Fukushima aktuell: Mit alter Farbe gegen radioaktive Kontamination

Fukushima aktuell: Mit alter Farbe gegen radioaktive Kontamination

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Artikelbild - Pigmente von Berliner Blau (Foto: pd)
Berliner Blau: Mit alter Farbe gegen aktuelle AKW-Probleme (Foto: pd)

Während das AKW Tschernobyl einen neuen Sarkophag erhalten soll, ist in Fukushima heute Preußischblau die Farbe der Hoffnung, wenn es um die Beseitigung radioaktiver Abfälle geht.

Weitere Fukushima News, etwa zu neuen Entschädigungsforderungen und einem Wasserleck gibt es aus Japan aktuell im Spreadnews Japan-Ticker vom 15. November 2016.

Unsere heutigen Themen im Überblick:

  • Neuer Dekontaminationsschwamm entwickelt
  • Wasserlache an Filteranlage
  • Spatenstich am Zwischenlager für Dekontaminationsabfälle
  • Überarbeitung der Entschädigung in der Landwirtschaft gefordert
Neuer Dekontaminationsschwamm entwickelt

Kaum jemand, der das eindrucksvolle Blau auf den Holzdrucken des Künstlers Katsushika Hokusai (1760 – 1849) sieht, wird diese traditionellen Kunstwerke mit der Entfernung von radioaktivem Material in Verbindung bringen.

Tatsächlich ist es jedoch einem wissenschaftlichen Forscherteam der Universität Tokyo durch Nutzung des Farbpigments „Berliner Blau“ (auch bekannt als „preußisch Blau“) gelungen, eine Art Schwamm zur Aufnahme von radioaktivem Cäsium zu entwickeln.

Zwar war die Eigenschaft des Pigments radioaktives Cäsium zu binden bereits bekannt, waren die Wasserlöslichkeit und das damit verbundene Risiko einer Freisetzung in die Umwelt, ein Hindernis beim effektiven Einsatz dieser Erkenntnisse.

Durch  die Nutzung von Material aus Papierfasern konnte das pulverisierte Farbpigment aus molekularer Ebene aufgelöst und dann in Form eines Schwamms gebracht werden.

Die Wissenschaftler erklärten, es bestünden bereits Pläne, das neue Material zur Dekontamination von Wasserspeichern zur Bewässerung eingesetzt werden. Das berichten Präfekturmedien.

Auf diese Weise könnten möglicherweise auch die radioaktiven Sedimente in den Wasserreservoirs der Präfektur gebunden werden. Die Behörden sind zwar informiert, sahen 2015 aber offiziell keine Gesundheitsgefahr durch die Becken.

Erst im März 2016 wurde die Dekontamination der Reservoirs geplant und im April vom Ministerium für Landwirtschaft, Forsten und Fischerei (MAFF) die bisherigen Richtlinien für die Reservoirs überarbeitet.

Einen Plan, wie das radioaktive Cäsium entfernt werden kann, ohne es durch den Einsatz von schwerem Gerät aufzuwirbeln, gab es bislang aber nicht.

Wasserlache an Filteranlage

Am heutigen Dienstag entdeckte ein Angestellter gegen Mitternacht an einem Rohr eine Wasserlache von 1m x 1m. Die Leckstelle befindet sich am Gebäude einer Filteranlage für Grundwasserbrunnen. Das Wasser verblieb jedoch hinter der Betonbarriere und gelangte nicht ins Freie.

Eine genauere Untersuchung ergab, dass das Wasser offenbar vom Adsorptionsturm 1B herabgetropft war. Derzeit trete dort kein weiteres Wasser aus, teilte der Kraftwerksbetreiber TEPCO mit.

Nach Angaben des Unternehmens war der Betrieb gestern abgestellt worden, weil es Arbeiten zum Bau an zwei anderen Filteranlagen gegeben habe.  Ursache für das Wasserleck war offenbar eine flexible Metallleitung, die zum Adsorptionsturm führte.

TEPCO will das Wasser entfernen und die entsprechende Leitung ersetzen.

Spatenstich am Zwischenlager für Dekontaminationsabfälle

Am heutigen Dienstag begann mit dem ersten Spatenstich offiziell die Bauarbeiten am Zwischenlager auf dem Gelände der Gemeinden Futaba und Okuma. Dort sollen für den Zeitraum von 30 Jahren die Abfälle aus Dekontaminationsarbeiten gelagert werden.

Die bislang gemeldeten Vorarbeiten bestanden vor allem aus dem Ankauf und Pachten von Land, sowie der Klärung von Transportwegen für die Anlieferung.

Jetzt wurde mit der Entfernung kontaminierter Erdschichten begonnen, um den Weg für den Bau der Anlage zu bereiten. Mit dem eigentlich Bau soll im Januar 2017 begonnen werden. Auf der Gesamtfläche von etwa 16 Quadratkilometern werden zwei Einrichtungen entstehen.

In der ersten Anlage sollen die gelieferten Abfälle nach Größe und der Höhe der radioaktiven Belastung sortiert werden, während die zweite Einrichtung die eigentliche Lagerung übernehmen soll. Eine Ausweitung des Zwischenlagers zu einem späteren Zeitpunkt ist geplant.

Das Umweltministerium hofft, bereits im kommenden Jahr die Anlage in Betrieb nehmen zu können. Das berichtete die NHK.

Bislang werden die kontaminierten Abfälle äußerst provisorisch überall in der Präfektur auf Sportplätzen, in Parks und privaten Grundstücken in Kunststoffsäcken, oder Betonbehältnissen gelagert und dabei entweder aufgestapelt, oder sogar vergraben.

Der von der Regierung versprochene Abtransport innerhalb von drei Jahren konnte aufgrund von Schwierigkeiten beim Erwerb vom Land nicht eingehalten werden.

Unterdessen waren einige Plastiksäcke bei Unwettern fortgespült worden. In anderen Fällen wurden Schäden an den Säcken festgestellt und im April 2014 sogar Pflanzenwuchs durch  die Plastikfolie, mit der die dortigen Betonbehälter abgedeckt wurden.

Überarbeitung der Entschädigung in der Landwirtschaft gefordert

Masao Uchibori, Gouverneur der Präfektur Fukushima, kritisierte die bisherigen Entschädigungspläne von Regierung und TEPCO für Schäden in Landwirtschaften und Forsten der Präfektur, da diese nicht den Erfordernissen der Situation entsprächen.

Angesichts der Tatsache, dass es in den Gebieten mit Evakuierungsanordnung noch lange dauern werde, bis dort wieder Landwirtschaft möglich ist, sei die einmalige Zahlung einer Entschädigungssumme nicht ausreichend.

Stattdessen erklärte er, müssten so lange Zahlungen geleistet werden, bis die entstandenen Schäden wieder behoben werden konnten. Auch Vertreter verschiedener Verbände unterstützen die Forderung nach einer Änderung der bisherigen Praxis.

Mit ihrem Anliegen wandten sie sich nicht nur an das Ministerium für Landwirtschaft, Forsten und Fischerei (MAFF), sondern auch an das Ministerium für Wirtschaft, Handel und Industrie (METI), sowie verschiedene politische Parteien. Das berichteten Präfekturmedien.

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