Start Aktuelles Fukushima aktuell: Netflix-Serie wegen Sensationsjournalismus kritisiert

Fukushima aktuell: Netflix-Serie wegen Sensationsjournalismus kritisiert

Japanische Behörden bemängeln verzerrte Darstellung der Realität in Fukushima

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Artikelbild - Präfektur Fukushima: Nationalstraße 114 durch Namie (Foto: pd)
Umstrittene Reportage: Präfektur Fukushima erwägt Klage gegen Netflix (Symbolfoto: pd)

Falsche Vorstellungen über die gegenwärtige Situation nach der AKW Krise sind außerhalb Japans nach wie vor präsent – bietet doch das Thema „Fukushima“ heute nach wie vor genug Stoff für Reportagen von teils zweifelhafter Qualität.

Sicher nicht zuletzt aufgrund der Olympischen Spiele 2020 will Japan Negativberichte vermeiden. Doch wie die aktuellen Fukushima News zeigen, gilt der Gruselfaktor offenbar bei ausländischen Medienunternehmen nach wie vor als Zuschauermagnet.

Die Einzelheiten gibt es jetzt im Spreadnews Japan-Ticker vom 3. September 2018.

Unsere heutigen Themen zum Wochenbeginn:

  • Präfektur Fukushima erwägt gegen Netflix-Serie vorzugehen
  • Recycling von kontaminiertem Erdreich in anderen Präfekturen denkbar
Präfektur Fukushima erwägt gegen Netflix-Serie vorzugehen

Sowohl die Präfekturverwaltung Fukushima, als auch die japanische Behörde für Wiederaufbau erwägen rechtliche Schritte gegen eine Folge der Serie „Dark Tourist„, die vom Internet-Videostreamingdient Netflix angeboten wird.

Im Rahmen der Serie reist der neuseeländische Journalist David Farrier, der zugleich die Sendung moderiert, in jeder Folge an Orte mit „dunkler Vergangenheit“. Darunter befindet sich auch ein ehemaliges Atomtestgelände in Kasachstan.

In der Folge „Japan“ (Erstausstrahlung: 20. Juli 2018) die kritisiert wird, nimmt Farrier auch an einer Tour für ausländische Touristen teil, die einen Eindruck von den Gebieten bekommen wollen, die von der Kraftwerkskatastrophe im März 2011 betroffen sind.

Die Gemüter erregen sich vor allem an der Andeutung des Moderators, die Mahlzeit die den Touristen in einem Lokal in Namie serviert wurde, sei möglicherweise durch radioaktive Strahlung „verseucht“.

Doch auch das illegale Betreten des Sperrgebiets und der Bericht aus einem dortigen leerstehenden Spielsalon, sowie die plakative Zurschaustellung der Besorgnis von Teilnehmern angesichts steigender Dosimeterwerte am Reisebus, wird kritisiert.

Die Folge soll bereits international Bekanntheit erlangt haben und sowohl die Behörde für Wiederaufbau, als auch die Präfekturverwaltung fürchten durch diese suggestive Art der Berichterstattung eine Rufschädigung durch Gerüchte.

Derzeit prüfe man den Inhalt der Reportage, heißt es von Seiten der Präfektur. Über die mögliche Klage gegen Netflix berichtete die jiji unter Berufung auf „informierte Quellen“

Recycling von kontaminiertem Erdreich in anderen Präfekturen denkbar

Am heutigen Montag veröffentlichte das Umweltministerium die Ergebnisse der Befragung von Gemeinden außerhalb der Präfektur Fukushima zur Frage, ob sie bereit wären, Erdreich aus Dekontaminationsarbeiten weiterzuverwenden.

Von den insgesamt 63 Gemeinden in sieben Präfekturen der Regionen Tohoku und Kanto gaben 11 Prozent an, ein solches Recycling zumindest in Erwägung zu ziehen. Letztlich wird aber wohl die Akzeptanz in der Bevölkerung ausschlaggebend sein.

Ungeachtet dieses Umstands sieht die Regierung hierin offenbar eine Art von Umdenken und so will das Umweltministerium anhand von Vorführungen in der Präfektur Fukushima mehr Bürger von der Maßnahme zu überzeugung.

Bei den Versuchen in Fukushima geht es vor allem darum, die Konzentration von radioaktivem Material so weit zu reduzieren, dass eine Verwendung in öffentlichen Projekten, wie etwa dem Straßenbau gefahrlos möglich ist.

Über die Ergebnisse der Abstimmung berichteten Präfekturmedien.