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Fukushima aktuell: Nagetier löst Alarm an Stromversorgung aus

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Artikelbild: Erdbebensicheres Hauptgebäude im Mai 2012 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Nagetier löst Aufregung in erdbebensicherem Hauptgebäude aus (Foto: symbolisch, TEPCO)

Wenn ein kleines Nagetier Alarm am erdbebensicheren Hauptgebäude auslöst, erinnert dies unsere Stammleser an mindestens zwei Zwischenfälle, bei denen es zu teils schwerwiegenden Problemen gekommen war. Doch die Kraftwerksarbeiter kamen diesmal offenbar mit dem Schrecken davon.

Während die Beladung des Transportbehälters am AKW Fukushima heute weitergeführt wurde, melden andere Fukushima News dagegen erneute Probleme an anderen Teilen der Anlage. Details nun im Spreadnews Japan-Ticker vom 27. November 2013.

Unsere heutigen Themen:

  • Nagetier löst Fehlalarm an Stromversorgung aus
  • Beladung von Transportbehälter abgeschlossen
  • Ölleck an Löschfahrzeug
  • Tropfendes Ventil an Lagertankbarriere
  • Hoher Strahlungswert an Messposten
  • NRA legt Sicherheitsregeln für Nuklearanlagen vor
  • Fukushima-Reis an Kaiserpalast geliefert

Nagetier löst Fehlalarm an Stromversorgung aus: Wie Kraftwerksbetreiber TEPCO noch gestern mitteilte, kam es gegen 6:45 Uhr am erdbebensicheren Hauptgebäude sechsmal hintereinander zu einem Alarm, der auf Störung der Stromversorgung von Geräten hinwies. Ein Gerät, das die externe Stromversorgung für Teile der Reaktoranlage kontrolliert, soll ausgefallen sein.

Eine Kontrolle vor Ort ergab, dass es sich um einen Fehlalarm handelte, der offenbar durch ein Nagetier ausgelöst wurde. Darauf wiesen Spuren von Urin und Kot hin. Das Tier war offenbar durch einen  1x 1 Zentimeter breiten Spalt eines Kabelschachts ins Innere gelangt. Es bestand kein Problem mit der Energieversorgung.

Dennoch werde man weitere mögliche Ursachen der Mehrfachalarme untersuchen. Über den Zwischenfall berichteten TEPCO und die Yomiuri Shimbun.

Es ist nicht das erste Mal, dass Nagetiere einen Alarm auslösen. Am 18. März 2013 hatte eine Ratte einen Kurzschluss in einer Schalttafel ausgelöst Wichtige Teile der Anlage, wie etwa einige Kühlsysteme und Filteranlagen waren ausgefallen (Spreadnews berichtete am 18. März 2013). Am 22. April 2013 gab es einen kleineren Zwischenfall, bei dem es ebenfalls zu einem Ausfall kam.

TEPCO räumte ein, die nach den Zwischenfällen getroffenen Maßnahmen seien offenbar nicht ausreichend gewesen. Die jetzt entdeckte Öffnung wurde abgedichtet und nach Schlupflöchern in anderen Bereichen gesucht.

Beladung von Transportbehälter abgeschlossen: Auch am heutigen Mittwoch liefen die Maßnahmen zur Beladung eines Behälters mit abgebrannten Brennelementen weiter. Gestern hatte TEPCO damit begonnen, die stark radioaktiven Brennelemente im Lagerbeckenzu transferieren.

Fukushima-Reaktor 4: Unterer Bereich eines Brennelements am 27. November 2013 (Foto: TEPCO)
Fukushima-Reaktor 4: Unterer Bereich eines Brennelements am 27. November 2013 (Foto: TEPCO)

Die heute zwischen 11:00 Uhr und 17:41 Uhr durchgeführten Arbeiten umfasste den Wechsel von 16 dieser Brennelemente in den Transportbehälter, so dass dieser seine Kapazität von 22 Stück erreichte.

Am Donnerstag folgt dann die Dekontamination des Behälters um das Strahlungsniveau zu senken, um ihn dann zum Gebäude des Gemeinschaftsbeckens zu transportieren.

Der Kraftwerksbetreiber begleitete die heutige Meldung mit Unterwasseraufnahmen, die während der Arbeiten im Becken gemacht worden waren.

Einzelheiten zum Transport wollte das Unternehmen aus Sicherheitsgründen nicht preisgeben. Nach der Bergung von 22 ungenutzten Brennelementen hatte TEPCO die Medien für Bildmaterial gerügt, da diese Aufnahmen auch Terroristen Auskunft über die Anlage und die Vorgänge bieten würden (Spreadnews berichtete am 22. November 2013).

Ölleck an Löschfahrzeug: Am heutigen Mittwoch entdeckten Angestellte gegen 10:00 Uhr bei einer Brandschutzübungen, dass Öl aus einem Löschfahrzeug tropfte. Nach Abschaltung der Vakuumpumpe der Anlage, stoppte auch der Ölaustritt. Das ausgetretene Öl breitete sich auf einer asphaltierten Fläche von 2 x 1 Meter aus.

