Fukushima aktuell: Messposten löst erneut Alarm aus

Fukushima aktuell: Messposten löst erneut Alarm aus

1637
0
TEILEN
Artikelbild - AKW Fukushima: Luftbelastungsmessposten am Haupttor der Anlage, 4. April 2013 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Luftbelastungsmessposten am Haupttor der Anlage, 4. April 2013 (Foto: TEPCO)

Nach der riskanten Trümmerräumung am Wochenende, beginnt die Woche am AKW Fukushima heute mit Berichten über technische Probleme bei Strahlungsmessungen. Doch auch andere japanische Anlagen melden Probleme. Die Details dieser Fukushima News jetzt im Spreadnews Japan-Ticker vom 3. August 2015.

Unsere Themen zum Wochenbeginn:

  • Messposten löst erneut Alarm aus
  • Sicherheitsmängel an AKW-Neustartkandidaten
  • Ausfall von Messgeräten an Wiederaufarbeitungsanlage Rokkasho
  • Psychische Folgen von AKW-Katastrophen weitereichender als Strahlungsschäden

Messposten löst erneut Alarm aus: Heute meldet der Kraftwerksbetreiber TEPCO, das es am Samstag gegen 18:54 Uhr erneut zum Alarm an einem Strahlungsmessposten auf dem Kraftwerksgelände gekommen war.

Bereits am Morgen hatte derselbe Messposten (M2) zur Überwachung der Luftwerte einen Alarm wegen des Anstiegs radioaktiver Partikel ausgelöst.

Wie bereits im ersten Fall, normalisierte sich auch beim zweiten Alarm der angezeigte Wert sofort wieder. Aufgrund des Verdachts einer Fehlfunktion soll das Gerät ersetzt werden.

Ein Zusammenhang mit der Großbergung eines Trümmerteils von Reaktor 3 ist den Angaben von TEPCO zufolge unwahrscheinlich, da dieser zweite Alarm mehrere Stunden nach der Bergungsmaßnahme erfolgte.

Auch die übrigen Luftüberwachungsanlagen und Messposten in räumlicher Nähe wiesen keine Auffälligkeiten bei der Konzentration radioaktiven Staubs in der Luft nach. Das berichtete TEPCO.

Sicherheitsmängel an AKW-Neustartkandidaten: Wie jetzt bekannt wurde, stellten Kontrolleure bei einer Sicherheitsinspektion am AKW Sendai (Präf. Kagoshima) im vergangenen Monat Versäumnisse fest.

Es handele sich jedoch nur um Mängel in der niedrigsten Sicherheitsstufe, so dass der Neustart von Reaktor 1 durch die Inspektionsergebnisse vom Juni nicht gefährdet sein soll.

Für den Reaktor ist ein Neustart am 10. August vorgesehen.

Das AKW Sendai wäre somit Japans erstes Kernkraftwerk mit einem aktiven Reaktor, seit im September 2013 Reaktor 3 des AKW OI wegen Wartungsarbeiten heruntergefahren wurde.

Ausfall von Messgeräten an Wiederaufarbeitungsanlage Rokkasho: Nachdem am AKW Fukushima bereits am Samstag technische Probleme an einem Messgerät aufgetreten waren, meldete die Wiederaufarbeitungsanlage Rokkasho (Präf. Aomori) am Sonntag mehrere Ausfälle.

Das Betreiberunternehmen Japan Nuclear Fuel Limited erklärte, vier Messgeräte seien annähernd zeitgleich ausgefallen. Während in Fukushima lediglich ein Posten zur Messung von radioaktiven Staubpartikeln in der Luft betroffen war, traf es in Rokkasho unterschiedliche Anlagen.

Zu den betroffenen Überwachungsmethoden gehört ein Leckdetektor für stark radioaktive Flüssigabfälle, sowie eine Drucküberwachung eines Abgasfiltersystems.

Sowohl das Unternehmen, als auch die Präfekturbehörden bestätigten, derzeit sei es nicht möglich, im Gefahrenfall Lecks innerhalb der Anlage zu identifizieren. Die übrigen Geräte lieferten jedoch weiterhin Daten und es gäbe keinen Hinweis auf Wasserlecks, oder sonstige Abweichungen.

Die Anlage befindet sich im Bau und läuft aufgrund von Checks durch die Regierung derzeit nicht mit voller Kapazität. Sie soll den vollständigen Betrieb formell im kommenden März wieder aufnehmen.

Im Bezug auf die Ursache wird derzeit geprüft, ob ein Zusammenhang mit Blitzeinschlägen in der Nähe des Kraftwerks zum Zeitpunkt des Zwischenfalls besteht. Das meldete die NHK.

Psychische Folgen von AKW-Katastrophen weitreichender als Strahlungsschäden:  Ein Team japanischer Wissenschaftler kommt zu dem Schluss, dass die psychischen und sozialen Schäden nach Kraftwerkskatastrophen schwerwiegender sind, als direkte Strahlungsfolgen auf die Gesundheit.

Dieser Umstand sei auch beim Fukushima-Unglück nach den Tohoku-Katastrophen vom März 2011 zu beobachten gewesen.

So sei in den drei Monaten nach der Kraftwerkskatstrophe bei den 170.000 evakuierten Einwohnern die Sterblichkeitsrate von Senioren mit Pflegebedarf um das Dreifache gestiegen.

Danach liege die Zahl immer noch das 1,5-fache über dem Wert vor den Evakuierungen. Ursächlich sei unter anderem auch der mehrfache Standortwechsel bei der Notunterbringung.

Ihre Forschungsergebnisse und Einschätzungen finden sich in Artikeln des medizinischen Fachmagazins „The Lancet“ (Vol. 386, No. 9992, 1. August 2015).

Die Experten, unter ihnen auch Koichi Tanigawa, Vizepräsident der Medizinischen Universität Fukushima, betonen, die Bedeutung gesundheitlicher Auswirkungen abseits der Strahlungsfolgen nicht zu vernachlässigen. Über die Erkenntnisse berichtete die jiji.

KEINE KOMMENTARE

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT