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Fukushima aktuell: Mehr Einsatz bei Grundwasserbekämpfung angekündigt

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Artikelbild: J-Village vor Abfahrt des Busses am 7. Oktober 2011 (Foto: TEPCO)
Strengere Auswahl von AKW-Arbeitern in Japan geplant (Symbolfoto: TEPCO)

Mit dem Wochenbeginn startet auch die Zahl der Meldungen über fragwürdiges Vorgehen des Kraftwerksbetreibers TEPCO. Zwar versucht das Unternehmen mit den jüngsten Ankündigungen zur Bekämpfung von Grundwasser etwas Optimismus zu verbreiten, allerdings hat der Elektrizitätsanbieter mehr als nur ein Imageproblem.

Während sich Japan mit Walfang in neuseeländischen Gewässern internationale Kritik einhandelt, sind es für den Betreiber des AKW Fukushima heute die Beschäftigten, bei denen er in Ungnade fällt. Weitere Fukushima News nun im Spreadnews Japan-Ticker vom 6. Januar 2014.

Unsere Themen zum Wochenbeginn:

  • TEPCO will unterirdische Tunnel trockenlegen
  • Wasserspuren am SARRY-Filtersystem
  • TEPCO trifft Maßnahmen zur AKW-Stilllegung
  • Zahlungsrückforderungen gegen Kraftwerksarbeiter
  • Zahlungsrückforderungen gegen Familien von Kraftwerksarbeitern
  • TEPCO-Vorsitzender spornt Mitarbeiter an
  • Rechner des Monju-Reaktors mit Virus infiziert

TEPCO will unterirdische Tunnel trockenlegen: In einer Meldung vom Samstag wird berichtet, der Betreiber des AKW Fukushima Daiichi bereite sich auf die Reinigung jener unterirdischer Tunnel vor, die vom Unternehmen als eine der Hauptquellen für die anhaltende Grundwasserbelastung des Geländes angesehen wird.

Die Arbeiten sollen beginnen, sobald die Öffnungen der Tunnel vereist wurden. Als erster Schritt hierzu sollen noch in diesem Monat Leitungen für die Kühlmittel im Boden verlegt werden. Nach Abschluss der Frostungen will das Unternehmen im April mit der Ableitung des kontaminierten Wassers aus den Tunneln beginnen.

Durch die Vereisung soll der fluss des radioaktiv kontaminierten Wassers aus den Kellergeschossen der beschädigten Gebäude in die unterirdischen Tunnel verhindert werden.

Parallel hierzu soll auch die Bodenfrostung über größere Bereiche getestet werden. Dies ist eine Vorbereitung auf den langfristigen Plan des Kraftwerksbetreibers, die Reaktorgebäude mit einer unterirdischen Eiswand zu umgeben und auf diese Weise die Verbreitung der kontaminierten Wassermengen zu verhindern. Das berichtet die NHK.

Kritiker bemängeln, dass derart langfristige Bodenaushärtungen durch Gefriermaßnahmen noch nie durchgeführt wurden und das dafür eingesetzte Material auch nicht für einen derartigen Dauereinsatz vorgesehen ist. Zudem müsste die Abpumpkapazität von Grundwasser erhöht werden, da andernfalls der Pegel unterhalb der Anlage kritisch steigen könnte.

Wasserspuren am SARRY-Filtersystem: Am heutigen Montag wurde bei einem Kontrollgang gegen 11:00 Uhr an der Unterseite einer Leitung des SARRY-Filtersystems kleine Wasserspuren festgestellt. Da bei einer Strahlungsmessung lediglich Werte ermittelt wurden, die fast der Umgebungsstrahlung entsprachen , geht das Unternehmen von Regenwasser aus.

TEPCO trifft Maßnahmen zur AKW-Stilllegung: Verantwortliche des Betreiberkonzerns TEPCO teilten am Wochenende mit, man wolle bereits noch in diesem Monat mit der Anbringung von Geräten zur Strahlungsmessung an mehreren Bereichen erhöhter Strahlung innerhalb der Stockwerke von Reaktorgebäuden beginnen.

