Fukushima aktuell: Notfallmeldung von TEPCO ging während AKW-Krise unter

Fukushima aktuell: Notfallmeldung von TEPCO ging während AKW-Krise unter

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Büro im Verwaltungsgebäude am 29. März 2011
AKW Fukushima: Büro im Verwaltungsgebäude am 29. März 2011 (Foto: TEPCO)

Die im Zusammenhang mit der Akutphase am AKW Fukushima heute veröffentlichte Meldung verstärkt den Eindruck der völligen Überforderung des Betreibers.

Weitere Fukushima News befassen sich mit den gegenwärtigen Folgen der Ereignisse vom März 2011. Die einzelnen Meldungen gibt es nun im Spreadnews Japan-Ticker vom 2. März 2011.

Unsere heutigen Themen im Überblick:

  • Weitere Kommunikationspanne bei AKW-Krise nachgewiesen
  • Wiedergewinnung landwirtschaftlicher Flächen unterdurchschnittlich
  • 40 Prozent der Schulen immer noch in Übergangshäusern
  • Konzertreihe von „Wunderklavier“ in Tokyo

Weitere Kommunikationspanne bei AKW-Krise nachgewiesen: Eine interne Untersuchung des Kraftwerksbetreibers TEPCO belegt die Verschleppung bei der Weitergabe von relevanten Informationen an die Regierung im Zuge der Fukushima-Krise.

Erst im vergangenen Monat hatte das Unternehmen zugeben müssen, ihnen sei die Existenz interner Richtlinien zur Definition einer Kernschmelze praktisch unbekannt gewesen. Daher habe man diese Information nicht angemessen bekannt gegeben.

Die eingeleiteten Untersuchungen deckten nun weitere Versäumnisse auf.

So sei die Meldung des Notfalls an die Regierung in Tokyo erst eine Stunde nach Eintritt des Krisenzustands erfolgt, Dies habe auch zu einer Verzögerung bei der Bekanntgabe durch die Regierungsbehörden geführt.

Betreiber von Kernkraftwerken sind gesetzlich zur unverzüglichen Meldung von Notfallsituationen an ihren Anlagen verpflichtet und nutzen dafür ein zweistufiges System gemäß den Artikeln 10 und 15 der Regelung.

Nach den jetzigen Erkenntnissen ereignete sich das Tohoku-Erdbeben um 14:46 Uhr. Um 15:42 Uhr kam TEPCO nach dem Tsunami und dem Ausfall des Wechselstroms, inklusive der Notstromversorgung der Reaktoren 1 bis 3 zu dem Schluss, einen ersten Notfallbericht gemäß Artikel 10 zu übermitteln.

Nachdem nahezu zeitgleich auch die Gleichstromversorgung zusammenbrach, so dass die Überwachung des Wasserstands der Reaktoren nicht mehr möglich war, hätte das Unternehmen umgehend einen zweiten Notfallbericht gemäß Artikel 15 einreichen müssen.

Eine Meldung dieser Art hätte umgehend zur Notfallerklärung der Regierung geführt.

Doch erst etwa eine Stunde später, um 16:45 Uhr reichte TEPCO den entscheidenden Bericht ein, nachdem der Wasserstand in den Reaktoren 1 und 2 nicht länger zuverlässig zu überwachen sei. Die verspätete Meldung sei eine Folge der chaotischen Zustände gewesen.

Nach der internen Untersuchung räumte TEPCO ein, dass man den Bericht nach Artikel 15 auch unmittelbar nach dem Eintreffen des Tsunami und dem damit verbundenen ersten Stromausfall hätte einreichen können. Das berichtete die Asahi Shimbun.

Wiedergewinnung landwirtschaftlicher Flächen unterdurchschnittlich: Im jährlichen Bericht des Ministeriums für Landwirtschaft, Forsten und Fischerei (MAFF) werden die besonderen Probleme der Präfektur Fukushima deutlich.

Während der Präfektur Miyagi 88 Prozent und in der Präfektur Iwate 67 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzflächen wiederhergestellt werden konnten, liegt die Zahl in der Präfektur Fukushima lediglich bei 33 Prozent.

