Start Aktuelles Fukushima aktuell: Mögliches Leck an Entsalzungsanlage entdeckt

Fukushima aktuell: Mögliches Leck an Entsalzungsanlage entdeckt

2535
0
TEILEN
Artikelbild: Wasserlache an der Entsalzungsanlage am 9. März 2014 (Foto: TEPCO)
Wasserlache an der Umkehrosmose-Einheit der Entsalzungsanlage am 9. März 2014 (Foto: TEPCO)

Während die Bevölkerung bereits der Opfer gedenkt, oder sich an Protesten gegen die Atomkraft beteiligt, hadert der Betreiber des AKW Fukushima heute mit technischen Problemen. Erneut ist ein Brennelemente-Kran betroffen, und auch eine Entsalzungsanlage wird beobachtet.

Wenig Beachtung finden dagegen die Helfer nach den Tohoku-Katastrophen, so dass wir ihnen einen eigenen Artikel gewidmet haben. Alle Fukushima News jetzt im Spreadnews Japan-Ticker vom 10. März 2014.

Unsere Themen zu Wochenbeginn:

  • Wasserlache an Entsalzungsanlage
  • Erneuter Stopp des Brennelemente-Krans von Reaktor 5
  • Atomkraftgegner-Großdemonstrationen in Tokyo
  • Premier Abe besucht Präfektur Fukushima
  • Zahl der Opfer und Evakuierten
  • Lichter für die Opfer in Miyagi
  • Reporter der Tohoku-Katastrophen von PTBS betroffen

Wasserlache an Entsalzungsanlage: Am Sonntag entdeckte ein Angestellter gegen 10:25 Uhr, dass sich im Bereich der Umkehrosmose-Einheit der Entsalzungsanlage 3 eine Wasserlache befand. Das Wasser verblieb nach Angaben von TEPCO jedoch innerhalb der Betonbarrieren.

Eine erste Untersuchung ergab Maße von 2,5 x 0,5 Metern. Um weitere Probleme zu vermeiden, wurde die Einheit um 10:39 Uhr abgeschaltet.

TEPCO erklärte zunächst, man ziehe alle Möglichkeiten in Betracht, auch dass es sich um Kondensations- oder Regenwasser handeln könne.

Später ergänzte der Kraftwerksbetreiber diese Aussagen um Angaben der Strahlungsmessungen an der Wasseroberfläche der ein Millimeter tiefen Wasserlache.

Wasserlache an der Entsalzungsanlage am 9. März 2014 (Foto: TEPCO)
Wasserlache an der Entsalzungsanlage am 9. März 2014 (Foto: TEPCO)

Aufgrund der geringen Strahlungswerte und der Ähnlichkeit zu vorigen Proben, gehe das Unternehmen davon aus, dass das Wasser nicht aus der Anlage stamme.

Die Ursache und tatsächliche Herkunft des Wassers blieb am Sonntag weiterhin unklar.

Nach Angaben des Unternehmens handele es sich aber mit großer Wahrscheinlichkeit um Kondenswasser. Es habe zudem keine weiteren Wasserlachen gegeben.

Erneuter Stopp des Brennelemente-Krans von Reaktor 5: Am heutigen Montag kam es erneut zu einem Zwischenfall am Kran im Gebäude von Reaktor 5. Fünf Tage zuvor hatte es bereits einen ersten Stromausfall am Brennelementekran von Reaktor 5 gegeben.

Nach der Ursachenermittlung des Zwischenfalls vom 5. März 2014, war die Krananlage untersucht worden. Bei Aufräumarbeiten nach der Inspektion hielt der Kran gegen 11:00 Uhr außerplanmäßig. Um 12:36 Uhr wurde der Stromausfall eines Teils der Kransteuerung bestätigt.

Atomkraftgegner-Großdemonstrationen in Tokyo: Am Sonntag fanden am Parlamentsgebäude und weiteren zentralen Orten von Japans Hauptstadt Tokyo. große Demonstrationen gegen die weitere Nutzung der Atomenergie statt. Die Organisatoren beziffern die Zahl der Teilnehmer auf 32.000 Personen.

Auch der atomkraftkritische Musiker Ryuichi Sakamoto nahm an den Protesten teil und rief bei einer Ansprache im Stadteil Chiyoda dazu auf, auch für jene einzustehen, die nicht ihre Stimme erheben könnten. Die  „Metropolitan Coalition Against Nukes“ hatte den Sonntag zum „No Nukes Day 2014“ erklärt.

Über die Veranstaltungen berichteten mehrere japanische Medien, darunter Kyodo, jiji und NHK.

Premier Abe besucht Präfektur Fukushima: Drei Tage vor dem Jahrestag der auch als 3/11 bezeichneten Tohoku-Katastrophen besuchte Japans Premierminister  Shinzo Abe die Präfektur, die neben den beiden Naturkatastrophen besonders von den Folgen der Kernschmelzen am Kernkraftwerk Fukushima Daichi betroffen ist.

Japans Premierminister Shinzo Abe im Juli 2013 (Foto: pd)
Premierminister Shinzo Abe besucht Fukushima (Symbolfoto: pd)

Bei einem Treffen in Tamura sprach er mit Einwohnern des Bezirks Miyakohji, die zum 1. April 2014 in ihre Häuser zurückkehren dürfen und besuchte anschließend ein Zentrum für Tourismus, das auch lokale Produkte bewirbt.

Dort aß er demonstrativ von dem gefangenen Fisch und versprach, die Vorbehalte gegen Lebensmittel aus der Präfektur abzubauen.

