Fukushima aktuell: Motivation der Dekontaminationsarbeiter erreicht Tiefpunkt

Fukushima aktuell: Motivation der Dekontaminationsarbeiter erreicht Tiefpunkt

2161
1
TEILEN
Artikelbild - Fukushima: Dekontamination von Bäumen durch Hochdruckreiniger (Foto: Juni 2012, TEPCO)
Fukushima: Dekontamination von Bäumen durch Hochdruckreiniger (Foto: Juni 2012, TEPCO)

Menschen, die Arbeiten am AKW Fukushima, oder die Beschäftigung bei der Dekontamination miterlebt haben, werden von ihren Aufgaben in der Präfektur Fukushima heute noch tiefgehend beeinflusst.

Dies ist nur eine der Erkenntnisse, die sich in den aktuellen Fukushima News finden. Einzelheiten gibt es nun im Spreadnews Japan-Ticker vom 12. Januar 2016.

Unsere heutigen Themen im Überblick:

  • Motivation der Dekontaminationsarbeiter sinkt
  • AKW-Arbeiter erleidet Handverletzung
  • Erster Testfang des Jahres in Soma
  • Suche nach Opfern der Tohoku-Katastrophen
  • Regierung will Fukushima-Rückkehrer unterstützen
  • Fukushima-Veteranen weiterhin tätig
  • Wiedereröffnung von Reisfeld-Eisfläche steht an

Motivation der Dekontaminationsarbeiter sinkt: Die Ausbeutung der Dekontaminationsarbeiter im Pyramidensystem, das offiziell gar nicht existiert, hat Auswirkung auf die Motivation der Beschäftigten.

So berichtet ein früherer Arbeiter, der nach dreißigjähriger Berufserfahrung durch den Bankrott seines letzten Arbeitgebers aufgrund der Tohoku-Katastrophe vorübergehend arbeitslos wurde, die Dekontamination habe ihm zunächst Freude bereitet.

Das Gefühl, zum Wiederaufbau der Region beizutragen, die Dankesworte der Einwohner und die Bezahlung hätten ihn motiviert und seine Arbeit in den Städten Fukushima und Koriyama sinnvoll erscheinen lassen.

Doch er bekam den Wandel mit, der sich ausbreitete – zunehmend wurde deutlich, dass die Dekontamination für viele Unternehmen ein reines Geschäft ist. So wurden die Arbeiten stupider und der Umgangston unfreundlicher.

Auch Arbeitsrechtler in Fukushima bestätigen die negativen Auswirkungen auf die Moral der Arbeitskräfte. Insbesondere am unteren Ende der Hierarchie herrsche ständige Unzufriedenheit aufgrund schlechter Bezahlung und fragwürdiger Arbeitsverhältnisse.

Der Mangel an Arbeitskräften und der Termindruck habe teilweise zum Abzug von Arbeitern aus Projekten geführt, die dann an anderer Stelle eingesetzt wurden, um den Zeitplan einhalten zu können. Bei dieser Flickschusterei würden zunehmend auch Arbeitskräfte außerhalb der Präfektur eingesetzt, was zu neuen rechtlichen Problemen führe.

Obwohl eine solche Entwicklung zu erwarten gewesen sei, habe die Regierung den schnellen Fortschritt bei den Dekontaminationsmaßnahmen an erste Stelle gestellt und die sozialen Aspekte vernachlässigt.  Das berichten Präfekturmedien.

Demotivierte Angestellte, die ihre Arbeit nicht korrekt durchführen und Straftaten durch Dekontaminationsarbeiter schaden dem Ruf der Beschäftigten und machen diesen Arbeitssektor unattraktiv, was die Ziele der Maßnahmen langfristig gefährden könnte.

AKW-Arbeiter erleidet Handverletzung: Am heutigen Dienstag zog sich ein Angestellter eines Partnerunternehmens bei Tätigkeiten auf dem Gelände des AKW Fukushima Daiichi eine Verletzung zu.

Gegen 9:50 Uhr klemmte er sich während Arbeiten zum Austausch eines Flanschs an einem Stahltank den Zeigefinger der linken Hand. Nach einer Erstversorgung im Notfallzentrum wurde ein Krankenwagen angefordert.

Bei seinem Transport in das Krankenhaus von Iwaki sei der Verletze bei Bewusstsein gewesen und habe keine radioaktive Kontamination am Körper aufgewiesen. Über den Arbeitsunfall berichtete der Kraftwerksbetreiber TEPCO.

Erster Testfang des Jahres in Soma: Heute führte die Fischereikooperative Soma-Futaba den ersten Testfang des Jahres durch. Die Schiffe legten vom Fischereihafen  Matsukawaura ab und kehrten nach erfolgreichem Fang dorthin zurück.

In Iwaki soll am morgigen Mittwoch mit den Testfängen begonnen werden.

Die Wiederaufnahme des Fischfangs zielt nicht nur darauf ab, langfristig wieder die Erlaubnis zum Verkauf zu erhalten, sondern bereits der Fang zu Forschungszwecken wirke sich positiv auf die Moral der Fischer aus, berichten Präfekturmedien.

Suche nach Opfern der Tohoku-Katastrophen: Am gestrigen Montag wurde in Namie eine Suchaktion nach Spuren der vermissten Katastrophenopfer durchgeführt. Vier Jahre und zehn Monate ist es her, dass das Großbeben und der damit verbundene Tsunami die Region trafen.

Insgesamt etwa 150 Personen, darunter auch Polizeibeamte, beteiligten sich an der Suchaktion in Iwaki und Namie. Neben der Sicherung von Material, das eine Identifizierung ermöglichen könnte, werden auch persönliche Gegenstände gesucht, um sie Angehörigen zu geben.

