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Fukushima aktuell: Neue Lecks an Tankbarrieren

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Artikelbild - Fukushima-Lagertank: Maßnahmen gegen Leck am 21. Dezember 2013 (Foto: TEPCO)
Fukushima-Lagertank: Maßnahmen gegen Leck am 21. Dezember 2013 (Foto: TEPCO)

Über das gesamte Wochenende gab es Sondermeldungen über die Entwicklungen am AKW Fukushima Daiichi – verbunden mit einigen Aktualisierungen. Heute nahmen sich dann auch japanische Medien vermehrt der jüngsten Geschehnisse an. Somit auch heute weitere Informationen zu neuen Lecks. Alle Fukushima News jetzt im Spreadnews Japan-Ticker vom 23. Dezember 2013. Unsere Themen zu Wochenbeginn:

  • Details zu drei neuen Lecks an Betonbarrieren
  • Pläne für die Zukunft der Präfektur Fukushima
  • Atomkraftgegner protestieren vor Parlamentsgebäude

Details zu drei neuen Lecks an Betonbarrieren: Am Sonntagabend teilte Kraftwerksbetreiber TEPCO den bislang neusten Stand der Untersuchungen mit. Demnach seien es 1,8 Tonnen an radioaktivem Wasser gewesen, die durch drei neue Lecks an den Betonbarrieren von zwei Tankbereichen ausgetreten waren. Die aktuellen Leckfunde ereigneten sich in einem engen zeitlichen Rahmen.

  • Um 16:13 Uhr: Entdeckung des Lecks am unteren Teil der Barriere des Bereichs H5 (Nordosten)
  • Um 16:33 Uhr: Entdeckung des Lecks am unteren Teil der Barriere des Bereichs G6 (Norden)
  • Um 16:40 Uhr: Entdeckung des Lecks im Bereich G6 (Nordwesten)

Bei den anschließenden Arbeiten zum Transfer des verbliebenen Wassers traten nach Betreiberangaben keine Störungen auf.

In den neusten Fällen vom Sonntag handelt es sich nach Angaben des Betreibers um Regenwasser, dass sich hinter den Barrieren angesammelt hatte.

Barriere an Fukushima-Lagertank: Wasseraustritt am 21. Dezember 2013 (Foto: TEPCO)
Barriere an Fukushima-Lagertank: Wasseraustritt am 21. Dezember 2013 (Foto: TEPCO)

Bei allen drei Lecks gelangte das radioaktiv kontaminierte Wasser nicht über die Barriere hinaus, sondern trat durch einen Spalt zwischen Boden und Betonbarriere bzw. durch einen Riss in der Abgrenzung aus.

Heute veröffentlichte TEPCO dann die Ergebnisse von gestern entnommenen Wasserproben. In allen Fällen lag Cäsium unterhalb des jeweiligen Nachweiswerts, so dass neben der Gesamtstrahlung nur Strontium-90 gesondert erwähnt wird.

  • Lagertankbereich H5 (Nordosten): Beta-Gesamtstrahlung innerhalb der Barriere am Leckort: 1.000 Becquerel pro Liter (Strontium: 190 Becquerel pro Liter)
  • Lagertankbereich G6 (Norden): Beta-Gesammtstrahlung innerhalb der Barriere am Leckort: 25 Becquerel pro Liter (Strontium: 2,7 Becquerel pro Liter)
  • Lagertankbereich G6 (Nordwesten): Beta-Gesamtstrahlung innerhalb der Barriere am Leckort: 27 Becquerel pro Liter (Strontium: 3,5 Becquerel pro Liter)
  • Lagertankbereich G6 Norden, Messung im Wasser): Beta-Gesamtstrahlung aller vier Ecken des Lagertankbereichs: 32 Becquerel pro Liter (Strontium: 3,7 Becquerel pro Liter)

Die genauen Umstände, insbesondere zur Rissbildung würden untersucht. TEPCO hält an seiner bisherigen Erklärung fest, aufgrund des Umstands, dass sich keine Kanäle oder Gräben in der Nähe befinden, sei das Wasser nicht ins Meer gelangt.

Dennoch dürfte die Rissbildung ein neues Problem für TEPCO werden. Im Verlauf der Krise am Kraftwerk war es bereits mehrfach zu Kritik an einigen Baumaßnahmen gekommen. In einem aktuellen Interview mit der Mainichi Shimbun schilderte etwa der frühere Kraftwerksarbeiter Yoshitatsu Uechi, dass die Tanks in großer Eile gebaut wurden.

