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Fukushima aktuell: Lagerplätze für radioaktive Abfälle werden knapp

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Artikelbild - AKW Fukushima: Nichtradioaktive Abfälle im Oktober 2013 (Foto: TEPCO)
Nicht Teil des Problems: kontaminationsfreie Abfälle am AKW Fukushima (Foto: TEPCO)

Schrumpfende Kapazitäten für radioaktiv kontaminiertes Wasser und Feststoffe stellen TEPCO vor Probleme, so dass vom Betreiber der Anlage in Fukushima heute Maßnahmen angekündigt wurden. Doch auch die Regenfälle der letzten Tage zeigen am AKW Fukushima aktuell Wirkung.

Weitere Fukushima News jetzt im Spreadnews Japan-Ticker vom 7. April 2014.

Unsere Themen zum Wochenbeginn

  • TEPCO muss Lagerplatz für radioaktive Abfälle ausweiten
  • TEPCO will Wassertanks aufstocken
  • TEPCO muss Lagerplatz für radioaktive Abfälle ausweiten
  • Übergelaufenes Regenwasser überschreitet Grenzwerte
  • Niederschlag ließ Strahlungswerte in Meerwasserproben steigen
  • Sanriku Railway rollt wieder
  • Erste Läden und Schulen in früherem Sperrgebiet eröffnet
  • Großteil von Schulen für Evakuierung bei Nankai-Tsunami ungeeignet

TEPCO will Wassertanks aufstocken: Wie der Elektrizitätskonzern TEPCO am vergangenen Freitag mitteilte, plant das Unternehmen deutliche Aufstockung der  Lagertanks für radioaktives Wasser. Bis Ende März 2014 soll die Kapazität der Tanks auf  bis zu 800.000 Tonnen steigen.

Rundbehälter für schwach radioaktive Abwässer aus Reaktoren 5 und 6. Foto: Tepco
TEPCO will Kapazität für Lagerung von radioaktivem Wasser verbessern (Symbolfoto: TEPCO)

Gegenwärtig sind die Behälter in der Lage, 480.000 Tonnen an radioaktivem Abwasser zu bewältigen. Allerdings sind 90 Prozent der Lagertanks bereits gefüllt. Die jüngste Ankündigung stellt eine Beschleunigung der bisherigen Pläne um ein Jahr dar.

Durch Planänderungen sei man nun in der Lage, den Transport bereits zusammengebauter Lagertanks per Schiff durchzuführen,

Der Transport fertiger Lagertanks mit Schleppern war bereits im Januar 2014 thematisiert worden. Den Bau von Behältern vor Ort habe man ebenfalls verbessern können.

Das Unternehmen hofft, durch die Kombination der Behälter und der unterirdischen Eisbarriere, die Menge an kontaminiertem Wasser bis März 2016 auf weniger als 800.000 Tonnen zu reduzieren. Das berichtete die NHK.

TEPCO muss Lagerplatz für radioaktive Abfälle ausweiten: Wie der Betreiber des AKW Fukushima heute bekannt gab, sieht sich das Unternehmen zur deutlichen Ausweitung der Lagerkapazitäten für kontaminierte Abfälle gezwungen.

Nach Einschätzung des Elektrizitätsanbieters, wird die Menge an anfallendem radioaktiven Abfall bis zum Fiskaljahr 2027, auf 560.000 Kubikmeter ansteigen. Bereits bestehende Anlagen verfügen jedoch nur noch über eine verbleibende Kapazität von 60.000 Kubikmetern.

Doch TEPCO muss somit nicht nur die Lagerung von weiteren 160.000 Kubikmetern an Abfällen sicherstellen. Bei 220.000 Kubikmeter, die als Teil der Neuabfälle hinzukommen werden, wird es sich um besonders stark radioaktiv belastetes Material handeln, das einer Sonderlagerung bedarf. Dies berichtete die Kyodo.

Übergelaufenes Regenwasser überschreitet Grenzwerte: Am Freitag berichtete der Kraftwerksbetreiber über den Austritt von Wasser an zwei Stellen der Lagertankgruppe G5. Nach ersten Angaben des Unternehmens handelt es sich dabei um Regenwasser, dass die Barrieren um die Lagertanks überspült habe.

