Start Aktuelles Fukushima aktuell: Missbrauch von Dekontaminationsarbeitern hält an

Fukushima aktuell: Missbrauch von Dekontaminationsarbeitern hält an

1634
0
TEILEN
Artikelbild - Schubkarren (Foto: pd)
Präfektur Fukushima: Groß angelegter Betrug bei Dekontaminationsaufträgen (Symbolfoto: pd)

Sicherheit und Bezahlung von Dekontaminationsarbeitern sind in der Präfektur Fukushima heute im Vergleich zu den Vorjahren unverändert schlecht. So das traurige Fazit einer Untersuchung.

Unterdessen werden die Fukushima News mit Meldungen über PR-Maßnahmen und juristische Klagen bestimmt. Mehr zu dem, was in Japan aktuell von Interesse ist, jetzt im Spreadnews Japan-Ticker vom 13. Oktober 2015.

Unsere heutigen Themen im Überblick:

  • Weiterhin massive Arbeitsrechtsverstöße bei Dekontaminationsarbeiten
  • Untersuchung an Abluftrohr von Reaktor 2
  • Bewerbung von Fukushima-Produkten auf Expo 2015
  • Verwaltungen verklagen TEPCO auf Entschädigung
  • Neuer Industrieminister besucht AKW Fukushima
  • Fukushima-Evakuierte wollen auf Situation aufmerksam machen
  • Suizide mit Katastrophenbezug in Fukushima

Weiterhin massive Arbeitsrechtsverstöße bei Dekontaminationsarbeiten: Eine Untersuchung des Büros für Arbeitssicherheit, hat im Zeitraum von Januar bis Juni 342 Unternehmen, die mit Dekontaminationsarbeiten betraut sind, untersucht.

Dabei wurde bei 233 Firmen, also 68 Prozent aller kontrollierten Unternehmen, Verstöße gegen des Arbeitsrecht festgestellt. Die Übertretungen reichten dabei von der Nichtauszahlung von Löhnen und Zusatzzahlungen, bis zu unzureichender Erfassung der Strahlungsbelastung während der Arbeit.

Nach Angaben des Büros ist keine Verbesserung im Vergleich zu vorangegangenen Untersuchungen nachweisbar.

Tatsächlich müsse aufgrund des allgemeinen Mangels an Angestellten und der schwierigen Bedingungen mit Verzögerungen bei Dekontaminationsarbeiten gerechnet werden. Über diese Bekanntgabe berichteten Präfekturmedien.

Untersuchung an Abluftrohr von Reaktor 2: TEPCO begann am Wochenende mit den Untersuchungen an einem Entlüftungsrohr, dass während der AKW-Krise zum Druckausgleich genutzt wurde.

Stangen, die das Rohr stützen, zeigen nach Angaben von TEPCO zwar Zeichen von Abnutzung, jedoch gäbe es keine Anzeichen für einen drohenden Zusammenbruch des 120 Meter langen Rohres.

Das Unternehmen erklärte, obwohl keine Gefährdung bestehe, habe man sich zur Kontrolle des schornsteinartigen Rohrs entschlossen, um die mögliche Erfordernis von Verstärkungsarbeiten oder Demontage besser einschätzen zu können.

Arbeiten könnten aufgrund der hohen Strahlungswerte jedoch erschwert werden. Teil der Untersuchung ist auch eine Messung der Strahlungswerte am unteren Bereich der Stützpfosten.

Im Sommer 2011 durchgeführte Aufnahmen einer Gammakamera wies Werte über zehn Sievert pro Stunde nach. Eine zweite Untersuchung durch Einsatz eines fahrzeuggelenkten Dosimeters ergab sogar einen Wert von 25 Sievert pro Stunde.

TEPCO erhofft sich durch die neuen Messungen mehr Erkenntnisse über die Entwicklung der Strahlungswerte. Das Schicksal des Druckausgleichsrohrs hängt auch von der Sicherheitseinschätzung bereits vorhandener Schäden ab.

Über die Prüfung des Abluftrohrs, das für die Reaktoren  1 und 2 genutzt wurde, berichtete die Mainichi Shimbun.

Bewerbung von Fukushima-Produkten auf Expo 2015: Anlässlich der Weltausstellung in Milan (Italien), bietet der japanische Expo-Pavillon den Besuchern dort Lebensmittel aus der Präfektur Fukushima.

Im Rahmen der viertägigen Charme-Offensive, wurden Alkoholika und Früchte aus der Region serviert. Vor der Katastrophe war Fukushima ein wichtiger Obstproduzent des Landes.

Ziel der Aktion sei es, sowohl richtige Informationen über die Produkte zu liefern, als auch den Fortschritt beim Wiederaufbau zu demonstrieren. Neben der Kyodo berichteten auch Präfekturmedien.

Verwaltungen verklagen TEPCO auf Entschädigung: Kraftwerksbetreiber TEPCO sieht sich offenbar mit Schadensersatzklagen von 17 Präfekturen und sieben Großstädten konfrontiert.

Japan: Japanische Yen-Banknoten (Foto: pd)
TEPCO sieht sich mit Forderungen von Verwaltungen konfrontiert (Symbolfoto: pd)

Die Kläger fordern Entschädigungszahlungen im Gesamtwert von 56,36 Milliarden Yen.

