Fukushima aktuell: Nach Regenwasserleck nun Strahlungsanstieg im Grundwasser

Fukushima aktuell: Nach Regenwasserleck nun Strahlungsanstieg im Grundwasser

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Artikelbild - Grundwasserkontrollposten/Messposten am 16. Juli 2013 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Ein Grundwasserkontrollposten am 16. Juli 2013 (Foto: TEPCO)

Wie aus Fukushima heute gemeldet wird, könnte das jüngste Regenwasserleck in Japan aktuell bereits erste Folgen haben. Diese und weitere Fukushima News jetzt im Spreadnews Japan-Ticker vom 12. März 2015.

Unsere heutigen Themen:

  • Nach Leck nun Strahlungsanstieg im Grundwasser
  • AKW-Katastrophe weiterhin Grund für Suizid
  • Erste Verklappung seit Jahrestag der Katastrophe
  • Strahlungsbelastung in der Präfektur deutlich gesunken
  • UN-Weltonferenz zur Katastrophenvorsorge beginnt am Samstag

Nach Leck nun Strahlungsanstieg im Grundwasser: Nachdem am Dienstag ein Austritt von fast 750 Tonnen an radioaktiv kontaminiertem Regenwasser am Kernkraftwerk Fukushima Daiichi entdeckt worden war, scheint der Zwischenfall nun Folgen zu haben.

Wie der Kraftwerksbetreiber TEPCO mitteilte, wurde in einer gestern entnommenen Probe des nahe gelegenen Grundwassermessposten E-9, eine Konzentration von radioaktivem Material in Höhe von 11.000 Becquerel pro Liter nachgewiesen.

Am Tag vor dem Leck lag der Wert noch bei 370 Becquerel, so dass ein Anstieg um das 30-fache vorliege, erklärte das Unternehmen. Es handele sich bei dem radioaktiven Material um Betastrahler, wie etwa Strontium.

An den übrigen Messposten habe man keine signifikanten Abweichungen von den zuvor gemessenen Werten festgestellt.

TEPCO hatte nach dem Austritt vom Dienstag erklärt, dass das Wasser vermutlich im Boden versickerte und nicht durch Abwasserkanäle in das Meer gelangt sei. Über die aktuelle Entdeckung berichteten TEPCO und NHK.

AKW-Katastrophe weiterhin Grund für Suizid:  Die Zahl der Suizide in Japan ist seit fünf Jahren rückläufig und im vergangenen Jahr weiter gesunken. So halbierte sich etwa in diesem Zeitraum die Zahl der Selbsttötungen aufgrund von wirtschaftlichen Problemen.Das geht aus den heute veröffentlichten Zahlen des Kabinettsbüros und der Nationalen Polizeibehörde hervor.

jizo Statue (Foto: Chris Gladis cc-by-nd)
Statue des Jizo: Er begleitet nach Volksglauben die Seelen der Toten (Foto: Chris Gladis cc-by-nd)

Auch die Zahl der Suizide, bei denen ein Bezug zur Kraftwerkskatastrophe vom März 2011 nachgewiesen werden konnte, ist gesunken, allerdings nicht gleichmäßig.

Kam es im Jahr 2011 noch zu 55 Selbsttötungen mit Katastrophenbezug, sank die Zahl 2012 auf 24 Fälle, bevor sie im Jahr 2013 mit 38 Fällen wieder anstieg, Im vergangenen Jahr gab es 22 Fälle, die im Bezug zu den damaligen Ereignissen stehen, was einem Rückgang von 16 Fällen entspricht.

Die 22 Selbsttötungen verteilen sich dabei auf die drei Präfekturen, die am stärksten von der Kraftwerkskrise betroffen waren. 70 Prozent dieser Suizide entfallen dabei auf die Präfektur Fukushima.

Demnach wurden aus der Präfektur Fukushima 15 Selbsttötungen mit Katastrophenbezug gemeldet, was einen Rückgang um acht Fälle im Vergleich zum Vorjahr entspricht.

In der Präfektur Miyagi wurden vier dieser Suizide gemeldet – ein Rückgang um sechs Fälle, während in der Präfektur Iwate drei Fälle auf die AKW-Katastrophe zurückgeführt werden, was im Vergleich zu 2013 einem Rückgang um einen Todesfall entspricht.

Die Hintergründe der Suizide wurden sowohl aufgrund von Abschiedsbriefen, als auch weiteren Hinweisen bestimmt, wobei es auch Mehrfachnennungen gab. Bei acht der insgesamt 15 Fälle handelt es sich um Personen ab 60 Jahren.

Ein Vertreter des Kabinettsbüros erklärte, auch wenn nicht gänzlich klar sei, wie es zu der hohen Zahl an Fällen mit Katastrophenbezug in der Präfektur Fukushima komme, werde man Präventivmaßnahmen, wie etwa verstärkte Kontrollgänge in Übergangshausanlagen treffen.