Die auf diese Weise ermittelten Werte sollen beim anschließenden Einsatz von Robotern zu Dekontaminationsarbeiten von Hilfe sein. Eine weitere Aufgabe der sich das Unternehmen stellen will, sind Untersuchungen, wie die Schäden am Sicherheitsbehälter, die während der Katastrophe entstanden waren, durch ferngesteuerte Geräte entdeckt und repariert werden können.

Zahlungsrückforderungen gegen Kraftwerksarbeiter: Eine Reihe von Kraftwerksbeschäftigten hat aufgrund der Mitarbeiterpolitik des Betreibers TEPCO gekündigt und verringert damit die Zahl der Arbeitskräfte an der Anlage. Grund hierfür sind Forderungen des Unternehmens nach Rückzahlung von Entschädigungsleistungen

Fukushima-Reaktor 1: Strahlungsmessungen am 5. Mai 2011 (Foto: TEPCO)
Arbeiter bei Strahlungsmessungen in Reaktor 1 am 5. Mai 2011 (Foto: TEPCO)

So berichtet etwa ein Angestellter, der als Helfer der ersten Stunde unter dem mittlerweile an Krebs verstorbenen Kraftwerksleiter Masao Yoshida versucht hatte, die Kernschmelzen zu verhindern, dass ihm das Unternehmen im Herbst 2012 die Entschädigungszahlungen gekürzt habe.

Als Grund gab das Unternehmen an, da er aufgrund der Katastrophe im Sommer 2011 in eine Mietwohnung außerhalb der betroffenen Gebiete verzogen war, habe er nicht mehr den Status eines Evakuierten gehabt, sondern wertete diesen Schritt als normalen Umzug, da er bereits zuvor in einer Mietwohnung lebte.

Im Frühling 2013 folgte ein Schreiben seines Arbeitgebers in dem erklärt wurde, ihm werde die seit dem Sommer 2011 die entstandene Differenz von seiner Entschädigungszahlung abgezogen. Da ihm diese Zahlung aufgrund des Umzugs nicht mehr gewährt wurde, müsste er im Endeffekt eine Summe von einigen Millionen Yen aus eigener Tasche zurückzahlen.

Die Entschädigung für Evakuierte umfasst, neben anderen Beträgen, eine monatliche Zahlung von 10.000 Yen als Ausgleich für die emotionale Belastung, sowie Geld zur Deckung von Kosten, die mit dem Besuch der evakuierten Haushalte verbunden sind.

Auf Drängen das Arbeiters erklärte das Unternehmen, die genaue Art der Rückzahlung sei noch nicht geklärt. Das Angebot einer außergerichtlichen Schlichtung lehnte der Elektrizitätskonzern ab. Dies berichtete die Mainichi Shimbun am Wochenende und berichtet, auch Kollegen des Arbeiters hätten ähnliche Forderungen erhalten.

Zahlungsrückforderungen gegen Familien von Kraftwerksarbeitern: Am heutigen Montag wurde die Berichterstattung fortgesetzt. Nun wird berichtet, dass der Betreiber des AKW Fukushima auch von den Familien der Kraftwerksarbeitern die teilweise Rückzahlung der geleisteten Entschädigungszahlungen fordert.

Japanische Yen-Banknoten (Foto: pd)
Rückzahlungen von Familien der TEPCO-Angestellten verlangt (Foto: pd)

Im Fall eines Angestellten hatte der Arbeiter zuvor finanzielle Entschädigung für alle Familienmitglieder verlangt. Da er im Gebiet lebte, das langfristig unbewohnbar gilt, hatte er Anspruch auf weitere Zahlungen über einen Zeitraum von fünf Jahren. Ihm gelang die Ausweitung der Ansprüche auf seine Familie und erhielt schließlich eine Summe von mehr als 20 Millionen Yen.

Schließlich erhielt er ein Schreiben der Entschädigungsabteilung des Konzerns, in dem die Rückzahlung der gesamten Entschädigung von mehr als 30 Millionen Yen gefordert wurde. Als Begründung nannte das Unternehmen, auch für seine Familie habe der Status als Evakuierte beim Umzug in ein Mietshaus im Sommer 2011 geendet.

