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Fukushima aktuell: Neue Sicherheitsrichtlinien für Atomanlagen in Kraft

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Artikelbild: J-PARC Fortschungseinrichtung in Tokai (Foto: pd)
Neue Richtlinien für Forschungseinrichtungen in Kraft getreten (Foto; pd)

Der Betreiber des AKW Fukushima kann ab morgen mit noch höherer finanzieller Unterstützung rechnen. Allerdings gab es vom AKW Fukushima heute bereits Meldungen die zeigen, dass sich mit Geld nicht alle Probleme lösen lassen. Sowohl ein Messfehler als auch eine Wasserlache beschäftigten den Betreiber.

Weitere Informationen, etwa über die Stilllegung von zwei Reaktoren und einen Sicherheitsbericht jetzt im Spreadnews Japan-Ticker vom 18. Dezember 2013.

Unsere heutigen Themen:

  • Neue Sicherheitsrichtlinien für Atomanlagen in Kraft getreten
  • Grundwasser-Strahlungsrekord war offenbar Messfehler
  • Wasserlache im Turbinengebäude von Reaktor 2
  • Stilllegung der Fukushima-Reaktoren 5 und 6 beschlossen
  • Siebter Sicherheitsbericht für Reaktor 4

Neue Sicherheitsrichtlinien für Atomanlagen in Kraft getreten: Am heutigen Mittwoch ist eine Reihe neuer Sicherheitsrichtlinien für Atomanlagen in Kraft getreten, von der landesweit 248 Einrichtungen betroffen sind. Die von der Atomaufsicht NRA ausgearbeiteten Regelungen beziehen sich auf Einrichtungen wie Wiederaufarbeitungsanlagen.

Durch die neuen Richtlinien sollen schwere Unfälle, wie die Freisetzung von radioaktivem Material, ungeplante Kettenreaktionen, oder Wasserstoffexplosionen verhindert und ein besserer Schutz vor Naturkatastrophen geschaffen werden.

Betreiber, deren Anlagen nicht diesen Standards entsprechen, oder nicht auf den neusten Stand der Technik bringen, erhalten für diese Einrichtungen keine Betriebserlaubnis. Über die Einzelheiten der Sicherheitskontrollen, die einem Antrag zur Betriebserlaubnis vorausgehen müssen, machte die Atomaufsicht NRA zunächst keine Angaben.

Gelände der JAEA in Tokai (Foto: Hiroshi Ishii, cc-by)
Zugang zum Gelände der JAEA in Tokai (Foto: Hiroshi Ishii, cc-by)

Für Kernkraftwerke gelten andere Richtlinien, die jedoch ebenfalls dem Ziel dienen, die Reaktoranlagen sicherer zu machen. Unter anderem wird künftig der Einbau von speziellen Filtern in die Entlüftunssysteme vorgeschrieben, so dass im Notfall bei einem Druckausgleich weniger radioaktives Material in die Umwelt gelangt.

Über die neuen Sicherheitsstandards berichteten unter anderem Kyodo und NHK.

Grundwasser-Strahlungsrekord war offenbar Messfehler: Am gestrigen Dienstag hatte Kraftwerksbetreiber TEPCO darüber informiert, an einem Grundwassermessposten auf der Küstenseite hätten Tests eine Belastung von 63.000 Becquerel pro Liter ergeben – ein Rekord für diesen Messposten (Spreadnews berichtete). Diese Proben waren am Montag entnommen worden.

Jetzt teilte TEPCO jedoch mit, die Konzentration an Betastrahlern in Wasserproben vom gestrigen Dienstag hätten unterhalb des Nachweiswerts gelegen. Dies stimmt auch mit den Werten an anderen Messposten in der Umgebung überein. Daher gehe das Unternehmen davon aus, dass bei den Proben vom Montag ein Messfehler vorgelegen habe. Das berichtete die jiji.

Wasserlache im Turbinengebäude von Reaktor 2: Angestellte des Kraftwerksbetreibers TEPCO, entdeckten heute gegen 11:00 Uhr, das sich an einer Einlassöffnung im Erdgeschoss des Turbinengebäudes von Reaktor 2  eine  4 x 1,5 Meter messende Wasserlache auf dem Betonboden befand.

Aufgrund des Umstands, das sich im Bereich der Leitung zwischen den Reaktoren 1 und 2 ein Grundwasserkontrollpunkt befindet, wurde die Leitung um 11:40 Uhr abgestelllt. Die Pumparbeiten am Messpunkt wurden zehn Minuten später ebenfalls gestoppt.

Um das mögliche Leck ausfindig machen zu können, wurde das Isoliermaterial an der Leitung entfernt, jedoch keine Hinweise auf einen Wasseraustritt festgestellt. Da es weder an der Leitung, noch am Messposten irgendwelche Auffälligkeiten gab, wurden bis 13:15 Uhr alle Arbeiten von Leitungen und Grundwasserpumpe wieder aufgenommen.

Als erste Sicherheitsmaßnahme wurden Sandsäcke aufgestapelt, jedoch reicht der Bereich der Wasserlache nicht bis zu dieser Barriere. Auch eine Ausbreitung konnte nicht festgestellt werden, so dass es zu keinem Austritt in die Umwelt kam.