Gegenüber Journalisten erklärte er, der Wiederaufbau der Präfektur laufe und er werde alles tun um die Präfektur wiederaufzubauen. Es könne kein echtes Wiederaufleben Japans geben, wenn Fukushima davon ausgeklammert werde.

Über den Besuch des Premiers berichteten praktisch alle Medien, darunter etwa die NHK.

Zahl der Opfer und Evakuierten:  Drei Jahre nach dem Erdbeben, dem Tsunami und den Kernschmelzen vom März 2011, leben landesweit immer noch 267.000 Menschen in Übergangshäusern oder anderen Noteinrichtungen.

Gedenklicht für die Opfer mit "Kizuna"-Kanji 2012 (Foto: reishi-san cc-by)
Gedenklicht für die Opfer mit „Kizuna“-Kanji 2012 (Foto: reishi-san cc-by)

Noch immer sind nicht alle Opfer gefunden. Mit Stand vom 28. Februar 2014, meldet die Nationalen Polizeibehörde bislang 15.884 Todesopfer – der Großteil davon in der Region Tohoku. Offiziell gelten 2.636 Personen als vermisst.

Nach Angaben der Kyodo ist dabei auch die Zahl der Personen gestiegen, die als „Todesfälle mit Katastrophenbezug“ gewertet werden. Hizu zählen Personen, die aufgrund des psychischen Drucks Suizid begingen, oder deren Gesundheitszustand sich durch die Evakuierung so weit verschlechtert hatte, dass die Person starb. Deren Zahl liegt nun bei 3.048 Fällen.

Lichter für die Opfer in Miyagi: In der Präfektur Miyagi entzündeten Einwohner der Ortschaft Natori (Orteil Yuriage), wo mindestens 750 Menschen als tot oder vermisst registriert sind, am Sonntag auf einer Strecke von 1,2 Kilometern insgesamt 2.100 Papierlaternen entlang der Fluchtwege.

Über diese Aktion, die auch den Spielplatz einer Schule einschloss, der als Evakuierungsort gedient hatte, berichtete die Mainichi Shimbun.

Reporter der Tohoku-Katastrophen von PTBS betroffen: Insbesondere bei Naturkatastrophen ist es für eine aktuelle Berichterstattung wichtig, Mitarbeiter am Ort des Geschehens zu haben. Dass das Gesehene nicht spurlos an ihnen vorübergeht, zeigt eine Untersuchung japanischer Reporter.

Zerstörungen vier Tage nach dem Tsunami (Copyright: Andreas Teichert/DTRG e.V.)
Zerstörung und Leid belasten Psyche von japanischen Journalisten (Symbolfoto: Copyright: Andreas Teichert/DTRG e.V.)

Die von einer Organisation zur Forschung von Stress bei Journalisten durchgeführten Untersuchungen, ergaben bei örtlichen Reportern, eine hohe Wahrscheinlichkeit von posttraumatischen Belastungsstörungen (PTBS/PTSD). Die Fragebögen waren an 270 Angestellte von fünf Präfekturzeitungen versandt worden. Es kamen 120 auswertbare Antworten.

Bereits unmittelbar nach Ausbruch der Krise, hatte die Organisation Informationen zum katastrophenbezogenen Stress der Journalisten auf ihrer Webseite veröffentlicht, um auf die Problematik aufmerksam zu machen. Es ist bekannt, dass nicht nur Opfer, sondern auch Ersthelfer psychische Probleme aufgrund der Erfahrung bekommen können.

Um die Wahrscheinlichkeit einer posttraumatischen Belastungsstörung ein Jahr nach den Katastrophen einschätzen zu können, wurden 22 typische Symptome abgefragt und wie stark diese von den Betroffenen auf einer fünfstufigen Skala eingeordnet würden (IES-R). Bei einer Punktezahl von 25 oder höher ist eine PTBS wahrscheinlich.

Von den Befragten erreichten 22,4 Prozent diesen Wert, oder überschritten ihn, so dass vermutlich eine posttraumatische Störung vorliegt. Bei den mehrheitlich männlichen Mitarbeitern von denen die meisten Mitte 30 handelt es sich vor allem um Reporter, sowie Pressefotografen und Leiter von Pressebüros.

Zu den Belastungsfaktoren zählten Gebiete mit der Gefahr von Nachbeben, Bereiche mit möglicher Strahlungskontamination, Ansicht oder Berührung von Leichen  und die direkte Sichtung von Tsunamischäden bei dessen eintreffen. Fast alle berichteten, bei ihrer Arbeit nach der Katastrophe sich stärker physisch anzustrengen.

Das am häufigsten genannte Problem bei der Berichterstattung war die Unsicherheit, wie mit den Befragten umzugehen sei. Mehr als 30 Prozent der Journalisten gaben an, ihren Interviewpartner vermutlich emotional verletzt zu haben. Dennoch gaben über die Hälfte an, die Befragten hätten sich bedankt.

Während die Sympathien der Medienvertreter für die Opfer hoch waren, erlebten sie selbst auch Ablehnung. Insgesamt 40,8 Prozent der Befragten erklärten, von Bewohnern der Krisengebiete für die Berichterstattung kritisiert zu werden.

Abschließend stellt die Untersuchung fest, dass Personen mit einem guten Arbeitsumfeld, in dem die über ihre Gefühle sprechen können, weniger anfällig für PTBS zu sein scheinen. Die Organisation zur Erforschung von Stress bei Journalisten, will im Juni einen Bericht zu den Ergebnissen vorlegen. Das berichtet die Mainichi Shimbun.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here