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Fukushima aktuell: Neue Hinweise auf Ursache der Kernschmelze

Bislang ungeklärte Ursache der Kernschmelze möglicherweise ermittelt

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Artikelbild: Offizielles Foto des AKW Fukushima Daiichi (Foto: TEPCO)
Das AKW Fukushima Daiichi: (Foto: TEPCO)

Die ungeklärten Umstände der Kernschmelze sind in Fukushima heute wieder von Interesse, denn man glaubt, nun über neue Informationen zu verfügen.

Neue Fukushima News gibt es aber auch vom Eiswall, der Trümmerräumung und der Lagerungsproblematik. Die Details finden sich wie üblich im Spreadnews Japan-Ticker vom 6. Juni 2016.

Unsere Themen zum Wochenbeginn:

  • Neue Hinweise auf Ursache für Fukushima-Kernschmelze
  • TEPCO weitet Eiswall trotz Problemen drastisch aus
  • Trümmerräumung in 11 Fukushima-Sperrgebietsgemeinden abgeschlossen
  • Nationales Symposium für Endlagerung von Atommüll
  • Regierung hielt Bericht über Tschernobyl-Strahlungsfolgen zurück

Neue Hinweise auf Ursache für Fukushima-Kernschmelze: Auch mehr als fünf Jahre nach der Kraftwerkskatastrophe ist die genaue Ursache für den Ausfall des Notkühlsystems von Reaktor 2, der sich am 14. März 2011 ereignete, weiterhin unklar.

Nachdem das Kühlsystem unmittelbar nach den Ereignissen vom 11. März 2011 durch die Dampfentwicklung in Betrieb gegangen war, fiel es aus bislang ungeklärter Ursache drei Tage später wieder aus.

Der Kraftwerksbetreiber geht nach Analysen nun davon aus, dass möglicherweise ein Leck am Kühlsystem dazu geführt haben könnte, dass kein Kühlwasser mehr in das Innere gepumpt werden konnte.

Zu dieser Annahmen gelangten sie durch den Abgleich des Wasserstands innerhalb von Reaktor 2 mit der Menge des ausgetretenen Wassers.

Grund für den Wasseraustritt war möglicherweise die Überschreitung der vorgesehenen Betriebsdauer der Wasserpumpen. Diese waren nur auf einen Betrieb von acht Stunden ausgelegt.

Sollte diese Theorie stimmen, so wäre dieses Wasserleck die Hauptursache für das Versagen bei den Kühlversuchen und die daraus resultierende Kernschmelze im Reaktor. Über diese Einschätzung berichtete die NHK am gestrigen Sonntag.

TEPCO weitet Eiswall trotz Problemen drastisch aus: Der Betreiber des AKW Fukushima Daiichi hat die Arbeiten zur Schaffung der unterirdischen Grundwasserbarriere auf zusätzliche Bereiche des Kraftwerksgeländes ausgeweitet.

Die Zustimmung der Atomaufsicht für die Ausweitung des Eiswalls war zwar vorsichtig formuliert worden, jedoch fühlte sich das Unternehmen offenbar den steigenden Anforderungen durch diesen Schritt gewachsen.

AKW Fukushima: Start der Gefrierungsarbeiten auf der Landseite des Eiswalls am 6. Juni 2016 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Start der Gefrierungsarbeiten auf der Landseite des Eiswalls am 6. Juni 2016 (Foto: TEPCO)

Am heutigen Montag begann TEPCO daher auf dem nächsten Teilstück mit der Einleitung des Kühlmittels in die unterirdisch verlaufenden Rohre, um auch dort eine Gefrierung der tieferen Bodenschichten herbeizuführen.

Mit dem Beginn der Arbeiten sind nun insgesamt 95 Prozent des Eiswall-Projekts ein Teil des Kühlkreislaufs.

Doch trotz aller Fortschritte gibt es weiterhin Probleme. So sinkt die Temperatur in einigen Bereichen aufgrund des schnellen Grundwasserstroms nicht ausreichend. Hier soll die heute begonnene Einspeisung von Zement wirksam Abhilfe schaffen und die Gefrierung ermöglichen.

Die Arbeiten waren im März auf dem küstenseitigen Abschnitt begonnen worden. Doch auch dort sank der Grundwasspegel nicht überall wie erwartet und die heraufgepumpte Wassermenge auf der Gebäudeseite der Barriere habe sich nicht verringert.

Dennoch gibt sich das Unternehmen im Bezug auf die Wirksamkeit der Anlage weiterhin optimistisch. Über die Weiterführung der Arbeiten berichtete die NHK.

Als Reaktion darauf hatte das Unternehmen überraschend eine Änderung der Kriterien für den erfolgreichen Verlauf erklärt und diesen Schritt vor den überraschten Behördenvertretern verteidigt. Trotzt dieses Umstands sei der Eiswall als effektiv einzustufen.

Trümmerräumung in 11 Fukushima-Sperrgebietsgemeinden abgeschlossen: Das Umweltministerium und die Präfektur gaben die Ergebnisse über Räumarbeiten in 11 Gemeinden bekannt, für die eine Aufhebung der Evakuierungsanordnung geplant ist.

Die Gemeinden gehören zu dem Gebiet, dessen Wiederaufbau nicht von der Präfektur und den Ortsverwaltungen, sondern direkt von der Regierung beaufsichtigt wird.

Nach offiziellen Angaben wurden dort alle Trümmer, wie Betonbrocken, Bauholz, Bäume und Schutt zusammengetragen und sollen nun entweder der Wiederverwendung zugeführt, oder durch Verbrennung dauerhaft entsorgt werden.

Andererseits sind die umstrittenen Abrissarbeiten von Übergangshäusern und Wohncontainern in den Gemeinden  immer noch nicht abgeschlossen, so dass mit 3.000 der insgesamt 8.400 Gebäude nicht einmal die Hälfte beseitigt ist. Einige Gemeinden nehmen sogar noch Abrissanträge an.

Über die Räumarbeiten auf dem Gebiet der Gemeinden berichteten Präfekturmedien.

Nationales Symposium für Endlagerung von Atommüll: Am Samstag endete mit einer Veranstaltung in Osaka die dritte, im vergangenen Jahr begonnene Informationskampagne über die Endlagerung radioaktiv kontaminierter Abfälle.

Die Veranstaltungen fanden in mehreren Städten statt und waren öffentlich zugänglich, so dass sich Bürger sowohl informieren, als auch Fragen stellen und nun auch ihre Meinung äußern konnten.

Seit dem Kumamoto-Erdbeben ist die wiederkehrende Frage, ob eine sichere Lagerung untertage möglich ist, von besonderer Bedeutung und wird auf praktisch jeder Veranstaltung erneut gestellt.

Eine erste Fehleinschätzung zwischen Vor- und Hauptbeben in Kumamoto hatte das Vertrauen in die Wissenschaft beschädigt, so dass die jüngste Kampagne vor allem der Zerstreuung tiefsitzenden Misstrauens gedient haben dürfte. Über das Informationprojekt berichteten Präfekturmedien.

Regierung hielt Bericht über Tschernobyl-Strahlungsfolgen zurück: Offenbar aus Besorgnis vor negativen Gerüchten hielt die japanische Regierung  einen Untersuchungsbericht zu den gesundheitlichen Folgen der Tschernobyl-Katastrophe von 1986 zurück.

Bei der Untersuchung ging es im Wesentlichen um die Neubewertung ukrainischer Berichte aus den Jahren 2009 und 2011, die in Japan für Aufsehen gesorgt hatten

Die darin enthaltenen Behauptungen, die Folgen von Tschernobyl seien schwerwiegender als von der dortigen Regierung eingeräumt, stießen in Japan auf großes Interesse.

Die japanische Neubewertung war im November 2012 unter dem damaligen Premier Naoto Kan begonnen und im März 2013 nach dem Wahlsieg des jetzigen Premierminister Shinzo Abe abgeschlossen worden. Die Kosten hierfür: 50 Millionen Yen.

Finanziert wurde das Projekt durch des Wissenschaftsministerium und an ein Beratungsunternehmen vergeben, das Zuschüsse von Energiekonzernen erhält. Ein Komitee unter der Führung des früheren Leiters der Forschungsvereinigung für Strahlungsfolgen schätzte dann die Ergebnisse ein.

Der japanische Bericht relativiert die Aussagen der ukrainischen Einschätzungen. Für die postulierten Zusammenhänge zwischen Strahlungsbelastung und Gesundheitsfolgen gäbe es keine wissenschaftliche Grundlage.

Trotz dieses Ergebnisses verschwand der Bericht im Zuge der politischen Umstrukturierung – die Aufsichtsbehörde NISA, deren Glaubwürdigkeit gelitten hatte, wurde durch die NRA ersetzt – durch das Umweltministerium zunächst in der National Diet Library.

Unter Berufung auf Regierungsquellen berichtet die Mainichi Shimbun, nach dem politischen Machtwechsel sei das Interesse an der Veröffentlichung gering und man habe unnötige Ängste und Gerüchte verhindern wollen.

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