Fukushima aktuell: Neue Wege bei der Lebensmittelsicherheit

Fukushima aktuell: Neue Wege bei der Lebensmittelsicherheit

Zertifizierung statt Einzelkontrollen wird angestrebt

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Artikelbild - Essen in Tokyo (Foto: Copyright by KJ)
Alternatives Konzept für Lebensmittelsicherheit vorgestellt (Symbolfoto: Copyright by KJ)

Die Maßnahmen zur Lebensmittelsicherheit haben in Fukushima heute eine andere Bedeutung als während der Akutphase der AKW-Krise – und diesem Umstand will die Präfektur in Japan aktuell nun Rechnung tragen.

Weitere Fukushima News betreffen die Arbeiten am gleichnamigen AKW und seltsame Umstände um Unterkünfte für Dekontaminationsarbeiter. Die Details gibt es nun im Spreadnews Japan-Ticker vom 13. Juli 2017.

Unsere heutigen Themen im Überblick:

  • Neues Zertifizierungssystem für Lebensmittelkontrollen vorgestellt
  • Luftbelastungs-Messposten stoppte Schutzmantelarbeiten am AKW
  • Fragen um Immobiliennutzung bei Dekontaminationsarbeitern
Neues Zertifizierungssystem für Lebensmittelkontrollen vorgestellt

In dieser Woche gab die Präfektur Fukushima die Gründung eines bislang einmaligen Zertifizierungssystems für landwirtschaftliche Produkte bekannt, dass logistisch effektiver als die zuvor genutzten Methoden sein soll.

Das System beruht auf dem GAP genannten Modell der „guten landwirtschaftlichen Praxis“, die Fragen wie Umweltschutz, Tierschutz, Nachhaltigkeit und Lebensmittelsicherheit umfasst und entsprechend zertifiziert wird.

Aufgrund des Bezugs auf die Präfektur Fukushima wird das neue Vorgehen unter dem Kürzel „FGAP“ betrieben. Das neue Zertifizierungssystem soll den Aufwand durch die bisherigen Lebensmittelkontrollen verringern.

Vom FGAP sind insgesamt sechs Produktgruppen betroffen – Reis, Gemüse, Obstbäume, Buchweizen, Weizen und Pilze. Neben der Einhaltung des Lebensmittelgrenzwerts für Radioaktivität sollen auch die oben genannten Punkte berücksichtigt werden.

Im Vergleich zu den sonstigen weltweit genutzten GAP-Modellen und sogar dem japanischen J-GAP, legt die präfektureigene F-GAP besonderes Gewicht auf die Strahlungskontrollen.

Damit ein landwirtschaftlicher Betrieb als FGAP-zertifiziert gilt, müssen mehrere Kriterien erfüllt sein – beispielsweise die Führung des Betriebs nach den vorgegebenen Prinzipien für mehr als zwei Monate und die Durchführung mehrerer Kontrollen.

Die Gültigkeit eines solchen Zertifikats beträgt zwei Jahre. In den kommenden Monaten soll das Konzept den Produktionsbetrieben und Bürgern vorgestellt und schlussendlich eingeführt werden. Die Landwirte erhalten dabei Beratungen und Hilfestellung.

Hintergrund

Die Präfektur Fukushima hofft, durch FGAP langfristig die Einzelkontrollen von Lebensmitteln zurückfahren zu können, da die Zertifizierung für ausreichende Sicherheit bürgen soll. Dieses Konzept war bereits Ende letzten Monats im Gespräch.

Mit der zunehmenden Normalisierung der landwirtschaftlichen Produktion in der Präfektur wird die bislang durchgeführte Einzelkontrolle jedes einzelnen Reissacks langfristig nicht mehr durchführbar.

Um den Ängsten vor möglicher Strahlungsbelastung von Lebensmitteln zu begegnen, soll FGAP dem Verbraucher bescheinigen, dass die Produkte gleich in mehrfacher Hinsicht hohen Standards entsprechen

Luftbelastungs-Messposten stoppte Schutzmantelarbeiten am AKW

Am gestrigen Mittwoch kam es gegen 8:48 Uhr auf dem Gelände des AKW Fukushima Daiichi zum Alarm am Staubmessposten Nr. 7 zu einem Alarm, der auf einen Anstieg radioaktiven Materials in der Umgebungsluft hinwies.

Eine Kontroller anderer Messposten ergab jedoch keine Auffälligkeiten und auch eine manuelle Nachprüfung wies keine Abweichungen nach.

Dennoch wurden als Reaktion auf den Alarm die Arbeiten zur Demontage des Schutzmantels und die Trümmerräumung um Reaktor 1 unterbrochen, um auszuschließen, dass dabei radioaktives Material aufgewirbelt wurde.

Eine Analyse des Filterpapiers aus dem Messposten wies lediglich natürliche Radionuklide (Bismuth: Bi-214) nach. Da der Wind aus Richtung Süd-Süd-Ost kam, und damit von außerhalb des Kraftwerks, geht man von einem Fehlalarm aufgrund der natürlichen Nuklide aus.

Nach einem Wechsel des Filterpapiers wurde der Alarm daher aufgehoben und der Normalbetrieb um 10:47 Uhr wieder aufgenommen.

Fragen um Immobiliennutzung bei Dekontaminationsarbeitern

Wie am gestrigen Mittwoch bekannt wurde, gibt es mindestens drei Fälle, in denen Gebäude  zur Unterbringung von Arbeitskräften, die in Dekontamination und Wiederaufbau beschäftigt sind, nicht genutzt oder verlassen wurden.

Bei zwei der Fälle in Hirono sind gar keine Beschäftigten in der Einrichtung untergebracht und im dritten Fall befindet sich das Gebäude sogar noch offiziell im Bau. Allerdings waren die Baumaßnahmen gestoppt worden.

Alle Wohneinrichtungen liegen auf Privatgrundstücken, bei denen Pachtverträge zwischen Eigentümern und den Unternehmen bestehen. Bei den Mietzahlungen und dem Kontakt mit beiden Parteien gibt es offenbar Schwierigkeiten

Jetzt will die Ortsverwaltung die genaueren Umstände klären. Das berichten Präfekturmedien.

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