Start Aktuelles Fukushima aktuell: Kühlsystem in Reaktor 5 neu gestartet

Fukushima aktuell: Kühlsystem in Reaktor 5 neu gestartet

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Artikelbild - Fukushima-Reaktor 5: Ventil des Meerwasser-Kühlsystems nach Reparatur am 30. Juli 2014 (Foto: TEPCO)
Fukushima-Reaktor 5: Ventil des Meerwasser-Kühlsystems nach Reparaturarbeiten am 30. Juli 2014 (Foto: TEPCO)

TEPCO meldet mit einer Reparatur vom AKW Fukushima heute einen ersten Fortschritt, doch auch die Bewältigung des radioaktiven Wassers steht den aktuellen Fukushima News des Betreibers zufolge, unter einem guten Stern. Diese und weitere Meldungen nun im Spreadnews Japan-Ticker vom 30. Juli 2014.

Unsere heutigen Themen:

  • Neustart des Kühlsystems an Reaktor 5
  • TEPCO weitet Eisanwendung in Tunneln aus
  • Umweltministerium gibt weiteren Standortkandidaten bekannt
  • Bürokratie entgingen 2.400 Fukushima-Flüchtlinge

Neustart des Kühlsystems an Reaktor 5:  Am 6. Juli war um 11:10 Uhr ein Leck am Meerwasserkühlsystem von Reaktor 5 entdeckt und das System aus Sicherheitsgründen abgeschaltet worden. Die erforderliche Reparatur wurde als schwierig eingestuft und ein Abschluss für den August erwartet.

Fukushima-Reaktor 5: Ventil unmittelbar nach Entfernung am 17. Juli 2014 (Foto: TEPCO)
Fukushima-Reaktor 5: Ventil unmittelbar nach Entfernung am 17. Juli 2014 (Foto: TEPCO)

Nachdem die Untersuchungen und Reparaturen an dem betroffenen Ventil  (V-37-91B) abgeschlossen waren, konnte das Kühlsystem bereits heute um 14:30 Uhr neu gestartet werden.

Bei den Untersuchungen waren sowohl das betroffene Ventil 91B, als auch Leitungen und das Ventil 91A kontrolliert worden. Dabei wurde an ersterer ein deutliches Abblättern der Beschichtung, aber kein großer Verschleiss der Metallbereiche nachgewiesen. Im Fall des zweiten Ventils gab es leichteres abblättern der Dichtungsbeschichtung, jedoch keinen erheblicher Verschleiss.

Als Ursache wird davon ausgegangen, dass ein verstärkter Wasserdurchfluss am schadhaften Ventil zur Ablösung der Beschichtung, einer damit verbundenen Korrosion und dem Auftreten des kleinen Lecks geführt hatte.

Als Gegenmaßnahmen werden beide Ventile ausgetauscht und bessere Wartungskontrollen, sowie die Überarbeitung des Kontrollplans im April 2015 geplant.

TEPCO weitet Eisanwendung in Tunneln aus: Wie TEPCO heute mitteilte, ist das Unternehmen dazu übergegangen, mehr Eis in die unterirdischen Tunnel einzuleiten.

Die Versorgungstunnel waren im Zuge der Fukushima-Katastrophe mit radioaktiv kontaminiertem Wasser vollgelaufen, das seitdem durch Grundwasser gespeist wird und den Pazifik kontaminiert. TEPCO geht von etwa 11.000 Tonnen aus.

AKW Fukushima: Versuch mit Eisbefüllung am 24. Juli 2014 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Versuch mit Eisbefüllung am 24. Juli 2014 (Foto: TEPCO)

Der Kraftwerksbetreiber hatte in der Vergangenheit zunächst versucht, durch chemische Bodenaushärtung den Grundwasserrfluss zu blockieren und dann im April den Versuch gestartet, das radioaktive Wasser in den Tunneln durch Einspeisung chemischer Kühlmittel zu gefrieren. Dies erwies sich jedoch selbst nach drei Monaten als erfolglos.

Als unterstützende Maßnahme hatte man in diesem Monat damit begonnen, neben dem Kühlmittel auch Eis einzusetzen, um das Wasser zu gefrieren. So wurden zunächst nur zwei Tonnen eingespeist und dabei festgestellt, das im Laufe eines Tages die Wassertemperatur hierdurch um mehr als vier Grad sank.

TEPCO steigerte aufgrund dieses Erfolgs am heutigen Mittwoch die täglich eingespeiste Menge auf 15 Tonnen. Das berichtete die NHK. Wie schnell und in welchem Umfang sich die erweiterte Maßnahme als erfolgreich erweisen wird, bleibt daher zunächst abzuwarten.

Umweltministerium gibt weiteren Standortkandidaten bekannt: Das Umweltministerium erklärte am heutigen Mittwoch, man habe in der Frage der Standortsuche einen Kandidaten gefunden. Ein Gelände mit einer Fläche von drei Hektar in der Ortschaft Shioya (Präf. Tochigi) soll nach dem Willen der Regierung künftig Dekontaminationsabfälle aufnehmen.

Das Areal befindet sich bereits in staatlichem Besitz, so dass die Regierung ihrer zuvor gemachten Ankündigung folgt, man wolle keine Privatgrundstücke aufkaufen. Kazuhisa Mikata, Bürgermeister von Shioya, bedauerte die Wahl. In einem Gespräch mit Vize-Umweltminister Shinji Inoue erklärte er seine Ablehnung der Entscheidung, da er Folgen für die Umwelt fürchte.

Zumindest eine Untersuchung der potentiellen Lagerstätte durch Behörden schloss der Bürgermeister nicht aus, da man bereit sei, sich die Erläuterungen der Regierung zum Sachverhalt anzuhören.

Auf dem Gelände sollen kontaminiertes Erdreich, Asche aus der Verbrennung von schwach kontaminierten Abfällen, Laub und anderes Material mit Belastungen über 8.000 Becquerel pro Kilogramm gelagert werden, das im Rahmen der Dekontaminationsmaßnahmen nach der Fukushima-Katastrophe anfällt.

Während im Fall von Shioya die Entscheidung gefallen zu sein scheint, sind die Standorte weiterer Lagerstätten noch unklar. Zwar wurden bereits mögliche Standorte in der Präfektur Miyagi benannt, doch für die Präfekturen Chiba, Gunma und Ibaraki sind noch keine Gemeinden in die engere Wahl gekommen.

Insgesamt vier Kriterien sind nach offizieller Darstellung bei der Standortwahl entscheidend: Die Menge an erwarteten Abfällen, die Entfernung von Ansiedlungen, sowie die Distanz zu Wasserressourcen und das Ausmaß der Vegetation. Dies würde in Daten erfasst, die dann abgeglichen werden können.

Im September 2012 war der Versuch der Regierung, staatliches Waldgebiet in Yaita (Präf. Tochigi) zu nutzen, an der schlechten Informationspolitik gescheitert, da die Gemeinden sich nicht ausreicht aufgeklärt fühlten, was zu Protesten geführt hatte. Auch nach der jetzigen Entscheidung versammelten sich etwa 50 Einwohner von Shioya zum Protest.

Über die Entscheidung berichteten japanische Medien, darunter Kyodo, jiji und NHK.

Bürokratie entgingen 2.400 Fukushima-Flüchtlinge: Der Verwaltung der Präfektur Saitama entging offenbar die Anwesenheit von 2.400 Personen, die nach dem Beginn der Fukushima-Krise in die Präfektur geflohen waren. Das bedeutet, dass sie zustehende Leistungen, wie Evakuiertenhilfe, Gesundheitsberatung und Bildungsangebote möglicherweise nicht erhielten.

Übergangshaussiedlung (Copyright: Andreas Teichert/DTRG e.V.)
Eine Übergangshaussiedlung in Onagawa (Copyright: Andreas Teichert/DTRG e.V.)

Die Differenz zwischen der erfassten und der tatsächlichen Zahl an Personen war aufgefallen, nachdem die Gemeinden im Zuge einer Anfrage der Präfektur, die Zahlen der dort lebenden Flüchtlinge vorlegen mussten. Ursächlich für den Fehler war offenbar der Umstand, dass diese Umfrage nicht regelmäßig geführt wird und Personen, die privat unterkamen, teils nicht erfasst wurden.

Da die Regierung keine Regelung für die gesonderte Erfassung von Evakuierten vorsieht, beruhen die Zahlen vielfach lediglich auf der Anzahl der Personen, die in Übergangshäusern registriert sind.

Jetzt werden auch andere Präfekturen aufgefordert, die Zahl der Evakuierten durch die Gemeinden benennen zu lassen. Mit einem Anstieg der bisherigen Dunkelziffer wird gerechnet. Mit Stand vom 10. Juli sind landesweit offiziell 247.233 Personen durch die Behörde für Wiederaufbau als Evakuierte der Katastrophe registriert. Über die Zahlen berichtete die Mainichi Shimbun.

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