Fukushima aktuell: Mobbing-Klage gegen TEPCO

Fukushima aktuell: Mobbing-Klage gegen TEPCO

Schülermobbing führt zu Klage gegen Kraftwerksbetreiber.

817
0
TEILEN
Artikelbild - Symbolgrafik gegen Mobbing (Foto: l'inderdit. cc-by)
Mobbing gegen Fukushima Schüler bleibt ein Problem (Foto: l'inderdit. cc-by)

Die aktuellen Fukushima News zeigen, dass die sozialen Folgen der Kraftwerkskrise am AKW Fukushima heute noch ähnlich präsent sind, wie zu Beginn der Krise.

Auch unsere Reihe „Stimmen aus Fukushima“ im vergangenen Jahr, hatte immer wieder Vorbehalte und Aversionen gegen Personen gezeigt. Diese und weitere Themen gibt es nun im Spreadnews Japan-Ticker vom 12. Januar 2017.

Unsere heutigen Themen im Überblick:

  • Mutter sagt zu Mobbing von Fukushima-Schüler in Tokyo aus
  • Untersuchung eines Castor-Behälters am AKW
  • Wasser an Ventil von Abklingbecken herabgetropft
  • Schule aus Saitama nimmt Ski-Unterricht in Fukushima wieder auf
  • Verschiebung einer Verwerfung durch Tohoku-Großbeben untersucht
Mutter sagt zu Mobbing von Fukushima-Schüler in Tokyo aus

Nachdem im November 2016 das Mobbing eines Schülers aus Fukushima in seiner neuen Schule für Schlagzeilen gesorgt hatte und sich in Folge viele Betroffene meldeten, sagte die Mutter eines Schülers gestern in Tokyo vor Gericht aus.

Demnach sei ihr Sohn bereits seit der Grundschule aufgrund seiner Herkunft gehänselt und auch misshandelt worden. Ein Mitschüler hatte ihrem Sohn erklärt er werde „eh bald an Leukämie sterben“.

Auch das Herabstoßen von einer Treppe war von einem Klassenkameraden damit gerechtfertigt worden, als Fukushima-Flüchtling werde er ohnehin bald sterben, das mache daher keinen Unterschied.

Wie bereits in mindestens einem Fall zuvor beteiligte sich auch ein Mitglied des Lehrkörpers an den seelischen Grausamkeiten. So witzelte etwa ein Lehrer, der Junge werde womöglich noch während seiner Zeit in der Mittelstufe sterben.

Die Erpressung von Süßigkeiten und Snacks im Gesamtwert von etwa 10.000 Yen an dieser Schule in Tokyo erinnert an den Bericht des ersten Jungen von der Schule in Yokohama. Er hatte Mitschülern Geld für Spielautomaten geben müssen.

Die Aussage der Mutter ist Teil eines Prozesses von etwa 50 Klägern gegen das Elektrizitätsunternehmen TEPCO. Bereits der Status als Flüchtling aus Fukushima belaste die Kinder seelisch und der AKW-Betreiber habe dies zu Verantworten.

Über die Aussage berichtete die Mainichi Shimbun.

Auch im Dezember hatten mehrerer Schüler von „Herkunfts-Mobbing“ berichtet. Die Reaktionen auf das Outing des ersten Schülers waren weitgehend positiv und regten auch andere Betroffene an, sich zu melden.

Untersuchung eines Castor-Behälters am AKW

Gestern berichteten wir über den Alarm wegen absinkendem Druck an einem Behälter auf dem Gelände des AKW Fukushima Daiichi. Heute machte die Betreiberfirma TEPCO genauere Angaben zu den Untersuchungen.

Demnach ergaben Messungen einen Druck von 322 Kilopascal. Der vor Ort  angezeigte Wert lag bei 314,5 Kilopascal. In Anbetracht der Tatsache, dass ein Alarm erst bei Druckwerten unter 250 Kilopascal ausgelöst wird, also nur eine geringe Differenz.

Daher kommt TEPCO zu dem Schluss, dass es sich bei dem angeblichen Druckabfall am Deckel des Castor-Behälters um eine Fehlfunktion des dortigen Geräts handeln muss und kündigte eine Überprüfung der Messvorrichtung an.

Über die Kontrollergebnisse am Behälter berichtete der Kraftwerksbetreiber

Wasser an Ventil von Abklingbecken herabgetropft

Am heutigen Donnerstag wurde gegen 11:02 Uhr im Gebäude der Abfallentsorgung für Reaktor 4 am Ablassventil der Leitung zum Kühlsystem des Abklingbeckens für abgebrannte Brennelemente, herabtropfendes Wasser entdeckt.

Angestellte eines Partnerunternehmens informierten TEPCO über den Fund.

Eine Kontrolle ergab, dass an einer Verbindungsleitung zwischen dem Kühlsystem und einer Entsalzungsanlage tatsächlich Wasser am Ventil herabtropfte. Die darunter gebildete Pfütze wies eine Fläche von 1,5m x 1m auf.

Alle Brennelemente wurden in den vergangenen Jahren bereits aus dem Abklingbecken entfernt. Auch verblieb das Wasser innerhalb der Betonbarriere, so dass keine Gefahr besteht.

Der Bereich um das betroffene Ventil wurde mit Vinyl gesichert. Das berichtet TEPCO in einem aktualisierten Bericht.

Schule aus Saitama nimmt Ski-Unterricht in Fukushima wieder auf

Gestern beschloss die Stadt Koshigaya (Präf. Saitama) den Ski-Unterricht im Wintersportgebiet der Stadt Nihonmatsu (Präf. Fukushima) wieder aufzunehmen und so reisten 315 Schüler in die Region.

Die dortige Einrichtung wird seit 1985 vom Skiprogramm Koshigaya genutzt. Als Folge der Kraftwerkskatastrophe im März 2011 waren die dortigen Aktivitäten aufgrund der Besorgnis von Eltern an andere Orte, etwa in der Präfektur Nagano, verlegt worden.

Die Anlage von Nihonmatsu befindet sich etwa 70 Kilometer vom AKW Fukushima Daiichi entfernt. Über die Wiederaufnahme der Kooperation berichtete die jiji.

Verschiebung einer Verwerfung durch Tohoku-Großbeben untersucht

Untersuchungen der ozeanische Forschungs- und Entwicklungsorganisation (JAMSTEC) wiesen die starke Verschiebung einer Verwerfung im Meeresboden vor der Präfektur Miyagi nach und das Ergebnis konkretisierte bisherige Schätzungen.

Den Ergebnissen der Wissenschaftlern zufolge bewegte sich die Verwerfung in der Nähe des Japangrabens während des Tohoku-Großbebens 2011 um etwa 65 Meter. Bislang war man allgemein von Schätzungen zwischen 50 und 90 Metern ausgegangen.

Diese genauere Forschung anhand von Daten des Meeresbodens bereichert somit die bisherigen theoretischen Kalkulationen und die Ergebnisse wurden in der elektronischen Ausgabe eines englischen Wissenschaftsmagazins veröffentlicht. Das berichten Präfekturmedien.

KEINE KOMMENTARE

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT