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Fukushima aktuell: Leitungen und Lagertanks radioaktiv kontaminiert

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Artikelbild - AKW Fukushima: Bereich mit Tankbehältern am 9. Januar 2012 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Bereich mit Tankbehältern am 9. Januar 2012 (Foto: TEPCO)

Der Fehler an der Multinuklid-Filteranlage hat nun offenbar Auswirkungen, die deutlich über die bisherigen Probleme des Systems hinausgehen. Daher gibt es vom AKW Fukushima heute auch keine positiven Nachrichten zu melden – die Fukushima News lassen eher auf langfristige Schwierigkeiten schließen.

Einzelheiten und weitere Meldungen nun im Spreadnews Japan-Ticker vom 20. März 2014.

Unsere heutigen Themen:

  • Radioaktive Kontamination von Lagertankleitungen aufgetreten
  • Alarm am Entlüftungsfiltern von Reaktor 2
  • Fast 100 einsame Tode seit Tohoku-Katastrophen

Radioaktive Kontamination von Lagertankleitungen aufgetreten: Nachdem bereits gestern Details zum Stopp aller drei Einheiten des Multinuklid-Filtersystems bekannt geworden waren, gibt es Informationen die zeigen, dass der Zwischenfall weitreichende Kosequenzen auf das Leitungssystem haben wird.

Zuletzt war bekannt geworden, das 15.000 Tonnen Wasser, die bereits in Lagertanks geleitet wurden, erneut gefiltert werden müssen.

Heutigen Angaben zufolge wurden etwa 900 Tonnen stark radioaktives Wasser durch ALPS-Einheit B nicht ausreichend gefiltert. Da im Regelfall das gefilterte Wasser nicht unmittelbar in bestimmte Tanks geleitet, sondern über ein Netzwerk von 21 Lagertanks verteilt wird, müssen alle 15.000 Tonnen erneut zurückgepumpt werden.

Die Behälter sind durch die erfolgte hohe Strahlungskontamination nicht mehr zur Lagerung von gefiltertem Wasser nutzbar. Nun muss geprüft werden, ob die temporären Lagertanks und die dorthin führenden Leitungen überhaupt ausreichend gereinigt werden können, um zu verhindern, das durch sie geleitetes gefiltertes Wasser erneut kontaminiert wird.

Kraftwerksbetreiber TEPCO zeigt sich von den Entwicklungen überrascht und Masayuki Ono von der Atomkraftabteilung des Unternehmens erklärte, man habe „niemals erwartet„, dass radioaktives Wasser in die Lagertanks gelangen könnte. Das Unternehmen hätte „besser vorbereitet“ sein müssen und das Unternehmen habe „keine Ahnung“ wie lange eine mögliche Reinigung dauern würde.

Ob Regierung und TEPCO ihr Ziel, die Kapazität der Anlage bis Ende des Fiskaljahrs 2014 zu verdoppeln tatsächlich erreichen können, scheint aufgrund der wiederholten Pannen und der jetzigen radioaktiven Kontamination des Leitungssystems für gereinigtes Wasser fraglich. Über die Auswirkungen berichtete die Asahi Shimbun.

Alarm am Entlüftungsfiltern von Reaktor 2: Am heutigen Tag stieg der Messwert des Kontrollpostens A, der die Freisetzung von radioaktivem Staub aus den Entlüftungen des Reaktors überwacht, über den Grenzwert des Geräts, was zu einem Alarm führte.

Fukushima-Reaktor 2 am 18. Juni 2012 (Foto: TEPCO)
Fukushima-Reaktor 2 am 18. Juni 2012 (Foto: TEPCO)

Nachdem der Wert jedoch bereits um 11:11 Uhr auf den Normalwert sank, hob TEPCO den Alarmzustand gegen 12:00 Uhr auf. Später ergänzte TEPCO diese Angaben und erklärte, auch am Strahlungsmessposten B der Entlüftung habe es gleichartige Schwankungen gegeben, die jedoch nicht zum Alarm vor hoher Konzentration führte.

Auch hier normalisierte sich der Wert um 11:11 Uhr wieder. Messposten auf dem Kraftwerksgelände wiesen dagegen offenbar keinen Anstieg der Radioaktivität in der Umgebung nach.

