Start Aktuelles Fukushima aktuell: Neues System zur Fallout-Berechnung entwickelt

Fukushima aktuell: Neues System zur Fallout-Berechnung entwickelt

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Artikelbild: Darstellung des Meeres (Foto: pd)
Präfektur Fukushima: Neue Erkenntnisse zur Meereskontamination (Symbolfoto: pd)

Nachdem ein bewährtes Frühwarnsystem zu Lande eingestellt wurde, gibt es aus Fukushima heute Berichte über eine Neuauflage des Konzepts, die jedoch an anderem Ort zum Einsatz kommen soll.

Weitere Fukushima News befassen sich mit der Entschädigungspolitik von TEPCO und der Diskriminierung von Fukushima-Arbeitern. Die Details gibt es nun im Spreadnews Japan-Ticker vom 13. März 2017.

Unsere heutigen Themen zum Wochenbeginn:

  • Maritimer Nachfolger des SPEEDI-Systems vorgestellt
  • Diskriminierung von AKW-Arbeitern in Fukushima hat Folgen
  • Nur ein Bruchteil der Entschädigungen bislang gezahlt
Maritimer Nachfolger des SPEEDI-Systems vorgestellt

Die japanische Atomenergiebehörde (JAEA) stellte am Wochenende ein neu entwickeltes System vor, dass im Falle einer Freisetzung von radioaktivem Material die Verbreitung im Meer vorausberechnet und eine Prognose abgeben kann.

Damit handelt es sich praktisch um die maritime Version des alten SPEEDI-Systems, dass die Verbreitung durch die Luft berechnete.

Der Betrieb von SPEEDI war eingestellt worden, obwohl sich das System bei der Fukushima-Katastrophe als hilfreich erwiesen hätte – wenn es genutzt worden wäre.

Als Begründung gab man damals an, durch die Ungenauigkeit des System riskiere man eine zusätzliche Strahlungsbelastung bei der Evakuierung. Über den maritimen Nachfolger von SPEEDI berichten nun Präfekturmedien.

Hintergrund

Tatsächlich waren Flüchtlinge durch den Fallout geschickt worden, weil man die SPEEDI-Daten nicht nutzte und als „zu hypothetisch“ abtat, wobei die Regierung die Richtigkeit der Berechnungen verschwieg und obwohl das System die Evakuierung verbessert hätte.

Erst im März 2016 war die Möglichkeit der Verwendung von SPEEDI durch lokale Behörden beschlossen worden, da dies zur Schaffung von Evakuierungsrouten bei AKW-Katastrophen hilfreich sein könnte.

Diskriminierung von AKW-Arbeitern in Fukushima hat Folgen

Auch sechs Jahre nach den Tohoku-Katastrophen werden die Beschäftigten der Kernkraftwerke Fukushima Daiichi und Fukushima Daini immer noch zum Opfer von Verleumdung und Diskriminierung.

Das Ergab eine Untersuchung der medizinischen Hochschule an der Universität Tokyo durch Befragung von 1.417 Personen, die zum Zeitpunkt der AKW-Krise für die Betreiberfirma TEPCO an den dortigen Kraftwerken tätig waren.

Demnach berichteten 181 Personen (12,8 Prozent) von Fällen in denen sie aufgrund ihrer Beschäftigung diskriminiert, oder zum Opfer von Rufmord wurden. Dieser Umstand wirkt sich, neben dem damaligen Stress, auch auf die Gesundheit der Befragten aus.

So war die Rate an AKW-Arbeitern mit posttraumatischen Belastungsstörungen (PTSD/PTBS) unmittelbar nach der Krise 5,7 Mal höher, als bei anderen TEPCO-Angestellten und selbst drei Jahre später lag die Zahl das 3,7-fache über dem Durchschnitt.

Zu den Symptomen gehören Flashbacks und Schlafstörungen. Professor Taniguchi von der medizinischen Hochschule erklärte, die Regierung sollte sich für den Schutz der körperlichen und geistigen Gesundheit der Arbeiter einsetzen.

Die Allgemeinheit solle zudem ihre Wut gegen TEPCO nicht an den Arbeitern auslassen, da diese nun mit der Stilllegung des AKW Fukushima Daiichi beauftragt sind und somit zum Wiederaufbau der Region beitragen. Das berichtete die jiji.

Nur ein Bruchteil der Entschädigungen an Gemeinden bislang gezahlt

Wie eine aktuelle Abrechnung ergab, hat der Betreiber des AKW Fukushima Daiichi bislang nur sechs Prozent der Entschädigungszahlungen geleistet, die 12 Gemeinden aufgrund der Kraftwerkskatastrophe zustehen.

Mit Stand von Ende 2016 hat das Unternehmen bislang lediglich 2,6 der insgesamt 43,3 Milliarden Yen an die Gemeinden ausbezahlt. Die Verwaltungen fürchten nun, der Wiederaufbau könnte hierdurch massiv behindert werden.

Dabei erfolgt die Zahlung auch ungleichmäßig, da etwa die Stadt Tomioka zumindest 53 Prozent der eingeforderten Summe erhielt, während die immer noch evakuierte Geisterstadt Futaba, auf deren Gebiet sich das AKW befindet, bislang überhaupt keine Zahlung erfolgte

Als Rechtfertigung nennt TEPCO den Umstand, dass man die Entschädigung von Einzelpersonen und Unternehmen priorisiert habe und in diesen Fällen auch bereits 93 Prozent der Forderungen nachgekommen sei.

Gemeinden mit dringendem finanziellen Bedarf, wie etwa Namie, dessen Evakuierungsanordnung am Ende des Monats aufgehoben werden soll, fürchten unterdessen um die Finanzierung des Wiederaufbaus, falls die Zahlungen nicht schneller erfolgen.

Über diese Umstände berichtete die Kyodo.

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