Fukushima aktuell: Minister nimmt skandalöse Äußerungen nicht zurück

Fukushima aktuell: Minister nimmt skandalöse Äußerungen nicht zurück

Deutliche Kritik an Aussagen des Ministers für Wiederaufbau

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Artikelbild - Übergangshaussiedlung (Foto: Copyright by Andreas Teichert, DTRG e.V.)
Nicht nur in Fukushima präsent: Übergangshäuser in der Präfektur Miyagi (Foto: Copyright by Andreas Teichert/DTRG e.V.)

Das empörende Betragen und die schockierend distanzlosen Aussagen eines Politikers sorgen in der Präfektur Fukushima genau so für Empörung, wie bei den japanischen Nutzern sozialer Netzwerke. Ob es Konsequenzen haben wird, muss sich zeigen.

Die Einzelheiten, sowie weitere Fukushima News gibt es jetzt im Spreadnews Japan-Ticker vom 5. April 2017.

Unsere heutigen Themen im Überblick:

  • Minister nimmt Äußerungen gegen Fukushima-Flüchtlingen nicht zurück
  • Opposition kritisiert Äußerungen des Ministers
  • Rauchentwicklung im Turbinengebäude von Reaktor 6
  • Anonymer Wohltäter vermacht Grundstück an Waisen
Minister nimmt Äußerungen gegen Fukushima-Flüchtlingen nicht zurück

Nach dem gestrigen Eklat des Ministers für Wiederaufbau bei einer Pressekonferenz, rauschen die entsprechenden Meldungen nun durch verschiedene Medien. Aufgrund der verschiedenen Übersetzungen klingen die Äußerungen unterschiedlich drastisch.

Fakt ist jedenfalls, dass Masahiro Imamura auf die hartnäckigen Fragen eines unabhängigen namentlich ungenannten Journalisten ausfällig wurde, ihn der Pressekonferenz verweisen wollte und die so genannten „freiwillig Evakuierten“ brüskierte.

Seine nachträgliche Entschuldigung macht es nicht besser, denn Minister Imamura entschuldigte zwar sein unangemessen emotionales Verhalten – zu den von ihn getätigten Aussagen stehe er jedoch weiterhin.

Demnach wäre die Regierung mit dem Ende der Mietkostenübernahmen am 31. März nicht länger für die so genannten „freiwillig Evakuierten“ zuständig. Dies sei nun Sache der Präfekturverwaltung. Im Bezug auf die Betroffenen erklärte Imamura:

Sie sind für ihr Leben selbst verantwortlich. Wenn sie (mit der Haltung der Regierung) nicht einverstanden sind, können sie ja eine Klage einreichen, oder sonst etwas machen„.

Er blieb somit bei seiner Haltung, die Regierung habe alles mögliche getan, um diese Menschen zu unterstützen. Wenn sie nicht in ihre freigegebenen Heimatorte zurückkehren wollten, müssten sie nun selbst schauen, wo sie bleiben.

Über die nicht zurückgenommenen Aussagen berichtete die Asahi Shimbun.

Hintergrund

Mit dem Euphemismus „freiwillig Evakuierte“ werden Personen bezeichnet, die auch ohne offizielle Evakuierungsanordnung für ihre Gemeinden aus ihrem einstigen Wohnort geflohen waren. Meist handelt es sich um Frauen und Kinder.

Häufig sind die betroffenen Familien geteilt – der Mann arbeitet und lebt in der ursprünglichen Gemeinde, während der Rest der Familie außerhalb lebt. Hierdurch entstehen doppelte Lebenserhaltungskosten, die nun alleine getragen werden müssen.

Andere Personen dieser Gruppe haben sich bereits dauerhaft in einer anderen Präfektur niedergelassen und sind dort teilweise auch berufstätig. Dennoch war die Übernahme der Mietkosten bislang ein wichtiger finanzieller Entlastungsfaktor.

Nun versuchen Gemeinden und Organisationen mit ehrenamtlichen Helfern die Situation der betroffenen Familien zu stabilisieren und zu verbessern.