Das Rostschutzmittel für die Verbindungsteile der Bolzentanks sei oft bei schlechtem Wetter aufgetragen worden, ohne zuvor bereits vorhandenen Rost oder Ölspuren zu entfernen. Das Rosten der Verbindungsstücke führte dann dazu, dass sich die abdichtende Beschichtung im Inneren der Tanks lösten und Lecks auftraten.

Zudem sei das Betonfundament von Arbeiten mit kleinen Maurerkellen aufgetragen worden, statt mit dem notwendigen Gerät, so dass beim anschließenden Aufbau der Metalltanks oft ein fingerbreiter Freiraum zwischen Betonfundament und Behälter auftrat.

Pläne für die Zukunft der Präfektur Fukushima: Um den früheren Einwohnern evakuierter Ortschaften die künftige Rückkehr an ihre alten Wohnorte zu ermöglichen, will TEPCO weitgehende Maßnahmen ergreifen, die über die Leistung von Entschädigungszahlungen hinausgehen sollen. So soll etwa die Zahl der Arbeitskräfte auf insgesamt 2.000 Personen erhöht werden.

Japan-Karte: Radioaktivität in Japan (Foto:pd)
Zukunft der Präfektur Fukushima in Planung (Foto:pd)

Daneben soll die Zweigstelle in der Präfektur Fukushima innerhalb der nächsten fünf Jahre an einen neuen Standort verlegt und damit das einstige Sportgelände J-Village geräumt werden. Während der neue Sitz in eine Ortschaft verlegt werden soll, die derzeit noch als Evakuierungszone gilt, geht die Sportanlage wieder an den japanischen Fußballverband.

Diese Maßnahmen sind Teil eines Zehnjahresplan, den TEPCO am Freitag vorlegen will. Ein wichtiger Punkt ist auch die Wiederbelebung der örtlichen Wirtschaft. Daher will der Konzern, neben den Wohngebäuden auch Geschäfte dekontaminieren. Derartige Ankündigungen hatte das Unternehmen bereits zuvor gemacht.

Weniger positiv klingt dagegen die Einschätzung der japanischen Regierung im Bezug auf die Dauer der Dekontaminationsarbeiten. Diese müssen um weitere drei Jahre verlängert werden. Zunächst war der Abschluss für den 31. März 2013 vorgesehen.

Der vom Umweltministerium in Kürze zu veröffentlichende Plan nennt 2017 als neues Datum. Gegenwärtig wurde nur die Stadt Tamura fristgerecht dekontaminiert. Von den zehn verbleibenden Gemeinden sollen drei weitere Gebiete noch innerhalb des jetzigen Fiskaljahrs fertig werden.

Für die Ortschaft Futaba bleibt die Zukunft aufgrund der hohen Strahlung selbst nach der Verlängerung um drei Jahre noch ungewiss. Die nächsten Schritte – Kauf von 19 Quadratkilometern Land für ein Zwischenlager sind angekündigt und die Nutzung der Anlage für 2015 geplant.

Über die Entwicklungen berichteten Kyodo und NHK.

Atomkraftgegner protestieren vor Parlamentsgebäude: Am gestrigen Sonntag demonstrierten Atomkraftgegner in Japans Hauptstadt Tokyo gegen den Entwurf des Energieplans der Regierung, in dem die Atomenergie als fundamentale Energiequelle bezeichnet wird.

Tokyo: Anti-Atomproteste um das Parlamentsgebäude am 29. Juli 2012 (Foto: Hajime Nakano cc-by)
Bislang bekanntester Protest in Tokyo: Menschen um das Parlamentsgebäude am 29. Juli 2012 (Foto: Hajime Nakano cc-by)

Nach Angaben des Veranstalters beteiligten sich 15.000 Personen an den Protesten vor dem Parlamentsgebäude, die Polizei geht von etwa 2.000 Teilnehmern aus. Der Aktion vor dem Regierungssitz war ein Protestmarsch durch Tokyo vorausgegangen.

In Parolen forderten sie die Ablehnung von Neustarts und drückten ihr Missfallen über den politischen Kurs aus. Auch auf die Problematik der Meereskontamination bezogen sich die Demonstranten auf ihren Plakaten.

Die Proteste waren von Mitgliedern jener Gruppierung organisiert worden, die Freitagsproteste vor dem Sitz des Premierministers durchführt. Am gestrigen Tag gab es weitere zwei Proteste in anderen Teilen der Stadt. Über die Proteste berichteten Asahi Shimbun und NHK.

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