Wie Kraftwerksbetreiber TEPCO versichert, habe es an keinem der Reaktorwerte – Druck, Temperatur am Boden des Druckbehälters, der Temperatur des Sicherheitsbehälters etc – keine ungewöhnlichen Veränderungen gegeben. Der Warnung vor gestiegene Konzentration fehle daher jede Grundlage.

Fast 100 einsame Tode seit Tohoku-Katastrophen: Mit Stand vom Ende Januar 2014, sind in den Übergangshäusern der drei Präfekturen Fukushima, Iwate und Miyagi mindestens 97 Flüchtlinge den „Kodokushi“ genannten, einsamen Tod gestorben, der teilweise erst nach Monaten entdeckt wird.

jizo Statue (Foto: Chris Gladis cc-by-nd)
Statue des Jizo: Er begleitet nach Volksglauben die Seelen der Toten (Foto: Chris Gladis cc-by-nd)

Da es keine juristische Definition für Kodokushi gibt, erfasste die Yomiuri Shimbun diese Zahlen durch allgemein gehaltene Anfragen bei den Präfekturpolizeien zu Todesfällen, bei allein lebenden Einwohnern von Übergangshaussiedlungen. Die Zahl könnte somit noch höher liegen, weil die Polizei diese Kriterien nicht erfüllt sah.

In der Präfektur Miyagi wurden mit 47 Fällen, die größte Zahl einsamer Tode gemeldet, gefolgt von 28 Personen in der Präfektur Fukushima und 22 Fällen in der Präfektur Iwate. Insgesamt 71 Fälle von Kodokushi sind Männer. Mit 58 Personen macht die Gruppe der über 65 Jahre alten Flüchtlinge etwa 60 Prozent aller Fälle aus.

Kodokushi in Zusammenhang mit Naturkatastrophen sind jedoch kein neues Phänomen. Nach dem großen Hanshin-Erdbeben von Kobe im Jahr 1995, wurden in den folgenden drei Jahren insgesamt 188 unbemerkte Todesfälle registriert. Bis Ende 2013 wurden in der Präfektur Hyogo 1057 Fälle nachgewesen.

Aufgrund der bekannten Problematik gibt es jedoch auch Versuche, den steigenden Zahlen entgegenzuwirken. So wird das morgendliche Heraushängen einer gelben Fahne am Haus von Alleinstehenden ebenso genutzt, wie Lieferdienste, die nicht nur weniger rüstige Bewohner mit Waren versorgen, sondern auch nach dem Rechten sehen.

Übergangshaussiedlung (Copyright: Andreas Teichert/DTRG e.V.)
Eine Übergangshaussiedlung in Onagawa (Copyright: Andreas Teichert/DTRG e.V.)

Dies ist eine Ergänzung zu den Kontrollgängen von Freiwilligen und Sozialfürsorge, die von den Alleinstehenden teilweise belästigend empfunden werden, so dass alternativ lediglich geprüft wird, ob der Briefkasten überquillt oder Vorhänge auffällig lange offen stehen, oder geschlossen bleiben.

Einwohnervereinigungen von Übergangshaussiedlungen, verfügen mit Einverständnis der Bewohner teilweise über einen Ersatzschlüssel für Notfälle, falls eine Person sich zwei Tage lang nicht meldet. An anderer Stelle werden Mobiltelefone für Notrufe ausgegeben, oder Bewegungssensoren angebracht, die nach mehr als 12 Stunden Inaktivität Alarm geben.

Die Zahl der einsamen Tode nach den Katastrophen 2011 steigt bislang jährlich an. Waren es 2011 insgesamt 16 Fälle von Kodokushi, wurden 2012 bereits 38 einsame Tode nachgewiesen und für 2013 gelten 41 Fälle als gesichert. Das berichtet die Yomiuri Shimbun.

Pläne, wie das Gelbe-Fahnen-Konzept sind nicht ohne Kritik. Aufgrund des Stresses und der Überforderung – jeder ist zunächst mit sich selbst beschäftigt – könne es leicht sein, dass eine Fahne die Abends nicht eingeholt, sondern einfach stecken gelassen wird und so ein Tod dennoch unentdeckt bleibt.

Für mögliche Angehörige der allein gestorbenen Familienmitglieder, stellen die Beerdigung und das verbliebene Eigentum des Verstorbenen deutliche Probleme dar. Lehnen die Familienmitglieder eine Regelung der Angelegenheit ab, werden Leiche und Gegenstände auf Kosten der Steuerzahler entsorgt.

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