Opposition kritisiert Äußerungen des Ministers

Die Oppositionsparteien Japans kritisieren Minister Imamura für seine Äußerungen über das künftige Schicksal der freiwillig Evakuierten.

Der Vorsitzende der Demokratischen Partei (DP), Kazuya Shimba, sprach von einem völligen Mangel von Mitgefühl. Imamura sei für diesen Job nicht geeignet.

Seiji Mataichi von den Sozialdemokraten (SDP) nannte Imamuras Äußerungen in einer Erklärung fahrlässig, beleidigend und inakzeptabel. Er forderte Premierminister Shinzo Abe dazu auf, Imamura zu entlassen.

Auch Keiji Kokuta von der Kommunistischen Partei Japans (KPJ) kritisierte den Minister für Wiederaufbau. Insbesondere den Umstand, dass er die Frage, ob letztlich die Evakuierten selbst verantwortlichen wären, wenn sie nicht zurückkehren könnten, grundsätzlich bejaht hatte.

Rückendeckung gibt es dagegen weiterhin von Chefkabinettssekretär Yoshihide Suga. Dieser erklärte, Imamura werde seinen politischen Aufgaben weiterhin nachgehen. Auch erklärte Suga heute gegenüber Reportern, der Minister sei missverstanden worden.

Imamura habe vielmehr zum Ausdruck bringen wollen, dass es jedem Evakuierten selbst überlassen bleibe, wo und wie er leben wolle. Die Regierung werde die Betroffenen in Zusammenarbeit mit der Präfektur weiterhin unterstützen. Das berichtete die NHK.

Rauchentwicklung im Turbinengebäude von Reaktor 6

Am heutigen Mittwoch entdeckten Angestellte bei einem Kontrollgang am AKW Fukushima Daiichi gegen 12:18 Uhr, dass Rauch aus einer Kabeltrommel im Turbinengebäude von Reaktor 6 austrat.

Mit dem Herausziehen der Kabel endete auch die Rauchentwicklung vor Ort. Die Feuerwehr Futaba wurde gegen 12:38 Uhr vom Zwischenfall in Kenntnis gesetzt, um die Angelegenheit zu untersuchen.

Eine erste Kontrolle durch TEPCO-Angestellte ergab, dass dort mehrere Kabeltrommeln für die temporäre Beleuchtung miteinander verbunden wurden, und der Qualm aus der Öffnung dieser einzelnen Kabeltrommel drang.

Die Feuerwehr von Namie kam gegen 14:40 Uhr zu dem Schluss, dass trotz der Qualmentwicklung kein Brand vorgelegen habe. Die Ereignisse hatten keine Auswirkungen auf die technischen Geräte vor Ort und auch die Strahlungswerte blieben unauffällig.

Über die Entdeckung berichtete der Kraftwerksbetreiber TEPCO in einer Pressemeldung.

Anonymer Wohltäter vermacht Grundstück an Waisen

Wie gestern bekannt wurde, hat ein namentlich ungenannter Wohltäter den Waisen der Präfekturen Fukushima, Iwate und Miyagi, testamentarisch neben Bargeld auch ein Grundstück überlassen, durch dessen Verkauf weitere Finanzmittel mobilisiert werden können.

Die drei Präfekturen planen, sowohl die Spende in Höhe von 40 Millionen Yen, als auch die Erlöse aus dem Grundstücksverkauf untereinander zu teilen und nach dem Willen des Verstorbenen für die Unterstützung von Katastrophenwaisen zu verwenden.

Die Verfügung stammt vom Oktober 2014 und betrifft ein Grundstück von 60 Quadratmetern, die außerhalb des Katastrophengebiets liegt. Das Mindesgebot muss zwar noch festgelegt werden, man rechnet aber mit etwa 18 Millionen Yen.

Es ist das erste Mal überhaupt, dass ein Grundstück für einen solchen Zweck gespendet wird. Über diese noble Geste berichteten Präfekturmedien.

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