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Fukushima aktuell: Nicht registrierte Dekontaminationsabfälle entdeckt

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Artikelbild - Lagerung von Kunststoffsäcken mit Dekontaminationsabfall am 31. Mai 2015 (Foto: Prof. Haruhiko Okumura, cc-by)
Lagerung von Kunststoffsäcken mit Dekontaminationsabfall am 31. Mai 2015 (Foto: Prof. Haruhiko Okumura, cc-by)

Die aus der Präfektur Fukushima heute gemeldete Entdeckung bislang nicht erfasster Abfälle mit radioaktiver Belastung könnte ein Hinweis darauf sein, dass das Problem deutlich größer ist, als bislang offiziell bekannt.

Unterdessen ist der zweite Teil unserer Interview-Serie verfügbar – „Stimmen aus Fukushima: Misstrauen und der Wunsch nach Aufklärung„.

Die übrigen Fukushima News zeigen eine überraschende Wende in der Verwendung von SPEEDI, die Solidarität der Familien von Krebspatienten und Unterstützung scheinbar unsinniger Rückkehrpläne. Dies und mehr nun im Spreadnews Japan-Ticker vom 14. März 2016.

Unsere Themen zum Wochenbeginn:

  • Nicht registrierte Kontaminationsabfälle aufgedeckt
  • SPEEDI soll für lokale Behörden wieder zugelassen werden
  • Familien mit Schilddrüsenkrebsfällen gründen Verband
  • Zwischenlagergemeinde bietet Rückkehrhilfe an
  • Schwierigkeiten der Dekontaminationsarbeiter

Nicht registrierte Kontaminationsabfälle aufgedeckt: Eine Umfrage der NHK bei mehr als 500 Gemeinden deckte auf, das die behelfsmäßige  Lagerung kontaminierter Abfälle auf Grundstücken nicht immer gemeldet wurde.

Insgesamt soll es sich um 3.114 Tonnen von Erdreich, Reisstroh und anderem Material handeln, dass im Zuge der Dekontaminationsarbeiten aufgrund seiner radioaktiven Belastung entfernt wurde.

Die offiziell nicht bei der Regierung registrierten Abfälle verteilen sich auf 30 Gemeinden, darunter sowohl Fukushima, als auch die Präfektur Tokyo.

Als Grund für die Verheimlichung nannten die örtlichen Verwaltungen und Landwirte, sie fürchteten negative Gerüchte, oder dass sie verpflichtet werden könnten, das Material langfristig zu lagern, da der Bau von Zwischenlagern nur langsam vorangeht.

Die Regierung kennzeichnet Material wie Erdreich und Reisstroh als Dekontaminationsabfälle, wenn Strahlungswerte von mehr als 8.000 Becquerel pro Kilogramm erreicht werden.

Doch der Antrag auf Einstufung als Dekontaminationsabfälle muss von den Gemeinden und Landwirten kommen – und offenbar hielten dies nicht alle für die beste Entscheidung, so dass die nicht als solchen klassifizierten radioaktiven Abfall lagern.

Nun will sich die Regierung in Tokyo der Angelegenheit annehmen, ihrerseits Zahlen ermitteln und über die Beseitigung der Abfälle beraten. Das berichtete die NHK.

SPEEDI soll für lokale Behörden wieder zugelassen werden: Am fünften Jahrestag der Tohoku-Katastrophen beschloss die Regierung, zumindest lokale Behörden könnten das umstrittene System weiterhin nutzen.

SPEEDI nutzt unter anderem Wetterdaten, um bei einem Reaktorunglück die wahrscheinlichste Ausbreitung des radioaktiven Niederschlags zu berechnen, so dass die Evakuierung der Bevölkerung durch vergleichsweise sicheres Gebiet geplant werden kann.

Während der Fukushima-Katastrophen blieben diese Berechnungen jedoch unberücksichtigt, da sie zu hypothetisch seien. Auch wurde die Richtigkeit der Berechnungen verschwiegen und das, obwohl SPEEDI-Daten die Evakuierung verbessert hätten.

Als Folge hiervon waren Einwohner durch Gebiete mit radioaktivem Fallout evakuiert worden. Diese Verfehlungen führten in der Vergangenheit zur Kritik am Umgang mit den Informationen durch die Verantwortlichen.

Die Regierung hatte schließlich gegen den Protest von Präfekturen und Gemeinden beschlossen, bei Evakuierungsplanungen die Verwendung von SPEEDI einzustellen. Stattdessen sollen andere Faktoren, wie etwa Reaktordaten, für Evakuierungsentscheidungen herangezogen werden.

Jetzt will man die Nutzung von SPEEDI auf lokaler Ebene wieder zulassen. Den dortigen Behörden soll es erlaubt werden, Evakuierungsrouten aufgrund von Daten des Systems festzulegen.

Die genaue Umsetzung des Konzepts muss noch diskutiert werden – etwa ob die SPEEDI-Daten der betreibenden Atomenergiebehörde JAEA genutzt werden, oder die Gemeinden ihre eigene Datenerfassung/Auswertung betreiben wollen.

Über das Umdenken der Verantwortlichen in Tokyo berichteten Mainichi Shimbun und NHK.

Familien mit Schilddrüsenkrebsfällen gründen Verband: Der Streit um die Ursache von Schilddrüsenkrebs bei Fukushima-Kinder beschäftigt die Experten weiterhin. Die Familien der Betroffenen wollen nun jedoch auch mehr Gehör finden.,

Auf einer Pressekonferenz am Samstag wurde die Bildung einer Gruppe bekannt gegeben, deren Ziel es ist, den Familien der jungen Krebspatienten den Austausch von Informationen und gegenseitige emotionale Unterstützung bieten zu können.

Bislang gehören fünf Familien zu dieser Gruppe. Man plant jedoch, auch weitere Betroffene anzusprechen und zu einer Beteiligung an den Aktivitäten der Gruppe anzuregen.

Einige Eltern sind frustriert über die bestehende Unklarheit im Bezug auf die Ursache und hoffen, durch den Verband mehr Antworten erhalten zu können. Die Zahl bestätiger Krebsfälle und Verdachtsfälle liegt bei 167 Personen. Über die Gründung der Vereinigung berichtete die NHK.

Zwischenlagergemeinde bietet Rückkehrhilfe an: Obwohl die Ortschaft Okuma im Rahmen des Drei-Zonen-Modells fast vollständig als „langfristig unbewohnbar“ eingestuft wird, will die Verwaltung den dennoch Rückkehrwilligen nun helfen.

Wie bereits im März 2015 geplant soll im Bezirk Ogawara nun Wohnmöglichkeiten geschaffen werden. Obwohl die Dekontaminationsarbeiten dort im Juni 2015 abgeschlossen worden, gilt das Gebiet noch als nicht bewohnbar, gehört jedoch nicht zum Sperrgebiet.

Auch mit Photovoltaik-Anlagen zur Gewinnung von Elektrizität, die im Dezember vergangenen Jahres fertiggestellt wurden, kommt die Gemeindeverwaltung den Rückkehrwilligen entgegen.

Auf dem Gebiet der Gemeinden Okuma und Futaba befindet sich nicht nur das Gelände des Kernkraftwerks Fukushima Daiichi – hier entsteht auch das zentrale Zwischenlager für Dekontaminationsabfälle, die dort 30 Jahre lang gelagert werden sollen.

Über die Initiative für die Rückkehr der größtenteils älteren Personen berichtete die jiji.

Schwierigkeiten der Dekontaminationsarbeiter: Durch schlampige Arbeit und die Verwicklung in Diebstähle in den Sperrgebieten haben die Dekontaminationsarbeiter, die Oberflächen von Gebäuden und Gehsteigen mit Hochdruckreinigern und Bürsten bearbeiten, einen zweifelhaften Ruf.

Gerüchte, es handele sich teilweise um Schuldner der organisierten Kriminalität (Yakuza), oder sogar in Ungnade gefallene Mitglieder dieser Syndikate, schüren weiter vorbehalte. Tatsächlich gibt es bestätigte Festnahmen von Yakuza im Zusammenhang mit den Arbeiten.

Doch wenig ist bekannt über die schätzungsweise 26.000 Arbeiter, bei denen es sich zum großen Teil um ungelernte Arbeiter handelt, die aus allen Teilen des Landes kommen, oft im Rentenalter sind und keine familiären Bindungen mehr haben.

Sie arbeiten meist für Zeitarbeitsfirmen mit Verträgen die maximal ein halbes Jahr dauern, keine Gefahrenzulagen erhalten und spartanisch untergebracht sind. Teilweise müssen sie für Kost und Logis selber aufkommen.

Aufgrund der zahlreichen Subunternehmen, zu deren Einsatz offiziell keine Alternativen bestehen, sind Ausbeutungen möglich und die Regierung kann nicht einmal sicher stellen, dass die vorgeschriebenen Strahlungskontrollen ordnungsgemäß erfolgen.

Aufgrund falscher Versprechungen ist der tatsächliche Lohn oft geringer als der angekündigte, so dass sie Sozialleistungen in Anspruch nehmen müssen.

In den Berichten des Ministeriums für Gesundheit, Arbeit und Soziales kommen diese Fälle  immer wieder vor. Über die Situation berichteten lokale Medien.

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