Fukushima aktuell: Misstrauische Bürger prüfen Bodenkontamination

Fukushima aktuell: Misstrauische Bürger prüfen Bodenkontamination

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Artikelbild - Erdreich (Foto: NRCS Soil Health cc-by)
Japan nach der Fukushima-Krise: Landesweite Bodenkontrollen durch Bürgerinitiative (Foto: NRCS Soil Health cc-by)

Nach unserem Kurzurlaub während der „Goldenen Woche“ nehmen wir unsere Berichterstattung über die Ereignisse am AKW Fukushima heute wieder auf und bringen die Fukushima News auf den neusten Stand.

Denn neben dem Beginn der Energiesparkampagne „Cool Biz“ gab es in Japan einige Ereignisse, die von Interesse sind. Die Details gibt es nun, im Spreadnews Japan-Ticker vom 6. April 2016.

Unsere Themen zum Wochenende:

  • Initiative dokumentiert radioaktive Bodenkontamination in Japan
  • Großflächiges Ölleck aufgetreten
  • Eiswall wird nicht wasserdicht werden

Initiative dokumentiert radioaktive Bodenkontamination in Japan: Ein Zusammenschluss von 30 privaten Gruppen sammelte Bodenproben von 1.900 Stellen in Tokyo und 16 weiteren Präfekturen und analysierte die Strahlungswerte, um auf die Sorgen der Menschen hinzuweisen.

Bei den Maßnahmen, die sich von der Region Tohoku bis zur Pazifikküste Zentraljapans erstreckte, wurden auch fünf Jahre nach der Katastrophe mehrere „Hot Spots“ entdeckt, an denen die Strahlungswerte über denen der Umgebung liegen.

Das „East Japan Soil Measurement Project“ veröffentlicht die Daten auf einer Webseite.

Bei der Entnahme von Bodenproben wird nach standardisiertem Muster vorgegangen und etwa 1.000 Kubikzentimeter Erdreich in Form von 10×20 Zentimeter aus fünf Zentimetern Tiefe entnommen. Dabei werden ausschließlich für die Öffentlichkeit zugängliche Gebiete genutzt.

Dem Projekt geht es darum, die Durchschnittswerte zu dokumentieren und nicht, die Ängste durch Einzelfälle von hohen Strahlungswerten zu schüren, so dass extreme Anomalien nicht auf der Seite aufgeführt werden.

Der bislang höchste Wert lag bei 135.000 Becquerel an radioaktivem Cäsium und stammt aus dem Bezirk Hiso der Ortschaft Iitate, unmittelbar nordwestlich des AKW Fukushima Daiichi.

Der allgemeine Trend zeigt, das mit der Distanz zur Krisenregion Tohoku auch die radioaktive Belastung abzunehmen scheint.

Während in der angrenzenden Kanto-Region noch Hot Spots von über 10.000 Becquerel entdeckt wurde, wurde in der Präfektur Shizuoka, Japans größtem Teeanbaugebiet, fast ausschließlich Messergebnisse unter dem Nachweiswert erzielt.

Ursprung des gemeinsamen Projekts sind private Bürgerinitiativen, die sich mit den Aussagen örtlicher Behörden, Kinder könnten ungefährdet im Freien spielen, da die Umgebungsradioaktivität der Luft niedrig sei, nicht zufrieden gegeben hatten.

Über die Aktivitäten der Bürger berichtete die Mainichi Shimbun.

Großflächiges Ölleck aufgetreten: Am Mittwoch kam es gegen 10:45 Uhr im Bereich einiger Ölfässer zur Entdeckung einer großen Öllache von 3m x 12m Ausmaß. Da es in der Nähe keinen Abwassergraben gibt, gilt ein Austritt in den Ozean als unwahrscheinlich.

Am gestrigen Donnerstag wurden diese Angaben ergänzt. Demnach sei die Feuerwehr Futaba informiert und Arbeiten mit Adsorptionsmatten und chemischen Neutralisierungsmitteln durchgeführt worden.

Als Ursache für den Ölaustritt geht man davon aus, dass bei den Arbeiten vor Beginn der „Goldenen Woche“, das Ölfass durch einen Bagger beschädigt worden war. Das berichtete der Kraftwerksbetreiber TEPCO.

Eiswall wird nicht wasserdicht werden: Nach Angaben eines verantwortlichen Konstrukteurs wird der so genannte Eiswall nicht wie versprochen das gesamte Grundwasser vom Einfluss in die Untergeschosse der Reaktoren abhalten.

Ursache dafür sind nach Angabe von Yuichi Okamura sowohl Spalten im Eiswall und Regenfälle, die umgerechnet für täglich 50 Tonnen zusätzliches Wasser sorgen würden.

Die Vorstellung, bis 2020 die  Wasserprobleme lösen zu können, sieht Okamura als illusorisch an, da der Grundwasserzufluss aus Erdschichten unterhalb des Eiswalls niemals gänzlich unterbunden werden könnte.

Kritiker sehen neben den bislang bekannten Punkten nun auch den hohen Elektrizitätsbedarf der Kühlvorrichtung und betrachten das ganze Projekt als Verschwendung von Steuergeldern. Das berichteten mehrere japanische Medien.

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