Start Aktuelles Fukushima aktuell: Neustart aller ALPS-Einheiten trotz Problemen geplant

Fukushima aktuell: Neustart aller ALPS-Einheiten trotz Problemen geplant

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Artikelbild - Bedienung des ALPS-Filtersystems am 27. März 2013 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Filtersysteme schaffen anfallende Abwässer nicht fristgerecht (Symbolfoto: TEPCO)

Das Eingeständnis von Problemen bei der Bewältigung von Grundwasser führte zu einer Reihe von irrtümlichen Meldungen in internationalen Medien, so dass sich der Betreiber des AKW Fukushima heute dazu veranlasst sah, aufgrund der fehlerhaften Berichte eine Klarstellung zu veröffentlichen. Spreadnews-Leser wurden dagegen korrekt informiert.

Weitere Meldungen, etwa zum Zustand des ALPS-Filters, nun im Spreadnews Japan-Ticker vom 18. Juni 2014.

Unsere heutigen Themen:

  • Neustart von ALPS-Einheit C verzögert sich
  • Medienverwirrung um Bodenaushärtung
  • Sicherheitsprüfung für zwei AKW angelaufen
  • Kliniken in AKW-Nähe ohne Evakuierungspläne
  • Keine Strahlungsbelastung durch Fukushima-Reis

Neustart von gesamter ALPS-Anlage soll trotz Problemen erfolgen: Nach dem Austausch des bislang genutzten Filters durch einen verbesserten Querstromfilter, hätte die Einheit C des Multinuklid-Filtersystems eigentlich am morgigen Donnerstag neu gestartet werden sollen.

Bei einer Kontrolle wurde jedoch an zwei Stellen eine Kontaktkorrosion am Adsorptionstum 2C festgestellt, so dass nun ein Teil des Korrosionsschutzes durch Aktivkohlefilter sicherheitshalber ausgetauscht wird. Hierdurch verzögert sich der Neustart vom 19. auf den 22. Juni.

Als Schutzmaßnahme sollen die gleichen Teile der Filter an den ALPS-Einheiten A und B ebenfalls ersetzt werden, meldet der Kraftwerksbetreiber TEPCO. Nach Angaben der Kyodo soll dennoch die gesamte ALPS-Anlage und damit alle drei Einheit A, B und C, am Sonntag wieder in Betrieb gehen.

Medienverwirrung um Bodenaushärtung: Gestern berichteten wir an dieser Stelle über Effizienzprobleme bei der chemischen Bodenaushärtung an Fukushima-Reaktor 2. Der Begriff wurde in unserer Berichterstattung bewusst gewählt, das es sich um die direkte Einleitung von Chemikalien durch  Rohre in den Boden handelt. Zudem berichteten wir bereits im Juli 2013 über die ersten Versuche dieser Maßnahme.

AKW Fukushima: Angestellter bei Arbeiten zur Bodenaushärtung am 6. Juli 2013 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Angestellter bei Arbeiten zur Bodenaushärtung am 6. Juli 2013 (Foto: TEPCO)

Die jetzt gemeldeten Probleme traten demnach bei dem seit Ende April 2014 laufenden Versuch auf, die mit Wasser vollgelaufenen Tunnel durch die Einspeisung von Chemikalien zu gefrieren.

Ziel der chemischen Härtung war zu Beginn des Projekts, durch Aushärtung  im Küstenbereich eine Meereskontamination durch radioaktiv belastetes Wasser einzudämmen.

Diese Maßnahme wurde offenbar vielfach von anderen Medien als Teil des Projekts der Bodenfrostung und der Schaffung eines so genannten unterirdischen „Eiswalls“ missverstanden.

Die Schaffung eines unterirdischen Kühlkreislaufs, durch das eine Kühlflüssigkeit zirkulieren wird und so zur „Eisbarriere“ führt, soll die Vermischung von Grundwasser und kontaminiertem Wasser verhindern.

Somit kam es bei einigen internationalen Medien zu einer irreführenden Berichterstattung.

TEPCO betont daher, dass die chemische Bodenaushärtung und die damit verbundene Gefrierung des Wassers in den Tunneln, in keinem Zusammenhang zu den Eiswand-Plänen steht. Die Arbeiten zur Schaffung des Kühlkreislaufs verlaufen nach Betreiberangaben problemlos.

Sicherheitsprüfung für zwei AKW: Am gestrigen Dienstag hielt die Atomaufsichtsbehörde NRA ihre erste Sitzung ab, um die Anträge des Kraftwerksbetreiber Tohoku Electric und der Japan Electric Power auf eine Sicherheitsprüfung von Reaktoren an den Kernkraftwerken Higashidori (Präf. Aomori) und Tokai (Präf. Ibaraki) zu prüfen.

