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Fukushima aktuell: Mehrere hundert Mobbingfälle bei Schulkindern

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Artikelbild - Japanische Schule: Klassenzimmer (Foto: pd)
Mobbing von Schülern aus Fukushima weit verbreitet (Symbolfoto: pd)

Ihre Herkunft ist für Menschen aus der Präfektur Fukushima heute nach wie vor problematisch, denn Diskriminierung ist nach wie vor verbreitet. Tatsächlich sind die aus Japan aktuell gemeldeten Fukushima News und der Umgang mit ihnen, einigermaßen erschreckend.

Weitere Meldungen zu einem Wasserleck, Roboterentwürfen und mehr, gibt es nun im Spreadnews Japan-Ticker vom 11. April 2017.

Unsere heutigen Themen im Überblick:

  • Mehrere hundert Fälle von Mobbing bei Fukushima-Schülern
  • Wasserleck an Eingangventil eines Adsorptionsturms
  • Neue Roboterentwürfe für AKW-Einsatz in Fukushima
  • Skandalminister zieht Äußerungen über Fukushima-Evakuierte zurück
  • Premierminister und Wiederaufbauminister  besuchen Fukushima
Mehrere hundert Fälle von Mobbing bei Fukushima-Schülern

Eine große landesweite Untersuchung zu Mobbing und Schikane von Schülern, deren Familien als Folge der AKW-Krise aus der Präfektur Fukushima geflohen waren, offenbart das extrem gestiegene Ausmaß der seelischen Grausamkeiten gegen Evakuierte.

Im Rahmen der Studie des Bildungsministeriums wurden mehr als 11.800 Evakuierte im Schulalter befragt. Das Ergebnis zeigt, dass alleine im Fiskaljahr 2016, das im März endete, 129 Fälle auftraten und weitere 199 Fälle in den Vorjahren seit April 2011.

Allerdings wurden nur 13 dieser Fälle vom Bildungsministerium offiziell mit der Kraftwerkskatastrophe in Verbindung gebracht. Minister Hirokazu Matsuno erklärte, es wären mehr Untersuchungen erforderlich um bislang unbekannte Fälle aufzudecken.

Das scheint auch dringend erforderlich, denn die Zahlen, die von anderer Stelle erfasst werden, sprechen eine deutlichere Sprache. So wurden allein auf eine Umfrage der NHK bei 740 Familien mindestens 54 Fälle von Mobbing mit AKW-Bezug bekannt.

Experten, wie etwa Professor Naoki Ogi von der Hosei-Universität, führen die geringe Zahl an offiziellen Fällen mit ursächlichem Bezug auf die mangelnde Sorgfalt der Lehrer zurück. Sie hätten die Kraftwerkskatastrophe häufig nicht gesondert als Mobbingursache vermerkt.

Über die zahlreichen Fälle von Schikane, Diskriminierung und Mobbing gegen Kinder aus Fukushima berichteten Kyodo und NHK.

Wasserleck an Eingangventil eines Adsorptionsturms

Am Montag entdeckten Angestellte eines Partnerunternehmens gegen 6:37 Uhr im Bereich des Zugangsventils am Adsorptionsturm B für die Filterung von Wasser der Grundwasserkontrollposten, heraustropfende Flüssigkeit.

Das heraustropfende Wasser breitete sich auf einer Fläche von 1,5 x 8 Metern aus. Gegen 6:42 Uhr wurde die Zuführungspumpe und die Druckpumpe des Reinigungssystems B manuell abgestellt. Das Wasser gelangte aufgrund der Betonbarriere nicht hinaus.

Um jedoch eine weitere Ausbreitung zu verhindern, wurde das Isolationsmaterial von den Leitungen entfernt und der Bereich gesichert. Der Wasseraustritt trat nicht mehr auf.

Eine Strahlungskontrolle ergab, dass der Kontaminationsgrad des Wassers der Hintergrundstrahlung entspricht. Da keine andere Quelle verfügbar ist, geht man davon aus, dass es sich um gefiltertes Wasser aus dem Grundwasserbrunnen handelt.

Die verbliebene Lache wurde im Anschluss aufgewischt. Das berichtet der Kraftwerksbetreiber TEPCO.

Neue Roboterentwürfe für AKW-Einsatz in Fukushima

Obwohl die Sinnhaftigkeit von Robotereinsätzen in Reaktoren mittlerweile sogar in Zweifel gezogen wird, forscht man weiterhin an der Entwicklung neuer Geräte, um sie bei der Stilllegung des AKW Fukushima Daiichi nutzen zu können.

Verschiedene Robotertypen kamen bereits zum Einsatz – darunter der Skorpion-Roboter „Sasori“, an dessen aufgerichtetem Schwanzteil eine Kamera befestigt ist, und der Angel-Roboter „Wakasagi“, der an einem Draht eine Kamera herablassen kann.

Weitere Modelle sollen im Einsatz folgen – etwa ein Roboter, dessen krabbenartige Scheren sowohl Metallteile greifen und zerschneiden, als auch durch Aufsatz eines Bohrers durch Beton bohren können.

Bislang sind sechs Robotertypen vorgesehen – darunter einen Spinnenroboter mit sechs Armen und Beinen, sowie ein panzerartiges Gefährt, das bis zu 50 Kilogramm heben kann.

Diese Entwicklungen scheinen sinnvoll, da davon ausgegangen werden muss, dass sich die geschmolzenen Brennelemente bereits ausgehärtet haben und deshalb zerteilt werden müssen. Bei den Planungen lernt man aus bisherigen Erkenntnissen.

So wird vermehrt auf den Einsatz von Hydraulik und Federn gesetzt, da diese rein mechanischen Vorrichtungen unempfindlicher gegenüber der Radioaktivität sind, als komplexe, elektrische Vorrichtungen.

Problematisch bleibt allerdings die Abschirmung der Kameras, denn die Option, die Linse durch eine Bleiplatte abzuschirmen, würde die Manövrierfähigkeit der Roboter, die zwischen 50 und 700 Kilogramm wiegen, weiter einschränken.

Die Besonderheit im Fall des AKW Fukushima Daiichi liegt darin, dass Geräte normalerweise aufgrund bekannter Erfordernisse entwickelt werden. Bei den Reaktoren können jedoch stets neue Probleme auftauchen, die in die Entwicklung einfließen müssen.

Über die grundlegende Problematik der Roboterentwicklung, die gezwungenermaßen etwas „ins Blaue hinein“ erfolgt, berichtete die Mainichi Shimbun.

Skandalminister zieht Äußerungen über Fukushima-Evakuierte zurück

Nachdem die unsensiblen Äußerungen des Ministers für Wiederaufbau, sowie sein Verhalten auf einer Pressekonferenz, zu öffentlichen Protesten geführt hatten, zog der Minister Masahiro Imamura noch am vergangenen Freitag die Reißleine.

Der Wiederaufbauminister hatte sich zwar für sein barsches Auftreten entschuldigt, jedoch seine Aussagen über die Eigenverantwortung der Evakuierten für ihre Situation bewusst nicht zurückgenommen.

Nachdem der Druck gestiegen war, reichten offenbar selbst die Unterstützung von Chefkabinettssekretär Yoshihide Suga und Premierminister Shinzo Abe nicht mehr aus, um die bislang verweigerte Rücknahme der Äußerungen zu verhindern

Minister Imamura erklärte, es täte ihm Leid, dass seine Aussagen zu Missverständnissen geführt hatten. Man habe sie in einer Weise verstanden, die er nicht beabsichtigt hätte. Daher könne man seine diesbezüglichen Äußerungen als zurückgenommen betrachten.

Den von der politischen Opposition geforderten Rücktritt von seinem Posten, lehnt Imamura dagegen weiterhin ab. Über den Rückzieher des rechtskonservativen Politikers berichteten die jiji und Kyodo.

Premierminister und Wiederaufbauminister besuchen Fukushima

Am Samstag besuchten Premierminister Shinzo Abe und der Minister für Wiederaufbau, Masahiro Imamura, einige Betriebe in der Präfektur Fukushima, um sich einen Eindruck von den Fortschritten vor Ort zu machen.

Zu den Zielen der Besichtigung zählten in Naraha der erste Rinderzuchtbetrieb, der seit der AKW-Katastrophe wieder Rohmilch verkaufen darf, sowie die Stadt Tomioka und die Gemeinde Namie, deren Evakuierungsanordnung im März aufgehoben wurde.

Bei all diesen Gelegenheiten ließ es sich der Premierminister nicht nehmen, von den dort hergestellten Produkten wie Milch, Joghurt und Fischen zu probieren.

Im Bezug auf seinen Begleiter erklärte Abe gegenüber Reportern in Minamisoma, Minister Imamura habe sich bereits entschuldigt und auch er wolle sich entschuldigen. Zudem betonte er, dass der Wiederaufbau immer noch ein wichtiger Punkt seiner Politik sei.

Über den Besuch in den Betrieben und Verwaltungen der Präfektur Fukushima berichtete die jiji.

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