Nach Angaben der Polizei wurden in an sechs Stellen in Namie und Iwaki Knochensplitter, sowie an sieben Stellen relevante Gegenstände wie Patientenkarten oder Visitenkarten entdeckt. Über die Suchaktion, bei der neben Schaufeln auch schweres Gerät zum Einsatz kam, berichteten Präfekturmedien.

Regierung will Fukushima-Rückkehrer unterstützen: Die Regierung plant, durch den Wiederaufbau von Gewerbegebieten, medizinischer Versorgung und Sozialangeboten die Rückkehr von Einwohnern in evakuierte Gemeinde zu erleichtern.

Bis Ende März kommenden Jahres will die Regierung in Tokyo die Evakuierungsanordnung für neun Gemeinden im Sperrgebiet um das AKW Fukushima aufheben. Ausgenommen davon sind lediglich Gebiete mit besonders hoher Strahlungsbelastung.

In einigen der Gemeinden – Minamisoma, Kawamata, Katsurao und Kawauchi – ist den früheren Bewohnern bereits die Übernachtung gestattet, um den Übergang zur Freigabe der Städte und Ortschaften zu erleichtern.

Doch trotz aller Zusagen gibt es nach wie vor Vorbehalte aufgrund der Strahlung und der mangelnden Infrastruktur in diesen Gebieten.

Die Regierung will diesen Bedenken begegnen und unter anderem örtlichen Betrieben bei der Wiedereröffnung von Läden, Restaurants und anderen Arbeitsplätzen finanziell unter die Arme greifen. Ein entsprechendes Budget ist im Etat für das Fiskaljahr 2016 vorgesehen. Das berichtet die NHK.

Fukushima-Veteranen weiterhin tätig: Einige Arbeitskräfte, die bereits vor und während der Akutphase der Krise bei ihrer Tätigkeit am Kernkraftwerk Fukushima Daiichi radioaktiver Belastung ausgesetzt waren, führen dort weiterhin Arbeiten durch.

Ein 65 Jahre alter Arbeiter berichtet, er erinnere sich, dass bei seinem Einsatz auf dem Gelände das Dosimeter ständig Alarm geschlagen habe, ohne dass darauf reagiert wurde.

Gemeinsam mit anderen Arbeitern sei er unter anderem damit beschäftigt gewesen, eine Wasserstoffexplosion in den Reaktoren 5 und 6 zu verhindern. Dort trat der Ernstfall tatsächlich nicht ein, weil die Notstromversorgung rechtzeitig die Kühlung der Brennelemente ermöglichte.

Offenbar herrschte bei den Subunternehmen und deren Angestellten der Gedanke vor, irgendjemand müsse diese Arbeit halt machen. Das Risiko, an Leukämie zu erkranken wurde offenbar von beiden Seiten zumindest teilweise billigend in Kauf genommen.

Dieser Veteran der ersten Stunde berichtet, die Situation vor Ort habe sich nach nunmehr fast fünf Jahren merklich verbessert.

Durch die gesunkene Umgebungsradioaktivität müssen nicht überall die schweren Atemschutzmasken getragen werden und auch das Angebot zur Erholung der Arbeiter, etwa durch die Kantine und Ruheräume sei besser geworden. Er habe damals noch in einem Schlafsack auf dem Boden schlafen müssen.

Auch würden die arbeitsrechtlichen Bestimmungen nun strenger befolgt, etwa im Bezug auf die zulässigen Arbeitszeiten.

Der Angestellte, der nun beim Bau und Transport der Behälter für kontaminiertes Wasser beschäftigt ist, erinnert sich aber auch an den Kameradschaftsgeist während der Krise. Bei ihrer Rückkehr in die Unterkunft hätte der damalige Kraftwerksleiter Masao Yoshida sie persönlich begrüßt und ihnen für die harte Arbeit gedankt.

Yoshida selbst starb im Juli 2013 an Krebs. Dokumente mit seinen Aussagen vor einem Untersuchungsausschuss, waren auf persönlichen Wunsch hin auch über seinen Tod hinaus unter Verschluss gehalten worden, bis schließlich die Freigabe der Yoshida-Papiere erfolgte.

Der Kraftwerksarbeiter erklärt, sich weiterhin keine Sorgen um die Strahlungsbelastung zu machen. Die Arbeiten würden nicht beendet werden, wenn niemand sich traue, so seine Aussage. Über das Beispiel des Fukushima-Arbeiters berichten Präfekturmedien.

Wiedereröffnung von Reisfeld-Eisfläche steht an: Noch laufen die letzten Vorbereitungen, bevor Ende des Monats in Kawamata (Präf. Fukushima) eine Eisfläche auf dem abgeernteten Reisfeld wieder eröffnet werden kann.

Seit 1984 wird im Zeitraum von Januar bis Februar durch den Einsatz von Wasser das Reisfeld vereist, so dass Schulen es für den Sportunterricht nutzen können. Die Umsetzung dieser kreativen Idee war nach der Kraftwerkskatastrophe ausgesetzt worden.

Der Wiedereröffnung der Eisfläche im Ortsteil Yamakiya, deren Einwohner weiterhin evakuiert bleiben, wird von den Arbeitern an der Sportstätte mit Freude entgegengeblickt. Das berichtete die jiji.

1 KOMMENTAR

  1. Ich habe mich wirklich sehr über den Kalender gefreut und ihn nach einigem Überlegen doch an meinem Arbeitsplatz gehängt – da können ihn viele Menschen bewundern, und ich bin ja auch den ganzen Tag da.
    Außerdem ist es ein willkommener Anstoss, wieder mehr Zeit auf Ihre interessanten Seiten zu verwenden. Also – jetzt bleibe ich dran!
    Danke für Ihre Arbeit.
    Viele Grüße
    U.Zeh

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT