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Fukushima aktuell: Neuer Nachweis von Ursache für Meereskontamination

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Artikelbild: Darstellung des Meeres (Foto: pd)
Präfektur Fukushima: Neue Erkenntnisse zur Meereskontamination (Symbolfoto: pd)

Dass die Umweltverschmutzung durch radioaktive Kontamination nach der Krise von Fukushima aktuell bleibt, zeigen neue wissenschaftliche Erkenntnisse. Sie haben eine bislang unbekannte Quelle für die Meeresbelastung ausgemacht.

Die Details dieser Fukushima News gibt es – ungeachtet des heutigen Feiertags in Deutschland – im Spreadnews Japan-Ticker vom 3. Oktober 2017.

Strände als Quelle für Meereskontamination entdeckt

Nicht zuletzt aufgrund der Küstenlage des AKW Fukushima Daiichi, war nach den Kernschmelzen insbesondere die Kontamination des Meeres durch den radioaktiven Fallout und das Einströmen von kontaminiertem Wasser aus Flüssen ein großes Thema.

Später wurden auch die Sedimente im Hafenbereich des AKW Fukushima in den Medien thematisiert und der Boden des Hafenbeckens zementiert, um das Aufwirbeln von kontaminierten Ablagerungen zu verringern.

Doch welche Verbreitung das Material im tieferen Bereich des Bodens nahm, blieb lange Zeit wissenschaftlich unerforscht, bis ein Expertenteam sich mit dem Thema befasste – und zu überraschenden Ergebnissen kam.

Tatsächlich wurde die größte Konzentration von radioaktivem Cäsium-137 außerhalb des Kernkraftwerks nicht etwa im Hafen, dem Ozean, oder den Flüssen der Präfektur nachgewiesen, sondern in Wasserproben, die mehrere Kilometer weit entfernt unter Stränden entnommen wurden.

Es handelt sich dabei um Brackwasser aus tieferen Schichten der Strände, das dort durch die Vermischung von Meerwasser und Grundwasser entsteht.

Forschungsobjekt waren acht Strände, die zwischen 2013 und 2015 untersucht wurden. Daneben gehörte auch eine eine ausführlichere Untersuchung am Yotsokura Strand, 35 Kilometer südlich der Kraftwerksanlage, zum Projekt.

Alleine an diesem Strand wurden bei den Grabungen an drei Stellen hohe Cäsiumwerte nachgewiesen, die über dem japanischen Grenzwert für Trinkwasser von 10.000 Becquerel pro Kubikmeter lagen.

Da das Brackwasser jedoch nicht zur Gewinnung von Trinkwasser dient, besteht trotz dieses Umstands kein gesundheitliches Risiko für die Allgemeinheit.

Insgesamt habe man in den Brackwasserproben der fraglichen Strände eine Konzentration von Cäsium-137 in Höhe bis zu 23.000 Becquerel pro Kubikmeter nachgewiesen.

Als ursprüngliche Quelle für das Cäsium gehen die Wissenschaftler davon aus, dass es als Folge des radioaktiven Niederschlags während der Akutphase der Krise 2011, durch den Gezeitenwechsel angeschwemmt wurde.

Da es sich jetzt im Brackwasser unter den Stränden befindet, sehen die Experten nun den umgekehrten Effekt: Da die Belastung des Meeres über die Jahre langsam nachlies, wurde das dort abgelagerte Cäsium nun zur Quelle der Kontamination.

Die Experten sprechen von der Entdeckung einer bislang nicht erkannten Quelle der gegenwärtig anhaltenden Kontamination als Folge der Fukushima-Krise.

Nun, da diese Zusammenhänge auch durch Versuche belegt wurden, müssten sie auch  bei der Einschätzung der Umweltbelastung im Fall künftiger Kraftwerkskatastrophen berücksichtigt werden.

Zudem könnten diese Erkenntnisse auch dazu dienen, an Stränden in der Nähe anderer Kernkraftwerke, Maßnahmen für den Fall einer Freisetzung von radioaktivem Material zu treffen.

Über die Funde berichteten die Wissenschaftler in einem Artikel der US-amerikanischen „National Academy of Science“ (PNAS) mit dem Titel „Unexpected source of Fukushima-derived radiocesium to the coastal ocean of Japan„.

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