Die ermittelten Zahlen entsprechen dem Wert das Bodens, daher geht der Betreiber von angesammeltem Regenwasser aus. Nun wird die Wasserlache entfernt und das Isoliermaterial wieder an der Leitung angebracht. Weitere Angaben machte TEPCO nicht.

Stilllegung der Fukushima-Reaktoren 5 und 6 beschlossen: Auf einer Aufsichtsratssitzung am heutigen Mittwoch, beschloss die Führung des Unternehmens dem Wunsch von Premierminister Shinzo Abe vom September zu entsprechen und beschloss die Stilllegung der Reaktoren 5 und 6 am AKW Fukushima Daiichi.

Der Fukushima-Reaktor 5 am 15. September 2011 (Foto: TEPCO)
Der Fukushima-Reaktor 5 am 15. September 2011 (Foto: TEPCO)

Die beiden Reaktorgebäude sollen jedoch nicht gänzlich unbrauchbar gemacht werden, sondern künftig als Forschungseinrichtung dienen, in der Maßnahmen zur Stilllegung der übrigen vier Reaktoren erarbeitet werden können. Es handelt sich um die beiden einzigen Reaktoren der Anlage, in denen sich keine Kernschmelze ereignet hatte.

Um die Gebäude für diesen Zweck sicherer zu machen, sollen die insgesamt mehr als 3.000 Brennelemente aus den Reaktoren bis September 2014 in Lagerbecken innerhalb der Gebäude transferiert werden. Über ihren endgültigen Verbleib ist bislang nicht entschieden.

Auch wenn Forderungen der Präfektureinwohner bestehen, auch das Kernkraftwerk Fukushima Daini (Fukushima 2), das sich etwa 12 Kilometer südlich des Katastrophenkraftwerks befindet, gänzlich still zu legen, so hat das Unternehmen bislang noch keine Angaben zur Zukunft des vier Reaktoren umfassenden Komplexes gemacht.

Damit sinkt die landesweite Zahl der Reaktoren, die theoretisch einen Neustart erhalten könnten, auf 48 Reaktoren. Die Regierung Abe hatte die Atomenergie als wichtiges Standbein für Energieversorgung bezeichnet und bereits die Absicht von Reaktorneustarts erklärt. Über die Entscheidung berichteten Kyodo und NHK.

Siebter Sicherheitsbericht für Reaktor 4: TEPCO veröffentlichte am Mittwoch den bislang siebten Bericht zur Gebäudesicherheit von Reaktor 4. In der Vergangenheit hatten Medienberichte über eine Neigung der Struktur zu Besorgnis über die Sicherheit geführt.

Fukushima-Reaktor 4: Ostwand am Abklingbecken im Dezember 2013 (Foto: TEPCO)
Fukushima-Reaktor 4: Blick auf Ostwand am Abklingbecken bei Kontrollen im Dezember 2013 (Foto: TEPCO)

Die bisherigen TEPCO-Berichte hatten von einer einmaligen Neigung abgesehen, keine Auffälligkeiten ergeben.

Auch bei der jüngsten Prüfung wurde bei der visuellen Inspektion keine Auffälligkeiten beim Wasserstand festgestellt, die auf eine mögliche Schräglage hingewiesen hätten.

Bei der Kontrolle der Oberfläche der Außenwände wurde lediglich die Südseite ausgenommen, da sich dort die nachträglich Abdeckung des Gebäudes befindet und zwei Punkte im dritten Stock auf der Westseite, da dort der Regenwasserschutz angebracht ist.

Die strukturelle Prüfung konnte keine Risse im Beton nachweisen, die reparaturbedürftig gewesen wären. Die Stabilität der Stahlstrukturen sei nicht durch Korrosion beeinträchtigt.

Fukushima-Reaktor 4: Besichtigung durch externe Experten am 13. Dezember 2013 (Foto: TEPCO)
Fukushima-Reaktor 4: Besichtigung durch externe Experten am 13. Dezember 2013 (Foto: TEPCO)

Das Unternehmen kommt zu dem Schluss, dass seit der letzten Kontrolle des Reaktorgebäudes keine Verschlechterung des Gebäudezustands und der damit verbundenen Sicherheit eingetreten ist.

TEPCO betont in seinem Bericht, dass mit Prof. Kazuo Tamura vom  Chiba Institute of Technology und Prof. em. Takiguchi Katsumi vom Tokyo Institute of Technology auch externe Experten die Kontrollen überwachten. Die Untersuchungen fanden vom 26. November bis 18. Dezenber 2013 statt

An Reaktor 4 läuft seit November die Bergung von Brennelementen aus dem Abklingbecken des Reaktors in ein nahe gelegenes Gemeinschaftsbecken.

Einem Bericht des Unternehmens vom 11. Dezember zufolge, soll der Arbeitsbereich stärker gegen Reaktor 3 abgeschirmt werden, da die von dort stammende Strahlung die Angestellten bei der Bergung zusätzlich belaste.

 

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