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Fukushima aktuell: Minister wirbt nach AKW-Besuch für Reaktorneustarts

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Artikelbild - AKW Fukushima: Führung von Industrieminister Miyazawa am 1. November 2014 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Führung von Industrieminister Miyazawa am 1. November 2014 (Foto: TEPCO)

Wenn nach der Katastrophe von Fukushima heute der Vorschlag folgen würde,  unmittelbar nach dem Besuch der Anlage für AKW-Neustarts zu werben, dann ist das für Atomkraftkritiker ein Widerspruch – für Japans neuen Industrieminister dagegen durchaus machbar. Weitere Fukushima News jetzt im Spreadnews Japan-Ticker vom 3. November 2014.

Unsere Themen zum Wochenbeginn:

  • Neuer Industrieminister Miyazawa besucht AKW Fukushima
  • Industrieminister wirbt um Neustartzusagen
  • IAEA legt Fukushima-Meerwasseranalyse vor
  • Aktuelle Angaben zur Strahlungsbelastung der Fukushima-Arbeiter
  • Alarm an Staubdetektor
  • Grundwasserverklappung durchgeführt
  • AKW-Katastrophenübung zeigt Mängel auf

Neuer Industrieminister Miyazawa besucht AKW Fukushima: Japans neuer Industrieminister Yoichi Miyazawa besuchte am Samstag erstmals das Kernkraftwerk Fukushima Daichi, um sich einen Eindruck von den Arbeiten vor Ort zu machen.

Bei einem Rundgang auf dem Gelände besichtigte Miyazawa sowohl die Arbeiten für die unterirdische Grundwasserbarriere („Eiswall“), als auch Filteranlagen zur Reduzierung radioaktiven Materials aus eingespeistem Wasser.

Der Minister erklärte, auch wenn das radioaktiv kontaminierte Wasser ein besonderes Problem darstelle, sehe man bislang bei den Arbeiten zur Stilllegung der Anlage einen langsamen doch stetigen Fortschritt.

Eine Bewältigung des Wasserproblems sei unbedingt notwendig, da es ohne ein Wiederaufleben der Präfektur Fukushima auch keine Erneuerungen für Japan geben könne. Bei einem Treffen mit Kraftwerksarbeitern, drückte er den Beschäftigten seinen Respekt angesichts der sowohl wichtigen, als auch schwierigen Aufgaben der Angestellten aus.

Bei den Ereignissen am AKW Fukushima Daiichi handelt es sich nach Aussage des Industrieministers um eine Katastrophe die niemals hätte geschehen dürfen. Über den Besuch berichteten Kyodo, NHK und weitere japanische Medien.

Die Tragik der Fukushima-Katastrophe stellt für Japans derzeitige Regierung unter Premierminister Shinzo Abe jedoch keinen Grund dar, einen Atomausstieg anzustreben. Dies zeigte sich auch im weiteren Reiseprogramm von Miyazaki.

Industrieminister wirbt um Neustartzusagen: Dem  Besuch in Fukushima schloß sich eine Reise des Ministers in die Präfektur Kagoshima an, um dort für den Neustart des AKW Sendai zu werben.

AKW Fukushima: Ansprache von Industrieminister Yoichi Miyazawa am 1. November 2014 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Ansprache von Industrieminister Yoichi Miyazawa am 1. November 2014 (Foto: TEPCO)

Am heutigen Montag bat er die dortigen Behörden um ihre Zustimmung zum Hochfahren von zwei Reaktoren  der Anlage.

Für Freitag ist eine Abstimmung der Präfekturversammlung Kagoshima geplant. Tatsächlich wird eine Mehrheit für die Reaktorneustarts erwartet.

Viele Gemeinden  auf deren Gelände sich Kernkraftwerke befinden, sind wirtschaftlich von der Atomindustrie abhängig und mussten seit der Fukushima-Katastrophe schwere Einbußen hinnehmen.

Yuichiro Ito, Gouverneur der Präfektur, gab bekannt, eine Entscheidung erst nach der Abstimmung und der Beurteilung unterschiedlicher Faktoren treffen zu wollen. Über die Neustartwerbung des Industrieministers berichteten Kyodo und jiji.

IAEA legt Fukushima-Meerwasseranalyse vor: Zwei Experten eines Labors, dass im Auftrag der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA im September an der Küste vor dem AKW Fukushima Meerwasserproben entnommen hatte, werden in Japan ihre Analyseergebnisse vorlegen.

Der  Laborleiter David Osborn und ein Mitarbeiter werden vom morgigen Dienstag an, bis zum Freitag die Ergebnisse der IAEA, auch mit den Laborergebnissen japanischer Instanzen vergleichen, um deren Genauigkeit einzuschätzen.

Eine weitere Probenentnahme durch die Experten soll am Mittwoch erfolgen. Die IAEA hatte den japanischen Verantwortlichen in der Vergangenheit mehrfach hohe Transparenz empfohlen, um das Vertrauen der Bevölkerung zu stärken. Das berichtete die NHK.