Während evakuierte Bürger der Präfektur Fukushima den gesetzlichen Regelungen folgend, sowohl für die psychische Belastung entschädigt, als auch die Kosten für die zeitweise Rückkehr in die gesperrten Gebiete um wichtige Dinge sicherzustellen übernommen werden, wurde den Familien der TEPCO-Beschäftigten diese Rechte verwehrt.

Vielmehr forderte das Unternehmen sie dazu auf, zuvor gezahlte finanzielle Unterstützungen für den Möbelkauf zurückzuzahlen.
Nach Angaben der Mainichi Shimbun wurden mindestens vier Familien von Angestellten mit derartigen Forderungen konfrontiert. In zwei Fällen seien Forderungen über zehn Millionen Yen erfolgt.

TEPCO verteidigt auch dieses Vorgehen und erklärte, man entspreche den Entschädigungsforderungen seiner Beschäftigten ebenso wie deren Familien „in angemessener Weise“.

TEPCO-Vorsitzender spornt Mitarbeiter an: Anlässlich seiner heutigen Neujahrsansprache am AKW Fukushima Daini, etwa zehn Kilometer vom AKW Fukushima Daiichi entfernt, forderte Kazuhiko Shimokobe, Vorsitzender der Betreiberfirma, die Angestellten dazu auf, sich selbst völlig der Arbeit für die Opfer der Reaktorkatastrophe zu widmen.

TEPCO-Präsident Naomi Hirose bei Fukushima-Besuch am 4. Juli 2012 (Foto: TEPCO)
TEPCO-Präsident Naomi Hirose bei Fukushima-Besuch am 4. Juli 2012 (Foto: TEPCO)

Neben der Vorstellung des neuen Geschäftsplans und der Erklärung, dieser werde das Unternehmen schrittweise zu einer deutlichen Erholung von der Katastrophe führen, bat er die etwa 200 anwesenden Angestellten, alle verfügbaren Mittel zu nutzen und sich ernsthaft einzubringen, wenn es um die Unterstützung für die Bewohner der Präfektur gehe.

Allerdings ist dies auch die letzte Neujahrsansprache für Shimokobe, kündigte er doch an, noch in diesem Jahr zurückzutreten.

TEPCO-Präsident Naomi Hirose, räumte später gegenüber Pressevertretern ein, der Elektrizitätskonzern habe im vergangenen Jahr keine gute Figur bei der Krisenbewältigung gemacht, versprach jedoch, man werde in diesem Jahr alles unternehmen werde, um weitere Probleme zu verhindern.

Auch er erklärte, man wolle Einwohner unterstützen und nannte konkret die Rückkehr in die früheren Wohnorte. Hierüber berichtete die NHK.

Rechner des Monju-Reaktors mit Virus infiziert: Offenbar wurde einer der Computer des heruntergefahrenen Experimentalreaktors am AKW Monju mit Schadcode infiziert. Einem Serveradministrator war am vergangenen Wochenende ein ungewöhnlicher Betrieb eines Arbeitsplatzrechners aufgefallen.

Unter Berufung auf Quellen die mit dem Forschungsprojekt vertraut sind, berichtet die Kyodo davon, dass nach Einschätzung des Reaktorbetreibers, der Japanischen Atomenergiebehörde JAEA, zwar Daten vom Server gelangt sein könnten. Allerdings sei keine der Informationen dort sicherheitsrelevant für die Anlage.

Erst im vergangenen November war der Betreiber von der Atomaufsicht NRA für unzureichende Antiterror-Maßnahmen gerügt worden.

Später wurden diese Informationen durch die NHK ergänzt. Demnach gab es mehr als 30 illegale Zugriffe auf einen der acht Rechner im Hauptkontrollraum. Diese erfolgten von einer südkoreanischen Webseite, nachdem ein Angestellter am Donnerstag ein Software-Update durchgeführt hatte und der Rechner dabei offenbar kompromittiert wurde.

Nach Angaben der JAEA waren etwa 42.000 interne E-Mails und Berichte über Trainingsmaßnahmen der Mitarbeiter auf dem Computer gespeichert worden. Aufgrund von ausgehenden Verbindungen gehe man davon aus, dass ein Teil der Daten gestohlen wurde. An den übrigen Computern der Anlage gebe es keine Probleme.

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