Erste Wasserproben hätten keine Überschreitung der Grenzwerte ergeben. Auch sei an den Lagertanks keine Füllhöhenschwankung festgestellt worden. Diese Situation scheint sich nun geändert zu haben.

Wie der Betreiber des AKW Fukushima aktuell berichtet, wurde in mindestens einem Fall von herausgespültem Wasser, westlich von Reaktor 1, Werte über dem zulässigen Grenzwert für die Freisetzung von Regenwasser nachgewiesen. Dieser liegt bei 10 Becquerel pro Liter bei Betastrahlern.

AKW Fukushima: Regenwasserleck am 4. April 2014 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Regenwasserleck am 4. April 2014 (Foto: TEPCO)

Die Konzentration an Cäsium-134 lag bei 25 Becquerel pro Liter. Die Werte von Cäsium-137 wurden mit 39 Becquerel und die vom Strontium-90 mit 10 Becquerel pro Liter angegeben.

Da aufgrund starker Regenfälle ein Anstieg des Wasserspiegels hinter den Barrieren um die Lagertanks zu erwarten gewesen war, hatte TEPCO damit begonnen, dass Wasser in Tanks anderer Lagertankgruppen zu transferieren, konnte jedoch mit dem Niederschlag nicht Schritt halten, so dass es am Freitag um 5:30 Uhr zur Entdeckung der Lecks kam.

TEPCO betonte, man habe an den Lagertanks in diesem Bereich des Fukushima am Sonntag weiterhin keine Lecks gefunden. Daher wird die Kontamination auf radioaktives Material aus dem Boden zurückgeführt, das durch das Regenwasser gelöst worden sei.

Da das Wasser aus dem Barrierebereich hinaus drang, sei anzunehmen, dass es durch den Abflussgraben ins Meer gelangte. Der Kraftwerksbetreiber versicherte, man werde die Auswirkung auf den offenen Ozean untersuchen. Über den Zwischenfall berichtete neben dem Kraftwerksbetreiber auch Präfekturmedien.

Niederschlag ließ Strahlungswerte in Meerwasserproben steigen: In Wasserproben die am 4. April an der Anlage entnommen worden waren, wurde ein Anstieg an radioaktivem Nukliden, im Vergleich zu den Vorproben vom 2. April festgestellt. Die Zahlen wirken vergleichsweise gering, zeigen jedoch deutliche Schwankungen.

AKW Fukushima: Schlickzaun an den Ableitungskanälen der Reaktoren 1 bis 4 am 29. September 2011 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Schlickzaun an den Ableitungskanälen der Reaktoren 1 bis 4 am 29. September 2011 (Foto: TEPCO) (Foto: TEPCO)

In der Küstenregion Reaktoren 5 und 6, stieg der Wert an radioaktivem Cäsium-134 in Meerwasserproben von 0,66 Becquerel auf 8,7 Becquerel pro Liter – während Cäsium-137 von 0,66 Becquerel auf 22 Becquerel stieg.

Im südlichen Abflusskanal des Kraftwerks stieg der nachgewiesene Wert an Cäsium-137 von 0,89 auf 12 Becquerel pro Liter.

Besonders deutlich wurde der Anstieg in Meerwasserkontrollen weiterer Bereiche, etwa im Hafen nahe Reaktor 3. Dort wurden statt der 29 Becquerel zwei Tage zuvor, nun Cäsium-137 in Höhe von 290 Becquerel pro Liter nachgewiesen.

An der Innenseite des Schlickzauns an Reaktor 4, wurde Cäsium-134 in Höhe von 210, statt bislang 25 Becquerel pro Liter nachgewiesen und Cäsium-137 stieg innerhalb von zwei Tagen, von 10 auf 560 Becquerel pro Liter, was in beiden Fällen eine Steigerung um das Zehnfache entspricht.

TEPCO führt als Ursache die schweren Regenfälle vom Morgen des 4. April an, so dass Erdreich in die Meeresgebiete vor der Anlage gelangt sei. Am Sonntag dem 6. April erklärte das Unternehmen, die Werte hätten sich wie erwartet wieder normalisiert.

