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Fukushima aktuell: Neue Fälle von Schilddrüsenkrebs nachgewiesen

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Artikelbild der Schilddrüse (Foto: pd)
Fukushima-Krise: Mögliche Zusammenhänge mit Schilddrüsenkrebs vermutet (Symbolfoto: pd)

Wenn im Zusammenhang mit der Präfektur Fukushima heute von neuen Krebsfällen berichtet wird, verleitet dies dazu, ausschließlich die Katastrophe am AKW Fukushima Daiichi als Ursache in Betracht zu ziehen. Experten sehen dies differenzierter. Neben diesem Thema ist in Japan aktuell aber auch die Bedrohung eines atomkritischen Politikers von Interesse.

Einzelheiten der Fukushima News jetzt im Spreadnews Japan-Ticker vom 13. November 2013.

Unsere heutigen Themen:

  • Weitere Fälle von Schilddrüsenkrebs bei jungen Menschen in Fukushima
  • Pläne für Fukushima-Reaktor 4
  • Beginn von Neustartkontrollen am AKW Kashiwazaki-Kariwa beschlossen
  • Drohbrief und Messer an atomkraftkritischen Politiker geschickt

Weitere Fälle von Schilddrüsenkrebs bei jungen Menschen in Fukushima: Wie Verantwortliche der Präfektur Fukushima gestern mitteilten, ist sowohl die Zahl der bestätigten Fälle, als auch die Verdachtsfälle von Schilddrüsenkrebs bei Heranwachsenden aus der Präfektur gestiegen.

Schilddrüse mit Strahlungsbelastung (Symbolbild, pd)
Weitere Fälle von Schilddrüsenkrebs bei Heranwachsenden in Fukushima (Symbolbild, pd)

Nachdem die Zahl im August bei 44 Personen lag, wurde nun ein Anstieg von 15 weiteren Fällen gemeldet. Acht davon sind bestätigte Krebsfälle, bei den übrigen sieben besteht bislang nur ein Verdacht.

Alle betroffenen waren zum Zeitpunkt der Fukushima-Katastrophe im März 2011, 18 Jahre oder jünger. Das Durchschnittsalter lag bei 16,8 Jahren.

Insgesamt weisen damit 59 Personen dieser Altersgruppe entweder bestätigte (26), oder vermutete Fälle (33) von Schilddrüsenkrebs auf.

Die aktuellen Zahlen sind das Ergebnis der jüngsten Tests, die an weiteren 33.000 jungen Bürgern der Präfektur Fukushima durchgeführt wurden. Bislang wurden Testergebnisse für etwa 226.000 Personen veröffentlicht. Allerdings ist es nur schwer möglich, einfache Vergleiche zu ziehen.

Da Schilddrüsenkrebs bei Kindern normalerweise bis zum Auftreten deutlicher Symptome unentdeckt bleibt, in diesem Fall jedoch auch gesunde Kinder getestet wurden, besteht die Möglichkeit, dass durch diese Früherkennung, in deren Verlauf auch leichte Vorstufen erkannt werden, lediglich die tatsächliche Zahl der normalerweise unentdeckten Fälle widergespiegelt wird.

Atomkraftgegner betrachten diese Einschätzung als Verharmlosung.

Auch wenn einige Experten die Entwicklung von Krebs in einem Zeitraum von drei Jahren nach einer Strahlungsbelastung für unwahrscheinlich halten und einen Mindestzeitraum von fünf Jahren als realistisch ansehen, müssen sich die Behörden nun mit den Ängsten der Bevölkerung befassen.

Daher kündigte die Präfekturleitung an, man werde im Frühjahr weitere 25.000 Kinder testen, die zum Zeitpunkt des Ausbruchs der Fukushima-Katastrophe noch im Fetalstatus waren. Über die aktuellen Zahlen der Krebsfälle bei Jugendlichen berichteten neben der Präfektur auch die Asahi Shimbun.

Pläne für Fukushima-Reaktor 4: Nachdem die Atomaufsichtsbehörde am gestrigen Dienstag zunächst die Genehmigung für die Verwendung des Deckenkrans am Lagerbecken von Reaktor 4 gab, begann die Behörde heute mit der Prüfung der vorgesehenen Arbeitsschritte im Rahmen der Bergung von Brennelementen.

Fukushima-Reaktor 4: Verpixeltes Foto des Transportbehälters am 13. November 2013 (Foto: TEPCO)
Fukushima-Reaktor 4: Verpixeltes Sicherheitsfoto des Transportbehälters am 13. November 2013 (Foto: TEPCO)

TEPCO veröffentlichte daher heute noch einmal Textmaterial, in dem der Vorgang erläutert wird.

Das besondere an dem hierzu veröffentlichten Bildmaterial ist, dass bei den Aufnahmen vom Transfer des Behälters NFT-22B Teile des Objekts durch Verpixelung unkenntlich gemacht wurden.

Nach Angaben von TEPCO wurde diese Maßnahme aus Sicherheitsgründen ergriffen.

