Fukushima aktuell: Massive Verzögerung bei Suche nach Brennelementen

Fukushima aktuell: Massive Verzögerung bei Suche nach Brennelementen

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Artikelbild - AKW Fukushima: Blick auf die Reaktoren am 15. März 2011 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Blick auf die Reaktoren am 15. März 2011 (Foto: TEPCO)

TEPCO sieht sich dazu veranlasst, vom AKW Fukushima heute einen Rückschlag bei der Suche nach Brennelementen melden zu müssen. Doch auch die übrigen Fukushima News zeigen, dass die Folgen der Krise längst noch nicht bewältigt sind.

Die Einzelheiten der aus Japan berichteten Meldungen gibt es jetzt im Spreadnews Japan-Ticker vom 26. Januar 2016.

Unsere heutigen Themen im Überblick:

  • Robotereinsatz an Fukushima-Reaktor 1 verzögert sich deutlich
  • TEPCO korrigiert Schätzungen zur erwarteten Effektivität des Eiswalls
  • Testfischerei in 20-Kilometer-Zone geplant
  • Dezentrale Lagerung von radioaktiven Abfällen in Ibaraki denkbar

Robotereinsatz an Fukushima-Reaktor 1 verzögert sich deutlich: Anders als ursprünglich geplant, wird TEPCO Ende März keinen Roboter zur Lokalisierung der Brennelemente in den Reaktor 1 schicken können.

Ein erster Robotereinsatz an Reaktor 1 hatte zwar hohe Strahlung nachgewiesen, jedoch keinen Aufschluss über Position und Zustand der Brennelemente liefern können. Zudem war der eingesetzte Roboter ausgefallen.

Zwar kann das neue Gerät auch im Wasser arbeiten – eine endoskopische Untersuchung habe jedoch gezeigt, dass Rost und andere Partikel das Wasser massiv trüben und der Roboter dort nicht funktionsfähig wäre.

Die gesamte Untersuchung wird sich somit um ein Jahr verzögern. In diesem Zeitraum will man neue Lösungsansätze erarbeiten. Denkbar wäre, den Roboter über dem Abklingbecken operieren zu lassen und von dort Untersuchungen vorzunehmen.

Während der Katastrophe im März 2011 war es zur Kernschmelze gekommen und neben Trümmern dürfte sich auch ein Teil der zusammengeschmolzenen Brennelemente im Wasser am Boden des Sicherheitsbehälters gesammelt haben.

Vergleichbare Robotereinsätze sind auch für die Reaktoren 2 und 3 geplant. Hierfür gibt es jedoch noch keinen festen Zeitplan. Über den Fehlschlag für TEPCO berichtete die NHK.

TEPCO korrigiert Schätzungen zur erwarteten Effektivität des Eiswalls: Wie Kraftwerksbetreiber TEPCO am gestrigen Montag bekannt gab, musste man die Einschätzungen, welchen Effekt der so genannte „Eiswall“ haben wird, korrigieren.

Demnach wird die anfallende Gesamtmenge an kontaminiertem Grundwasser bei Vollbetrieb des unterirdischen Kühlkreislaufs nicht wie bislang vermutet nur 50 Tonnen, sondern 150 Tonnen betragen.

Die neuen Schätzungen sind auf Tests an Grundwasserpumpen unter Berücksichtigung der Auswirkung von Feuchtigkeitsfaktoren auf das Gebäude zurückzuführen.

Das Unternehmen rechnete damit, langfristig die täglich in die Reaktorgebäude eindringende Wassermenge von etwa 300 Tonnen auf 50 Tonnen verringern zu können. Doch nach neuen Einschätzungen zur gemeinsamen Auswirkung von Spundwand und Eiswall müsse mit mindestens 100 Tonnen gerechnet werden.

Über die neuen Berechnungen berichteten Präfekturmedien.

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Testfischerei in 20-Kilometer-Zone geplant: Bei einem Treffen des Verbands zum Wiederaufbau des lokalen Fischereibetriebs, das in Iwaki stattfand, gab der Verband bekannt, den Testfang im Radius von 20 Kilometern um das AKW Fukushima Daiichi zu planen.

Da trotz der Spundwand und der Verklappung von zuvor gefiltertem Wasser am Kernkraftwerk die Konzentration an radioaktivem Material weiter abnimmt, werde diese Möglichkeit mit mehreren Fischereikooperativen diskutiert.

Bislang verzichten die Fischer freiwillig auf den Fang in solcher Nähe zur Kraftwerksanlage. Bei einem größer angelegten Treffen im kommenden Monat sollen dann gesammelte Meinungen vorgebracht werden.

Die Lebensmittelsicherheit der Produkte ist den Angaben zufolge sehr hoch, so dass kommerzieller Fischfang in diesen Gewässern langfristig denkbar wäre.

Ende Oktober 2015 betrug der Anteil der Meeresprodukte, die unter dem Grenzwert des Fischereiverbands lagen, bei über 99 Prozent. Der Verband legt strengere Maßstäbe an, als offiziell vorgeschrieben und akzeptiert nur Produkte unter 50 Becquerel pro Kilogramm als sicher.

Der allgemeine Lebensmittelgrenzwert liegt bei 100 Becquerel und somit doppelt so hoch, wie die freiwillig verschärften Standards der Fischer. Über die aktuellen Pläne berichteten Präfekturmedien.

Dezentrale Lagerung von radioaktiven Abfällen in Ibaraki denkbar: Das Umweltministerium will im Fall der Präfektur Ibaraki offenbar nicht auf dem Bau eines langfristigen Zwischenlagers bestehen, sondern möglicherweise die verteilte Lagerung von Dekontaminationsabfällen zulassen.

In der Präfektur Ibaraki werden in 14 Gemeinden insgesamt etwa 3.500 metrische Tonnen an radioaktivem Abfall mit Strahlungswerten über 8.000 Becquerel pro Kilogramm eingelagert. Bei den Standorten handelt es sich um Gelände von Müllverbrennungs- und Abwasseraufbereitungsanlagen.

Nach einer Anhörung der Gemeinden, die voraussichtlich im kommenden Monat erfolgen soll, wird eine endgültige Entscheidung des Umweltministeriums über das Abrücken vom Konzept zentraler Zwischenlager in Ibaraki erwartet.

Nachdem fast fünf Jahre vergingen, ohne das man sich auf einen Standort einigen konnte und der Gouverneur nach Rücksprache versichert hatte, den Gemeinden sei die bisherige Lagerungsform lieber, will das Ministerium nun flexibler vorgehen.

So soll nun auch in Gesprächen mit den Präfekturen Chiba und Gunma, in denen bislang ebenfalls eine gestreute Lagerung radioaktiver Abfälle erfolgt, die mögliche Beibehaltung des Konzepts, als Alternative zu einem zentralen Zwischenlager diskutiert werden.

Problematischer ist die Situation der Gemeinden in den Präfekturen Tochigi und Miyagi. Bei den dortigen Abfällen handelt es sich um Material wie etwa Reisstroh und über 60 Prozent davon werden auf Privatgrundstücken gelagert.

Dies wird vom Umweltministerium kritisch gesehen und die Schaffung eines sicheren Zwischenlagers empfohlen. Der Ort der Lager bleibt dabei vorerst unklar, denn alle bislang genannten Kandidaten wehren sich gegen ihre Nominierung.

Über das Problem der Einlagerung kontaminierter Abfälle aus der Fukushima-Katastrophe berichtete die Mainichi Shimbun.

2 KOMMENTARE

  1. Hallo,

    es ist schön, dass man hier auf dem laufenden gehalten wird, wo das Thema in den großen Medien so ignoriert wird.

  2. Echt super was ihr da macht, bin seid ein paar Jahren immer mal wieder hier und bin froh das ihr euch so Mühe gebt mich auf dem laufenden zu halten. Kenne zu dem Thema nichts vergleichbares. Vielen dank

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