Dies führte bereits zur Einreichung von Forderungen über das Schlichtungssystem. Letzteres ist bislang vor allem auf die Entschädigung von Privatpersonen und Unternehmen ausgerichtet.

Diese Informationen wurden von der Mainichi Shimbun über Befragung bei allen 47 Präfekturen des Landes und weiteren Verwaltungen ermittelt.

TEPCO hatte sich zwar bereits zu Entschädigungszahlungen gegenüber Gemeinden bereit erklärt, etwa um die Anschaffung von Dosimetern zu bezahlen, lehnt jedoch etwa den Ausgleich von Steuereinbußen durch Evakuierungen, oder PR-Maßnahmen gegen Gerüchte ab.

In den drei Katastrophenpräfekturen Fukushima, Iwate und Miyagi haben fast alle Gemeinden finanzielle Forderungen geltend gemacht.

Während sich die Präfekturverwaltung Iwate bereits auf die Zahlung von 250 Millionen Yen verständigte, sind die meisten Forderungen noch nicht berücksichtigt. Von den 62,88 Milliarden Yen die von dort gefordert werden, hat TEPCO sich lediglich  zur Zahlung von 8,65 Milliarden bereit erklärt.

Die Gesamtforderung aller Präfekturverwaltungen und Gemeinden des Landes belaufen sich auf über 120 Milliarden Yen. Das berichtete die Mainichi Shimbun.

Neuer Industrieminister besucht AKW Fukushima: Bei seinem gestrigen Besuch auf dem Gelände des Kernkraftwerks Fukushima Daiichi, verschaffte sich der neue Minister für Wirtschaft, Handel und Industrie einen Eindruck von den dortigen Fortschritten bei der Bekämpfung radioaktiver Abwässer.

AKW Fukushima: Besuch von Industrieminister Motoo Hayashi am 12. Oktober 2015 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Besuch von Industrieminister Motoo Hayashi am 12. Oktober 2015 (Foto: TEPCO)

Es ist zudem der erste Besuch von Motoo Hayashi in der Präfektur, seit er durch die jüngsten Änderungen im Kabinett zu diesem Posten kam.

Ein späterer Besuch hätte sich vermutlich negativ auf die öffentliche Meinung in der Präfektur ausgewirkt.

Ein Gespräch mit Masao Uchibori, Gouverneur der Präfektur Fukushima, stand ebenfalls im Terminplan des neuen Industrieministers. Neben TEPCO berichteten auch Präfekturmedien.

Fukushima-Evakuierte wollen auf Situation aufmerksam machen: Eine kleine Gruppe zur Unterstützung der Selbstständigkeit von Personen, die ohne Regierungsaufforderung evakuierten, will mit einer Verkaufsaktion auf das Schicksal der betroffenen aufmerksam machen.

Am 24. Oktober sollen im Kiba-Park in Tokyo an einem Stand handgefertigte Produkte verkauft werden. Bislang wurden die Waren nur bei Veranstaltungen und Vorträgen angeboten.

Die Aktion soll auf die Lebensrealität von Familien aufmerksam machen, in denen die Ehemänner noch in der Präfektur Fukushima arbeiten, während ihre Frauen und Kinder außerhalb leben. Pendeln und erhöhte Lebenserhaltungskosten durch dieses Vorgehen belasten finanziell und führen auch zu Beziehungsproblemen.

Der schwierige Lebensstil führt dazu, dass sich die Mitglieder der Gruppe kaum sehen und die Mitgliederzahlen überschaubar bleiben. Derzeit verfügt die Initiative „Snow Drop“ über fünf feste Mitglieder.

Den Evakuierten ist es nach eigenen Angaben auch aus psychologischen Gründen wichtig, Dinge zu verkaufen, die sie selbst gefertigt haben, als nur in der passiven Rolle von Hilfeempfängern zu bleiben.

Bei der Fertigung der kleinen Produkte greift man auf traditionelles Handwerk, wie etwa Aizu-Momen – einen Baumwollwebstoff für den die Region Aizu berühmt ist, zurück. Über den Versuch, sowohl finanzielle Mittel, als auch Aufmerksamkeit für ihre Situation zu erzielen, berichtete die Mainichi Shimbun.

Suizide mit Katastrophenbezug in Fukushima: Mit Stand vom 31. August gibt es in diesem Jahr bislang 13 Fälle von Selbsttötungen, bei denen ein Bezug zu den Ereignissen vom März 2011 besteht.

jizo Statue (Foto: Chris Gladis cc-by-nd)
Statue des Jizo: Er begleitet nach Volksglauben die Seelen der Toten (Foto: Chris Gladis cc-by-nd)

Im gleichen Zeitraum nahmen sich in der Präfektur Iwate zwei Personen und in der Präfektur Miyagi eine Person das Leben.

Um die Zahl der Selbsttötungen zu verringern, werden Hausärzte bereits Schulungen zur Erkennung von Risikopersonen unterzogen und in der Präfektur Fukushima sind 270 Personen als Aufsicht in Übergangshaussiedlungen tätig.

Aufgrund der sich verändernden Lebensumstände, etwa durch Umzüge in Sozialwohnungen, steigt auch der Betreuungsaufwand für diese Helfer. Über die Ergebnisse der Untersuchung im Auftrag des Kabinettsbüros berichteten Präfekturmedien.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here