlage, sowie zur Höhe der Strahlungsdosis an das Ministerium für Gesundheit, Arbeit und Soziales für den Februar 2016.

Fukushima-Arbeiter vor Abfahrt des Busses am 7. Oktober 2011 (Foto: TEPCO)
Aktuelle Strahlungsbelastung der Arbeiter bekannt gegeben (Symbolfoto: TEPCO)

Nach Angaben von TEPCO, waren im Februar 2016 insgesamt 255 Arbeitskräfte für das Kernkraftwerk Fukushima Daiichi neu eingestellt worden. Die maximale Strahlungsbelastung der Angestellten lag bei 12,02 Millisievert.

Im Bezug auf die inkorporierte Strahlenbelastung wurden wie zuvor, keine signifikanten Werte festgestellt. Der nächste Bericht, der sich mit den Strahlungsdaten, mit Stand von Ende März 2016 befassen wird, soll gegen Ende April eingereicht werden.

Weiterhin hohe Cäsiumbelastung bei Wildtieren:  Auch fünf Jahre nach der AKW-Katastrophe ist die Belastung von Wildtieren mit radioaktivem Cäsium weiterhin hoch und liegt vielfach noch über dem zulässigen Lebensmittelgrenzwert.

Dass ein bestehendes Verkaufsverbot für Produkte aus sieben Wildtieren aus acht Präfekturen seine Berechtigung hat, zeigen die durchgeführten Kontrollen. Diese zeigen jedoch auch einen sinkenden Trend bei der Cäsiumbelastung.

Wies Wildschweinfleisch aus einer Anlage in der Präfektur Tochigi im Fiskaljahr 2012 noch 1.100 Becquerel pro Kilogramm auf, waren es im Fiskaljahr 2015 nur noch 340 Becquerel. Allerdings liegt dies immer noch über dem zulässigen Grenzwert von 100 Becquerel pro Kilogramm.

Der Rückgang der radioaktiven Belastung der Tiere, obwohl die Halbwertszeit von Cäsium noch nicht abgelaufen ist, führen Experten auf Wetterbedingungen und Bodenstrukturen zurück.

Das durch Regenfälle vom herabgefallenen Laub gespülte Cäsium lagere sich in Lehmpartikeln des Waldbodens ab und werde dadurch aus der Nahrungskette einer Reihe von Tierarten entfernt.

Die Werte schwanken zwischen einzelnen Tieren der gleichen Gattung erheblich, so dass die individuelle Strahlungskontrolle jedes einzelnen Produkts weiterhin die einzige Möglichkeit wäre, um den Vertrieb im großen Stil wieder aufnehmen zu  können.

Über diese Erkenntnisse berichtete die Mainichi Shimbun

In der freien Wildbahn lebende Tiere geben Aufschluss über die Verbreitung und Konzentration des radioaktiven Fallouts in Gebieten, die für Menschen nicht zugänglich sind. So werden beispielsweise „Dosimeterwildschweine“ zur Strahlungsmessung eingesetzt.

Allerdings richten sie bei ihrem Vordringen ind evakuierte Ortschaften auch massive Schäden an, so dass selbst nach einer Aufhebung der Evakuierungsanordnung für Sperrgebietsgemeinden eine Erschwerung der Rückkehr durch Wildtiere möglich ist.

Reaktormodell an Forschungszentrum fertiggestellt: Im Entwicklungszentrum für Stilllegungstechnologien der japanischen Atomenergiebehörde JAEA in Naraha konnten heute Fortschritte gemeldet werden.

Dort stellten die Experten gestern ein 18 Meter hohes Modell des Sicherheitsbehälters von Reaktor 2 fertig, das bei der Entwicklung von Technologien zur Bergung von geschmolzenen Brennelementen, oder Abdichtungsarbeiten verwendet werden kann.

Zur weiteren Ausstattung zählt ein ein zylinderförmiges Aquarium von 8.5 Metern Höhe, dass den Test von schwimmfähigen Robotern im Reaktoreinsatz ermöglichen soll. Eine Virtual-Reality-Simulator für das Innere eines Reaktorgebäudes steht ebenfalls zur Verfügung.

Doch die Fertigstellung des Modells, oder die technische Ausstattung  sind nicht die einzigen Besonderheiten der Anlage in Naraha.

Am morgigen Freitag soll das Forschungszentrum in den Vollbetrieb gehen. Es handelt sich damit um die erste Neueröffnung einer solchen Einrichtung im 20-Kilometer-Umkreis um das Kraftwerk Fukushima Daiichi.

Dort sollen japanische Wissenschaftler in Zusammenarbeit mit internationalen Experten die dringend erforderlichen Technologien für die Stilllegung der Reaktoren entwickeln. Über die doppelte Premiere berichteten Präfekturmedien.

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