Selbst wenn man berücksichtigt, dass etwa 2.120 Hektar der betroffenen Fläche in Fukushima innerhalb des Sperrgebiets liegt, ist diese Zahl im Vergleich zu den übrigen Präfekturen sehr niedrig.

Von den 21.480 Hektar Land, die in den Präfekturen Aomori, Chiba, Fukushima, Ibaraki, Iwate und Miyagi betroffen waren, sind 15.920 durch Entsalzung und Trümmerräumung wieder bestellbar.

Auch weitere positive Nachrichten, wie etwa die Feststellung, das 97 Prozent der 319 Fischereihäfen dieser Präfektur ganz- oder teilweise wieder betriebsfähig sind, werden in Fukushima von Einschränkungen überschattet.

So erklärte Landwirtschaftsminister Hiroshi Moriyama auf einer Pressekonferenz, die besondere Herausforderung der Präfektur Fukushima bestehe nicht nur im Wiederaufbau, sondern darin, Landwirte und Käufer für die Produkte zu finden. Das berichtete die Mainichi Shimbun.

Trotz der offiziellen Zahlen, die eine hohe Sicherheit der Produkte belegen und des Umstands, dass die EU eine Freigabe von Fukushima-Lebensmitteln in ihrem Gebiet für sinnvoll hält, gibt es weiterhin Vorbehalte gegen lokal produzierte Lebensmittel aus Fukushima.

40 Prozent der Schulen immer noch in Übergangshäusern: Wie aus gestern veröffentlichten Zahlen einer Umfrage der Kyodo hervor geht, sind 63 der insgesamt etwa 160 Schulen, die von den Tohoku-Katastrophen betroffen waren, immer noch in Übergangshäusern untergebracht.

Mit 39 Schulen liegt größte Anteil dieser provisorischen Unterbringungen in der Präfektur Fukushima. Diese Umstände bringen mehrere Probleme. So klagen etwa Schüler, die dünnen Wände wären nicht schalldicht genug, so dass sie sich schlecht konzentrieren könnten.

An diesen Schulen sind die Möglichkeiten für den Sportunterricht beschränkt und die in Japan üblichen Vereinsaktivitäten leiden darunter. Auch stehe in eigen Fällen das Gerät für naturwissenschaftliche Fächer nur begrenzt zur Verfügung.

Bei den Aussichten auf eine Umverlagerung in normale Gebäude schneidet Fukushima ebenfalls am schlechtesten ab.

Während in den Präfekturen Iwate und Miyagi jeweils nur für eine Schule noch unklar ist, wann der Regelbetrieb unter normalen Umständen wieder aufgenommen werden kann, gilt dies in der Präfektur Fukushima für 19 Schulen.

Angesichts dieser Umstände wird sowohl um die Gesundheit, als auch die Bildungschancen und das Leistungsniveau der Schüler gefürchtet.

Doch man arbeitet an Lösungen und so sollen innerhalb „einiger Jahre“ zumindest 42 oder 63 Schulen umziehen können – entweder aufgrund der Zusammenlegung mit anderen Schulen, oder durch den Abschluss der Arbeiten an neuen Schulgebäuden.

Konzertreihe von „Wunderklavier“ in Tokyo: Bis Mite März können Musikfreunde in Tokyo einer Reihe von Klavierkonzerten besonderer Art beiwohnen.

Der Gesang der Sängerin Kaori Futenma wird von einem Klavier aus der Präfektur Fukushima begleitet, dass die Fluten des Tsunami vom März 2011 weit genug überstanden hatte, um repariert werden können.

Das „Kiseki no piano“ gilt seitdem als eines der bekanntesten Symbole für den Wiederaufbau der Region Tohoku.

Ein erstes Konzert fand am heutigen Mittwoch in einem Kaufhaus im Tokyoter Bezirk Shibuya statt. Über die musikalischen Aufführungen, die mit der Bitte um Spenden verbunden sind, berichtete die NHK.

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