Die Gesamtzahl aller Suizide in Japan lag 2014 bei 25.427 Fällen und wird trotz des Rückgangs um 1.856 im Vergleich zum Vorjahr von der Regierung weiterhin als hoch angesehen. Über die aktuellen Zahlen berichteten unter anderem auch Mainich Shimbun, Asahi Shimbun und jiji.

Erste Verklappung seit Jahrestag der Katastrophe: Am heutigen Donnerstag führte der Kraftwerksbetreiber TEPCO eine weitere Einleitung von Wasser aus den Bergen in den Pazifik durch.

AKW Fukushima: Beaufsichtigung der Grundwasserumleitung durch die METI am 21. Mai 2014 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Beaufsichtigte Grundwasserumleitungam 21. Mai 2014 (Foto: TEPCO)

Die Umleitung von Grundwasser aus den Bergen und anschließende Verklappung dienen dazu, den Grundwasserpegel auf dem Kraftwerksgelände besser kontrollieren zu können und den Zufluss einzudämmen.

Sinnhaftigkeit und Effektivität des Vorgehens waren vom AKW-Betreiber in der Vergangenheit zunächst bezweifelt worden.

Schließlich war TEPCO jedoch zu dem Schluss einer langfristigen Effektivität gekommen.

Bei der heutigen Maßnahme, die nach Betreiberangaben problemlos verlief, wurden 1.204 Tonnen an zuvor analysiertem Wasser ins Meer eingeleitet.

Strahlungsbelastung in der Präfektur deutlich gesunken: Vier Jahre seit der Katastrophe, sind die Strahlungswerte der Luft in 88 Prozent der kontrollierten Gebiete unter dem Grenzwert von 0,23 Mikrosievert pro Stunde gesunken, der eine Dekontamination erforderlich machen würde.

Die Atomaufsichtsbehörde NRA und die Präfekturverwaltung brachten insgesamt 3.661 Messposten in öffentlichen Anlagen wie Schulen und Parks an, so dass die Strahlungsbelastung dort 24 Stunden lang kontrolliert wird.

Messposten in Iwaki (Foto: Prof. Haruhiko Okumura, cc-by)
Messposten in Iwaki (Foto: Prof. Haruhiko Okumura, cc-by)

Die Asahi Shimbun untersuchte gestern gegen Mittag die Belastung und stellte an den 3.574 Standorten, an denen korrekte Messungen erfolgten, in 88 Prozent der Fälle eine Unterschreitung des Grenzwerts fest.

In der Region Soso, in der auch das AKW Fukushima Daiichi liegt, wiesen 58 Prozent der Posten Werte unter dem Grenzwert auf. In sieben Gemeinden der Region hielten nur 22 Prozent der 302 Messpunkte den Grenzwert ein.

Zu den Gemeinden gehörten die evakuierten Ortschaften Futaba und Okuma. Die höchste Belastung betrug 18,30 Mikrosievert pro Stunde und wurde in Okuma nachgewiesen.

In den Regionen Aizu und Minami-Aizu, die mehr als 73 Kilometer vom AKW entfernt liegen, wurde keine einzige Überschreitung nachgewiesen. In den Regionen Iwaki, Kennan und Kenchu lagen die Werte alle deutlich über 90 Prozent.

In der Region Kenhoku, zu der auch die Stadt Fukushima gehört und in die nach der Katastrophe vergleichsweise viel radioaktives Material gelangt war, wurde in 89 Prozent der Fälle der Grenzwert eingehalten.

Außerhalb der Präfektur liegen nach Angaben der Zeitung die Werte weit unter den Dekontaminationswert. Im Tokyoter Stadtteil Shinjuku wurden 0,06 und in Osaka 0,08 Mikrosievert pro Stunde registriert.

Skeptiker sehen derartige Einschätzungen jedoch kritisch und argumentieren, ihre eigenen Messungen an derartigen Messposten hätten durchweg höhere Strahlungswerte, als die offiziell angezeigten ergeben.
UN-Weltonferenz zur Katastrophenvorsorge beginnt am Samstag: Am Samstag wird die Weltkonferenz der Vereinten Nationen zur Katastrophenvorsorge im japanischen  Sendai (Präf. Miyagi) beginnen.
Nach Angaben eines Regierungsvertreters wird es für Japan eines der größten internationalen Treffen überhaupt und man rechnet damit, dass die Zahl teilnehmender Länder über den 168 Staaten liegen wird, die im Jahr 2005 beim Treffen in Kobe erreicht wurde.
Auch UN-Generalsekretär Ban Ki-moon wird an der Konferenz teilnehmen, die zuvor in einer Resolution in ihrer Bedeutung heraufgestuft worden war. Über die am Wochenende beginnende Konferenz berichteten mehrere Medien, darunter jiji und NHK.

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