Aktuellen Informationen zufolge, soll die Bergung erst in der zweiten Monatshälfte erfolgen.

Im Rahmen der Aktion werden dann 1.535 Brennelemente aus dem Becken des Reaktors gehoben und in das Lagerbecken eines nahe gelegenen Gebäudes transportiert werden.

Beginn von Neustartkontrollen am AKW Kashiwazaki-Kariwa beschlossen: Die Atomaufsichtsbehörde NRA hat auf einer Sitzung am heutigen Mittwoch beschlossen, die Sicherheitskontrollen am AKW Kashiwazaki-Kariwa fortzuführen.

Das AKW Kashiwazaki-Kariwa im April 2011 (Original: Daisuke Yamagishi cc-by)
Das AKW Kashiwazaki-Kariwa im April 2011 (Original: Daisuke Yamagishi cc-by)

Die Behörde hatte zuvor die Kontrollen ausgesetzt und mit der Bedingung verbunden, der Kraftwerksbetreiber TEPCO müsse zunächst wirksame Schutzmaßnahmen gegen die Probleme mit kontaminiertem Wasser an der Anlage des AKW Fukushima Daiichi vorlegen.

Dieser Aufforderung war das Unternehmen schließlich nachgekommen und hatte unter anderem auch Pläne zur Verbesserung von Lebens- und Arbeitsbedingungen, sowie der Bezahlung der Arbeiter bekannt gegeben.

Der Elektrizitätskonzern hatte die Sicherheitsprüfung des Reaktoren 6 und 7 am AKW Kashiwazaki-Kariwa (Präf. Niigata) beantragt, da er einen Neustart der Anlage plant. Neben der mindestens halbjährigen Prüfungsdauer gibt es auch weitere Hindernisse.

So erklärte etwa Shunichi Tanaka, Vorsitzender der Atomaufsicht erklärte, die Situation am AKW Fukushima Daiichi genieße aber weiterhin Priorität und tatsächlich hat TEPCO bereits Arbeitskräfte aus der Anlage in Niigata abgezogen und nach Fukushima geschickt.

Ebenfalls problematisch dürfte für TEPCO der Umstand sein, dass ein Neustart der Genehmigung örtlicher Behörden bedarf. Bereits jetzt kritisiert mit Hirohiko Izumida, der Gouverneur der Präfektur Niigata, gegen die Entscheidung der NRA. Er wolle eine Erklärung für die Entscheidung, da der Austritt von radioaktivem Wasser in Fukushima immer noch ungeklärt sei.

Auch garantiere selbst eine möglicherweise erfolgreiche Sicherheitskontrolle nicht den sicheren Betrieb der Anlage von Kashiwazaki. Nun wird die NRA zunächst über die durchzuführenden Schritte der Kontrollen beraten. Über die aktuellen Entwicklungen berichteten jiji, Mainichi Shimbun und NHK.

Drohbrief und Messer an atomkraftkritischen Politiker geschickt: Ein Sicherheitsbeamter entdeckte heute, das ein Umschlag, der an den parteilosen Abgeordneten Taro Yamamoto adressiert war, ein messerähnliches Objekt enthielt.

Wagen der japanischen Polizei (Foto: pd)
Morddrohung gegen atomkraftkritischen Abgeordneten (Abb. symbolisch Foto: pd)

In dem Umschlag befand sich ein klappbares Obstmesser mit einer Klingenlänge von neun Zentimetern. Auf der Rückseite kündigte eine Gruppe, die sich „Japanese Independence Liberation Front“ nennt, die Entsendung von Attentätern mit Messern an.

Der Abgeordnete war in die Schlagzeilen geraten, nachdem er dem Tenno auf dessen jährlicher Gartenfeier ein Dokument überreicht hatte, in dem die angeblichen gesundheitlichen Auswirkungen der Fukushima-Katastrophe erläutert werden.

Kritiker hatten Yamamoto vorgeworfen, die Person des Tenno für politische Zwecke missbrauchen. In Folge wurde der Politiker verwarnt und erhielt ein Verbot, an Anlässen mit Beiwohnung des Tenno teilzunehmen.

Schreiben und Messer wurden der Polizei übergeben die Ermittlungen einleitete. Über die Morddrohung gegen den bekannten Atomkraftkritiker berichteten jiji und NHK.

Erwartungsgemäß führen derartige Meldungen auch zu Gerüchten. Während manche einen Bezug zu den Atomenergie befürwortenden rechtsnationalistischen Internetaktivisten („netouyo/netto uyoku„) sehen, wird an anderer Stelle vermutet, Yamamoto habe das Schreiben fingiert, um Polizeischutz zu erhalten.

1 KOMMENTAR

  1. zu Schilddrüsenkrebsfällen: jeder fall mehr als 1 ist zuviel, denn 1 Fall auf 100.000 wäre „normal, wahrscheinlich“ – mehr aber nicht – und nur durch die Belastung durch Fukushima erklärlich

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