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Fukushima aktuell: Lagertankleck als ernster Störfall eingestuft

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Artikelbild - Fukushima-Lagertankbereich H6: Ventil V347 am 19. Februar 2014 (Foto: TEPCO)
Fukushima-Lagertankbereich H6: Ventil V347 am 19. Februar 2014 (Foto: TEPCO)

Gestern berichteten wir ab 4:00 Uhr deutscher Zeit über einen übergelaufenen Lagertank. Der Austritt von radioaktivem Wasser aus dem Behälter beschäftigt den Betreiber des AKW Fukushima heute weiterhin, weitere Untersuchungen wurden angekündigt. Dennoch gibt es auch weitere Fukushima News die von Interesse sind.

Alle Meldungen nun im Spreadnews Japan-Ticker vom 21. Februar 2014.

Unsere Themen zum Wochenende:

  • TEPCO untersucht Hintergründe des Lecks
  • Übergelaufener Tank als INES 3 eingestuft
  • TEPCO will Kontrollrichtlinien für Lagertanks anpassen
  • Mitsubishi-Roboter schließt Testbetrieb am AKW Fukushima ab

TEPCO untersucht Hintergründe des Lecks: Der AKW-Betreiber sieht als Ursache erwiesen an, das radioaktives Wasser aus der Dekontaminationsanlage irrtümlich in den Lagertank im Bereich H6 geleitet worden war. Verantwortlich hierfür sind drei Ventile, die aus unbekannter Ursache offen waren. In einem Fall liegt offenbar ein Schaden vor.

Im heutigen Pressematerial nennt TEPCO keine unmittelbar neuen Erkenntnisse, veröffentlicht jedoch Bildmaterial. Auf einem Diagramm ist zu sehen, dass das Ventil V346, dass zur Ableitung von radioaktivem Wasser aus der Entsalzungsanlage über eine lange Leitung in den Lagertankbereich E dient, geschlossen war.

Dagegen war an der gleichen Stelle das Ventil V347, dass den Einfluss in den Bereich H6 regelt, geöffnet, so dass das Wasser diesen Weg nahm und dabei durch zwei weitere offene Ventile – V399 und V401C  – den Weg zum später überlaufenden Tank fand.

Der Kraftwerksbetreiber zeigt auf den veröffentlichten Fotos sowohl das Ventil V346 zum Bereich E, sowie die drei übrigen Ventile am 19. und 20. Februar 2014.

Übergelaufener Tank als INES 3 eingestuft: Die bei dem jüngsten Leck ausgetretene Wassermenge von 100 Tonnen an radioaktivem Wasser veranlasste die japanische Atomaufsichtsberhörde, das Ereignis gemäß der  Internationalen Bewertungsskala für nukleare Ereignisse als einen Zwischenfall der Stufe 3  („Ernster Störfall„) zu klassifizieren. Das teilte die Behörde auf ihrer Webseite mit.

AKW Fukushima: Wasserleck an Behälter im Bereich H6 am 20. Februar 2014 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Wasserleck an Behälter im Bereich H6 am 20. Februar 2014 (Foto: TEPCO)

Das Großleck vom August 2013 im Bereich H5, war seinerzeit ebenfalls als INES-3 eingestuft worden. Daher handelt es sich bei dem nun übergelaufenen Tank und der Freisetzung von 100 Tonnen kontaminierten Wassers um den schwersten Störfall seit diesem Großleck.

Nachdem jüngst in anderen Fällen bereits Mängel bei der Wasserprobenanlyse bekannt wurde, könnten jedoch auch die damals beim Großleck gemessenen Werte zu niedrig angesetzt worden sein. Ein ähnlicher Verdacht besteht seit einer Pressekonferenz am Mittwoch auch für die Messung der Strahlungsbelastung bei Angestellten.

TEPCO will Kontrollrichtlinien für Lagertanks anpassen: Kraftwerksbetreiber TEPCO kündigte an, die Richtlinien für Kontrollen in den Lagertankbereichen zu überarbeiten, um eine Fehleinschätzung von Zwischenfällen durch Angestellte künftig zu verhindern. Das jüngste Leck hätte bei anderem Vorgehen der Beschäftigten rechtzeitig entdeckt werden können.

Angestellte von TEPCO hatten nach einem Alarm, der auf einen Anstieg des Wasserstands hinwies die Anzeige des Pegelstandsmessers kontrolliert, der jedoch einen Abfall des Wasserstands anzeigte. Die Arbeiter hätten den Alarm daher auf einen Fehler des Pegelmessers zurückgeführt und lediglich einen Kontrollgang, sowie eine Außenkontrolle des Tanks durchgeführt.

Eine Messung des Wasserstands war offenbar nicht Bestandtteil der Standardprozedur bei derartigen Alarmen. Das berichtete die NHK.

Mitsubishi-Roboter schließt Testbetrieb am AKW Fukushima ab: Am gestrigen Donnerstag erklärte Mitsubishi Heavy Industries den seit Ende Januar laufenden Testeinsatz des Roborters MEISTeR am AKW Fukushima Daiichi für abgeschlossen. Das Gerät hatte Dekontaminationsarbeiten durchgeführt und Betonproben genommen.

Nach den Kernschmelzen an mehreren Reaktoren des AKW Fukushima Daiichi im März 2011, sind Teile der Anlage so stark radioaktiv kontaminiert, dass der gefahrlose Einsatz menschlicher Arbeiter nicht möglich ist. In diesen Fällen greift der Betreiber auf TEPCO auf Robotertechnologie unterschiedlicher Firmen zurück.

Der zweiarmige Roboter war für Reparaturarbeiten, Wartungen und vergleichbare Aufgaben entwickelt worden und hatte auf dem Gelände unter anderem mit einer Art Sandstrahler dünne Schichten von radioaktiv kontaminierten Oberflächen entfernt. Auch konnte der Roboter Betonproben von den Wänden nehmen.

Der Herstellter, Mitsubishi Heavy Industries Ltd. erklärte, dieser Einsatz zeige die Effektivität des Geräts und tatsächlich ist der MEISTeR trotz seines Gewichts von 440 Kilo in der Lage, Stufen bis zu 22 Zentimetern Abstand zu besteigen und Anstiege von bis zu 40 Grad zu meistern, so dass er auch an schwer zugänglichen Stellen Arbeiten könnte.

In genau diesem Punkt unterscheidet sich der 1,25 Meter lange und 70 Zentimeter breite Roboter auch von seinen Vorgängern. Während die meisten Roboter bei Katastropheneinsätzen durch ihre Kameras und Messgeräte eher beobachtende Funktion hatten, kann der 1,30 Meter hohe MEISTeR direkte Arbeiten, wie etwa die Zerteilung von Hindernissen durchführen.

Über den neuen Roboter berichtete die Asahi Shimbun. Der Roboter war erstmals im Dezember 2012 vorgestellt worden (Spreadnews berichtete am 7. Dezember 2012)

TEPCO hatte mit Quince, Survey Runner und dem FRIGO-MA bereits erfolgreich Roboter eingesetzt, allerdings auch einzelne Geräte in den Reaktorgebäuden aufgeben müssen, nachdem sich ihre Kabel dort verfangen hatten. Weitere Geräte, wie etwa der Tetrapod von Toshiba, befinden sich noch in der Entwicklung.

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