Fukushima aktuell: Neuer Riss an Reaktor-Abluftkamin

Fukushima aktuell: Neuer Riss an Reaktor-Abluftkamin

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Artikelbild - AKW Fukushima: Schäden am Abluftkamin der Reaktoren 1 und 2 am 23. August 2013 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Alte Aufnahmen von Schäden am Abluftkamin der Reaktoren 1 und 2 am 23. August 2013 (Foto: TEPCO)

Der Nachweis eines bislang unentdeckten Risses und der Alarm eines Staubmesspostens sorgen in Fukushima heute sicher für Aufregung und so sind diese Neuigkeiten auch ein wesentlicher Teil der aus Japan aktuell gemeldeten Fukushima News.

Weitere Meldungen befassen sich unter anderem auch mit der Reaktorsicherheit in Japan. Die Einzelheiten gibt es nun im Spreadnews Japan-Ticker vom 7. April 2017.

Unsere Themen zum Wochenende im Überblick:

  • Weiterer Riss an Reaktor-Abluftkamin entdeckt
  • Alarm an Staubmessposten
  • Probeentnahme aus Sicherheitsbehälter von Reaktor 1
  • Mitglieder der Präfekturverwaltung besuchen AKW Fukushima
  • Gesetzesreform ermöglicht Überraschungskontrollen an AKW
Weiterer Riss an Reaktor-Abluftkamin entdeckt

Nachdem bereits in der Vergangenheit mindestens acht Risse am Abluftkamin der Reaktoren 1 und 2 aufgetreten waren, die jedoch auch im Fall von Erdbeben als unbedenklich eingestuft wurden, gibt es nun die Meldung über einen weiteren Riss.

Wie der Kraftwerksbetreiber TEPCO jetzt mitteilte, wurde an einem Verbindungsstück in 45 Metern Höhe auf der Oststseite der Konstruktion, eine Beschädigung entdeckt.

Bislang war es nicht möglich, mit einer Kamera dorthin zu gelangen, da sich dieser Teil des Kamins hinter dem Turbinengebäude befindet. Doch nachdem Räumarbeiten stark radioaktive Trümmer vom Dach entfernten, konnte nun von dort Bilder gemacht werden.Reakt

Wie lange sich der neu entdeckte Riss bereits dort befindet ist demnach noch unklar – ebenso wie die Zukunftspläne für die Konstruktion

Spätestens seit April 2016 war, aufgrund der Risse, langfristig die Demontage des Kamins geplant worden. Der neue Fund wird den bisherigen, eher lose gehandhabten Zeitplan möglicherweise beeinflussen.

Der Kamin diente während der Akutphase der Fukushima-Krise zum Druckausgleich, indem dort Wasserdampf aus dem Sicherheitsbehälter abgelassen wurde, so dass die Konstruktion extrem stark von der Radioaktivität betroffen ist.

Über den neuen Fund berichteten Präfekturmedien.

Hintergrund

Im Oktober 2013 hatten Aufnahmen des Abluftkamins zunächst fünf größere Schadstellen dokumentiert. Im Rahmen weiterer Arbeiten waren dann im Dezember 2013 auch Dosimetermessungen am Kamin durchgeführt worden.

Ein Zwischenfall beim Drohneneinsatz am Abluftkamin im September 2016 hatte nach Angaben von TEPCO keinen Einfluss auf die Sicherheit der Struktur.

Alarm an Staubmessposten

Am gestrigen Donnerstag wurde gegen 23:59 Uhr der „schwere Alarm“ eines Staubmesspostens, auf dem Gelände des AKW Fukushima ausgelöst, der auf einen deutlichen Anstieg radioaktiver Partikel in der Umgebungsluft hinwies.

Danach sank der angezeigte Wert jedoch wieder in den Normalbereich. Da sich zwei Messposten vor Ort befinden, konnte ein Abgleich erfolgen, bei dem der zweite Posten völlig normale Werte anzeigte.

Eine Gammanukliduntersuchung des Papierfilters an dem Gerät das Alarm geschlagen hatte, wies weder natürliche noch künstliche Radionuklide nach, so dass von einer Fehlfunktion des Geräts ausgegangen wird und der Posten ausgetauscht werden soll.

Über den offensichtlichen Fehlalarm berichtete der Kraftwerksbetreiber TEPCO.

Probenentnahme aus Sicherheitsbehälter von Reaktor 1

Heute veröffentlichte der Betreiber des AKW Fukushima Daiichi einige Aufnahmen, die offenbar eine gestern durchgeführte Entnahme von Sedimentproben aus dem Sicherheitsbehälter von Reaktor 1 dokumentieren.

Sedimentprobe aus Fukushima-Reaktor 1 vom 6. April 2017 (Foto: TEPCO)
Sedimentprobe aus Fukushima-Reaktor 1 vom 6. April 2017 (Foto: TEPCO)

Während das eine Foto offenbar den Vorgang der Entnahme zeigt, ist auf dem anderen die fertig extrahierte Probe zu sehen.

Besondere Merkmale der Umgebung, oder der entnommenen Substanz sind auf den Bildern dabei nicht zu erkennen.

Das ist im Wesentlichen auf die Unschärfe der Aufnahmen zurückzuführen, die keine Rückschlüsse auf irgendwelche Besonderheiten zulassen.

Weitere Ausführungen, oder ergänzende Erläuterungen hierzu, machte das Unternehmen vorerst nicht, sondern beließ es bei der visuellen Dokumentation der durchgeführten Maßnahme.

Mitglieder der Präfekturverwaltung besuchen AKW Fukushima

Wie aus der Präfektur Fukushima heute gemeldet wird, besuchte am gestrigen Donnerstag eine Delegation der Präfekturverwaltung die Kraftwerksanlage, um ihr Verständnis über die gegenwärtige Situation zu vertiefen.

Insgesamt 12 Personen beteiligten sich an der Besichtigung, darunter auch Vertreter aus den Bereichen Gesundheit und Soziales, sowie Landwirtschaft, Forsten und Fischerei. Zu der Tour gehörten der Eiswall, das ALPS-Filtersystem und die Außenansicht der Reaktoren.

Kazuhiko Ono, Direktor der Abteilung für Krisenmanagement, erklärte im Anschluss, die erzielten Fortschritte und weiterhin andauernden Bemühungen um eine sichere Stilllegung seien offensichtlich. Über den Besuch berichteten Präfekturmedien.

„Wie steht es um das AKW Fukushima heute?“ ist sicher eine jener Fragen, die auch in den kommenden Jahren nicht nur Experten weiterhin beschäftigen wird, so dass eine Aktualisierung des Kenntnisstandes gerade bei Verantwortungsträgern von Bedeutung ist.

Gesetzesreform ermöglicht Überraschungskontrollen an AKW

Das japanische Parlament verabschiedete heute eine Reform des bisherigen Gesetzes zu Reaktorbestimmungen. Dies autorisiert die Aufsichtsbehörden zu unangekündigten Stichprobenkontrollen von Kernkraftwerken und unbegrenzten Zugriff auf erforderliche Daten.

Unterhaus des Parlaments mit Atomsymbol (Originalfoto: Kimtaro, cc-by)
Neue gesetzliche Bestimmungen für AKW-Kontrollen verabschiedet (Originalfoto: Kimtaro cc-by)

Den neuen Gesetzesformulierungen zufolge, sind die Betreiberfirmen für die Einhaltung der jeweils aktuellen Standards und die dafür notwendigen Kontrollen voll verantwortlich. Inspekteure der Regierung können dann nach beliebigen kontrollieren und Daten prüfen.

Die Ergebnisse und die Bewertungen der Sicherheitsmaßnahmen an den Reaktoren will die Regierung öffentlich machen, um die Bemühungen um die Sicherheit durch die Unternehmen zu zeigen.

Vorlage für die Neuregelung sind vergleichbare Bestimmungen in den USA, nachdem das bisherige Vorgehen als zu unflexibel bewertet wurde. Nach der Einführung genauer Regeln zum Vorgehen durch die NRA soll die Regelung im Fiskaljahr 2020 umgesetzt werden.

Über die Neuregelung der Kontrollbefugnisse und die künftigen Änderungen des Inspektionssystems für die Kernkraftwerke des Landes, berichtete die Kyodo.

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