Aktuelle Angaben zur Strahlungsbelastung der Fukushima-Arbeiter: Am Samstag übermittelte der Kraftwerksbetreiber TEPCO, die aktuellen Angaben zur Zahl der Beschäftigten an der Anlage, sowie zur Höhe der Strahlungsdosis an das Ministerium für Gesundheit, Arbeit und Soziales für den Juni 2014.

Fukushima-Arbeiter vor Abfahrt des Busses am 7. Oktober 2011 (Foto: TEPCO)
Fukushima-Arbeiter vor Abfahrt des Busses am 7. Oktober 2011 (Foto: TEPCO)

Nach Angaben von TEPCO , waren im September 2014 insgesamt 714 Arbeitskräfte für das Kernkraftwerk Fukushima Daiichi neu eingestellt worden. Die maximale Strahlungsbelastung der Angestellten lag bei 16,37 Millisievert.

Im Bezug auf die inkorporierte Strahlenbelastung wurden wie zuvor, keine signifikanten Werte festgestellt. Der nächste Bericht, der sich mit den Strahlungsdaten, mit Stand von Ende Oktober befassen wird, soll gegen Ende November  eingereicht werden.

Alarm an Strahlungsbelastungsdetektor: Am Sonntag ertönte gegen 11:36 Uhr ein Alarm am Luftbelastungsmessgerät südlich von Reaktor 3. Zum Zeitpunkt des Alarms waren keine Arbeiten am Schutzmantel von Reaktor 1 durchgeführt worden, die einen Anstieg plausibel gemacht hätten.

An anderen Messgeräten traten keine Abweichungen auf, so dass der Kraftwerksbetreiber von einer Fehlfunktion ausging. Nach einem Austausch von Teilen des Geräts wurden gegen 15:15 Uhr keine Abweichungen mehr festgestellt und der Regelbetrieb wieder aufgenommen.

Sonntag Grundwasserverklappung durchgeführt: Am Sonntag ließ das Betreiberunternehmen eine weitere Grundwasserverklappung durchführen.

Bei den Arbeiten, die zwischen 9:48 Uhr und 15:43 Uhr wurde eine Gesamtmenge von 1.474 Tonnen in den Pazifik eingeleitet. Wie TEPCO versicherte, habe es keine Störungen während der Maßnahme gegeben.

Die Verklappung soll die Ansammlung von Grundwasser aus den Bergen unter dem Kraftwerksgelände verhindern. Dort würde die Kontamination zur Menge radioaktiv belasteter Abwässer beitragen. Auch die Kontrolle des Grundwasserpegels der Anlage soll ermöglicht werden.

AKW-Katastrophenübung zeigt Mängel auf: Am Sonntag begann eine zweitägige Katastrophen-Großübung am AKW Shika (Präf. Ishikawa). Hintergrundszenario war ein hypothetisches Erdbeben, dass die Kühlung der Reaktoren ausfallen ließ und eine externe Energieversorgung unterbrach.

Premierminister Shinzo Abe rief im Rahmen der Übung einen atomaren Notstand, sowie eine Evakuierungsanordnung für alle Einwohner innerhalb eines 5-Kilometer-Radius um die Anlage aus.

Doch die Übung, an der sich etwa 3.700 Personen und 150 Organisationen beteiligten, darunter Vertreter der Regierung und Verwaltungsbehörden mehrerer Präfekturen, zeigte auch Mängel auf.

So konnte die Evakuierung aufgrund von starkem Seegang nicht wie geplant, mit Booten der Fischereikooperativen durchgeführt werden, sondern musste auf Busse verlegt werden – zuvor war die Evakuierung über Straßen aufgrund von schweren Erdbeben ausgeschlossen worden.

Auch technische Probleme traten auf, als es in der Präfektur Toyama offenbar aufgrund von fehlerhaften Einstellungen, zu Ausfällen bei der Audioausgabe der Videoübertragung gekommen war und die Anordnung des Premierministers nicht gänzlich verständlich war.

Im Ernstfall hätten derartige Probleme gravierenden Einfluss auf die Kommunikation zwischen dem Krisenstab der Regierung und den Vertretern von Verwaltungen, sowie dem Kraftwerksbetreiber.

Es ist die zweite Großübung dieser Art seit der Überarbeitung der Richtlinien nach den Tohoku-Katastrophen im März 2011. Über die Katastrophenschutzmaßnahme berichteten praktisch alle japanischen Medien.

Abweichung bei Tunnelfüllung: Ende vergangenen Monats legte Kraftwerksbetreiber TEPCO einen Bericht über die Fortschritte bei der Blockade des Wassers in den unterirdischen Schächten vor. Nachdem die Füllung der Tunnel mit Eis ohne Erfolg geblieben war, hatte das Unternehmen eine neue Maßnahme angekündigt.

Derzeit läuft der Versuch einer Auffüllung mit Spezialzement. Dabei wurde an einem Thermometer im bislang nicht gefüllten Oberbereich des Tunnels innerhalb von 24 Stunden ein Anstieg der Wassertemperatur von -15 Grad Celsius auf -5 Grad nachgewiesen. Die Ursache hierfür ist nach Angaben von TEPCO noch nicht bekannt.

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