Die NRA hatte bereits Kraftwerksbetreiber für die Erstellung von mangelhaften Sicherheitseinschätzungen kritisiert. Auch in diesem Fall sei etwa die Möglichkeit von Erdbeben durch unbekannte geologische Verwerfungen nicht berücksichtigt worden.

Kritik gab auch auch für den Plan der Japan Electric Power, alte, leicht entflammbare Kabel am AKW Tokai, mit einer brandhemmenden Ummantelung  zu versehen. Es sei nicht nicht erklärt worden, weshalb der Betreiber die potentiell gefährlichen Kabel nicht einfach ersetze. Auch Zahlen zur Höhe einer radioaktiven Kontamination von Arbeitern bei schweren Störfallen habe der Betreiber nicht vorgelegt.

Japan Atomic Power versicherte, man habe bereits entsprechende Angaben gemacht, welche die Frage der NRA beantworteten. Shigeru Inoue, Vize-Präsident von Tohoku Electric, entschuldigte sich für die mangelhaften Daten seiner Unternehmen.

Im Fall des AKW Higashidori erklärte die Atomaufsicht heute, man werde die in der vergangenen Woche beantragte Sicherheitsprüfung noch nicht durchführen, da sich ein Expertenausschuss noch nicht über die mögliche Aktivität von Verwerfungen auf dem Gelände der Anlage einig sei. Über die Sicherheitsprüfungen berichteten die jiji und die NHK.

Kliniken in AKW-Nähe ohne Evakuierungspläne: Für die Patienten von Kliniken, die im Umkreis von sechs Kernkraftwerken mit Neustartplänen liegen, wäre eine erneute Katastrophe an einem solchen Kraftwerk besonders gefährlich – verfügen doch einer Umfrage zufolge nur ein Bruchteil der Kliniken und Pflegeinrichtungen über einen Evakuierungsplan.

In den 52 geprüften Gemeinden verfügen lediglich 18 der 217 Krankenhäuser (acht Prozent) und 204 der 823 Pflegeeinrichtungen (25 Prozent) über eigene Evakuierungspläne. Somit sind über 90 Prozent der Kliniken und 75 Prozent der Pflegeeinrichtungen nicht auf einen Kraftwerksunfall vorbereitet. Die befragten Einrichtungen liegen alle im Umkreis von AKW mit Neustartanträgen.

Die Regierung hatte in Folge der Fukushima-Katastrophen die Gemeinden zur Überarbeitung von Katastrophenplänen aufgefordert. Die Verwaltungen führen zwar Personal- und Materialmangel als Gründe für fehlende Maßnahmen genannt – die Tatsache, das überarbeitete Evakuierungspläne keine Voraussetzung für Neustartgenehmigungen sind, könnte hierbei ebenfalls eine Rolle spielen.

Befragt wurden Einrichtungen im 30-Kilometer-Radius von sechs AKW mit Neustartabsicht – dem AKW Genkai (Präf. Saga), dem AKW Ikata (Präf. Ehime) und AKW Oi (Präf. Fukui) ebenso, wie im Umkreis der AKW Sendai (Präf. Kagoshima), Takahama (Präf. Fukui) und des AKW Tomari (Präf. Hokkaido). Über ihre Umfrage vom Mai 2014 berichtete die Asahi Shimbun.

Keine Strahlungsbelastung durch Fukushima-Reis: Ein Professor der Universität Tokyo, erklärte anlässlich der Bekanntgabe von Ergebnissen einer Studie an 1.500 Schülern, dass der Verzehr von Reis aus Anbaugebieten der Präfektur Fukushima zu keiner messbaren inkorporierten Strahlungsbelastung führt.

Eine Reis-Rispe
Reis aus Fukushima soll nicht zu Cäsiuminkorporation führen (Symbolfoto: pd)

Professor Ryugo Hayano berichtete, dass bei den Untersuchungen in den Jahren 2012 und 2013 in Ganzkörperzählern, die Minimalwerte bis zu 300 Becquerel pro Körper nachweisen können, keine inkorporierte Belastung mit radioaktivem Cäsium festgestellt wurde – obwohl 60 Prozent der Kinder regelmäßig Reis und 20 Prozent Gemüse aus Präfekturanbau essen.

Die Schüler stammen aus der Ortschaft Miharu (Präf. Fukushima), etwa 50 Kilometer vom AKW Fukushima Daiichi entfernt.Das berichtete die jiji.

1 KOMMENTAR

  1. Ganz hervorragende Berichterstattung! Mir kamen die ganzen Meldungen über den ineffektiven Eiswall seltsam vor, weil der ja überhaupt erst noch gebaut werden muss.

    Anscheinend seid ihr echt die einzige Website, die nicht diesen blöden Fehler gemacht hat.

    Aber vermutlich haben die großen Blätter das ganze längst korrigiert. Geht ja nicht, dass eine Website wie Spreadnews alleine Recht behält!

    Nunja, vielen Dank für die Aufklärung.

    Sybilius Sauseschritt

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