Um 11:00 Uhr wurde die Feuerwehr Futaba über den Fund informiert und das Öl mit Adsoprtionsmarterial neutralisiert. Später bestätigte die Feuerwehr Tomioka gegen 14:00 Uhr, das keine Gefahrenstoffe ausgetreten waren. Die Ursache des Öllecks werde untersucht.

Tropfendes Ventil an Lagertankbarriere: Bereits am gestrigen Dienstag wurde gegen 15:39 Uhr an einem Ablassventil der Betonbarriere im Bereich H9 tropfendes Wasser festgestellt. Ein Festziehen des Ventils gegen 17:00 Uhr beendete den Wasseraustritt. Es gab dabei offenbar keine Wasseransammlung.

Dennoch wurde ein entstandener Fleck mit zwei Zentimetern Durchmesser untersucht. Da sich die Cäsiumwerte unterhalb des Nachweiswerts befanden und die Strontiumwerte bei 4,0 Becquerel pro Liter lagen, geht das Unternehmen davon aus, dass es sich um Regenwasser handelt. Als Gegenmaßnahme werde man das Ventil austauschen. Dies gab TEPCO heute bekannt.

Hoher Strahlungswert an Messposten: In Wasserproben aus dem Grundwassermessposten E-9, die am 25. November entnommen worden waren, konnte ein Wert von 51.000 Becquerel pro Liter an radioaktivem Tritium nachgewiesen werden. Es ist offenbar das erste Mal, dass an diesem Kontrollpunkt derartige Werte erreicht werden.

Bei den anderen Werten konnten nach Meldung von TEPCO keine wesentlichen Änderungen im Vergleich zu vorangegangenen Messungen nachgewiesen werden.

NRA legt Sicherheitsregeln für Nuklearanlagen vor: Japans Atomaufsichtsbehörde NRA legte am heutigen Mittwoch neue Sicherheitsstandards für Einrichtungen fest, in denen mit Nuklearmaterial gearbeitet wird, bei denen es sich jedoch nicht um kommerzielle Kernkraftwerke handelt.

TEPCO-Zentrale in Tokyo (Foto: Yusuke Kawasaki cc-by)
Schärfere Regelungen für TEPCO & Co (Foto: Yusuke Kawasaki cc-by)

Die neue Regelungen, die am 18. Dezember durch Verabschiedung durch das Parlament in Kraft treten werden, verpflichten die Betreiber dazu, Maßnahmen zur Verhinderung und Handhabung schwerer Störungen auszuarbeiten.

Neben Erdbebensicherheit und Tsunamischutz, zählt auch die Verhinderung von Kettenreaktionen und Wasserstoffexplosionen zu den Bestimmungen.

Betroffen von dieser Regelung sind etwa Wiederaufarbeitungsanlagen für Brennelemente, wie jene in Rokkasho (Präf. Aomori).

Der Betreiber Japan Nuclear Fuel will nach Inkrafttreten der Regelung eine Sicherheitsprüfung beantragen. Diese ist Voraussetzung für den Neustart von Nuklearanlagen.

Shunichi Tanaka, Vorsitzender der Atomaufsichtsbehörde NRA erklärte, er hoffe, dass die Betreiber alle Vorgaben umsetzen werden. Von den Regelungen betroffen ist beispielsweise auch das Übergangslager für abgebrannte Brennelemente in Mutsu (Präf. Aomori), sowie Forschungseinrichtigungen, wie etwa der Reaktor des AKW Monju.

Insgesamt fallen landesweit 247 Einrichtungen in die Kategorie. Über die Neuregelung berichteten jiji und NHK.

Fukushima-Reis an Kaiserpalast geliefert: Auf Wunsch des Tenno wurde bereits gestern Reis aus Hirono (Präf. Fukushima) an den Kaiserpalast in Tokyo geliefert. Das teilte das kaiserliche Hofamt heute mit.

Tenno Akihito solidarisiert sich mit Fukushima-Reisbauern (Foto: pd)
Der Tenno im April 2011 (Foto: pd)

Nach Angabe des Amtes habe der Tenno den Entschluss gefasst, nachdem ihn Noriyuki Kazaoka, Leiter des Hofamtes darüber in Kenntnis gesetzt hatte, dass die Bediensteten ab heute den Reis aus Fukushima essen würden.

Er wolle ihn nun ebenfalls essen, „da sicher große Anstrengung beim Anbau“ erforderlich gewesen seien.

Der Tenno hat sich in der Vergangenheit bereits mehrfach solidarisch mit der einfachen Bevölkerung gezeigt und sich nach der Fukushima-Katastrophe freiwillig an den Maßnahmen zur Einsparung von Elektrizität zur Verhinderung von Stromausfällen beteiligt.

Die Arbeiten an den Reisfeldern unterlagen einem dreijährigen Stopp aufgrund der Katastrophe von Fukushima. Verbraucher sind immer noch skeptisch gegenüber Lebensmitteln aus der Region und fürchten eine mögliche radioaktive Kontamination.

Über die Entscheidung des Tenno berichtete die jiji.

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