Sanriku Railway rollt wieder: Am Sonntag, dem 6. April 2014, nahm die Sanriku Railway, deren Einwaggon-Züge für viele nicht mehr nur ein romantisches Bild für ländliches Leben zeichnen, sondern deren erwartete Neubetrieb auch ein Zeichen für den Wiederaufbau sind, den vollständigen Betrieb wieder auf.

Das Unternehmen hatte durch den Tohoku-Tsunami 2011, nicht nur die Gleise und Bahnhöfe in der Präfektur Iwate verloren – durch die Todesopfer und die Flucht der Einwohner muss der Bahnbetreiber allerdings mit wirtschaftlichen Problemen zu kämpfen.

Die Gesamtstrecke stellte vor der Katastrophe eine wichtige Verkehrsverbindung für die Einwohner dar. Über die Wiederaufnahme des Betriebs berichteten japanische Medien, darunter Kyodo, Asahi Shimbun, jiji und NHK.

Erste Läden und Schulen in früherem Sperrgebiet eröffnet: Am Sonntag eröffneten in der Stadt Tamura, zwei Läden mit landwirtschaftlichen Produkten, sowie Gegenständen des täglichen Bedarfs. Am heutigen Montag folgten dann die ersten Einschulungen an zwei Grundschulen.

Die Eröffnung der Läden in Fertighäusern, sowie die Wiederaufnahme des Unterrichts wurde möglich, nachdem am 1. April 2014 die Evakuierung für zwei Gemeinden der Sperrzone aufgehoben worden war. Die Verwaltung von Tamura hatte die Schulen auf eigene Kosten zusätzlich dekontaminieren lassen.

Präfektur Fukushima: Absperrung einer Zonengrenze (Foto: Prof. Haruhiko Okumura, cc-by)
Präfektur Fukushima: Eine der zahlreichen Absperrungen (Foto: Prof. Haruhiko Okumura, cc-by)

Die Meldung über die Rückkehr von  Schülern, von denen künftig sogar einige per Schulbus von ihren entfernteren Wohnorten zur Schule gebracht werden sollen, täuscht jedoch nicht darüber hinweg, das lediglich für Miyakoji, einen einzelnen, eng umgrenzten Bezirk der Stadt, der Evakuierungsstatus aufgehoben wurde.

Neben der Neueröffnung einer zweiten Grundschule, sollen in der Zukunft auch weitere Maßnahmen folgen, um den Bezirk zu beleben.

Über den Schulbeginn berichteten praktisch alle Medien, darunter jiji, Mainichi Shimbun, Asahi Shimbun und NHK.

Großteil von Schulen für Evakuierung bei Nankai-Tsunami ungeeignet: Eine zwischen Februar und März 2013 durchgeführte Befragung von 1.436 Schulen, die in Gebieten liegen, die durch den Tsunami des Nankai-Großbebens betroffen wären ergab, dass 75 Prozent der 815 Schulen die auf die Umfrage antworteten, gefährdet sind.

Okawa-Grundschule in Ishinomaki am 8. September 2012 (Foto: Hajime Nakano, cc-by)
Okawa-Grundschule in Ishinomaki am 8. September 2012 (Foto: Hajime Nakano, cc-by)

Zudem sei man nach Angaben von 600 Schulen (73,6 Prozent) über mögliche Tsunami-Schäden besorgt. Trotz dieser Erkenntnisse und Bedenken, sind 735 Schulen (90,2 Prozent) als Evakuierungspunkte im Fall eines Tsunami vorgesehen. Dort sollen sich die Einwohner eigentlich in Sicherheit bringen.

Die Besorgnis der Experten für den Fall des Nankai-Großbebens ist berechtigt – das zeigt der Fall der Grundschule Okawa in Ishinomaki (Präf. Miyagi).

Dort waren durch den Tsunami des Tohoku-Erdbebens 84 Schüler und Lehrer gestorben, obwohl sich die Schule in keiner offiziellen Tsunami-Gefahrenzone befand und als Evakuierungspunkt ausgewiesen war. Im Fall der 815 nun untersuchten Schulen liegen dagegen 354 in den Gefahrenzonen der Karten von Verwaltungsbehörden.

Die Untersuchung umfasste die Präfekturen Aichi, Kanagawa und Kochi, sowie Mie, Shizuoka,Tokushima und Wakayama. Über die Ergebnisse berichtete die jiji.

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