Fukushima aktuell: NRA hält an veralteter AKW-Sicherheitsbewertung fest

Fukushima aktuell: NRA hält an veralteter AKW-Sicherheitsbewertung fest

Neues System zur Erdbebenkalkulation wird ignoriert

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Artikelbild - AKW Kashiwazaki-Kariwa (Foto: TEPCO)
Der Neustart des AKW Kashiwazaki-Kariwa hängt von der Fukushima-Untersuchung ab (Foto: TEPCO)

Während das AKW Fukushima heute keine Schäden durch den Taifun Lionrock meldet, sind landesweit bislang 11 Tote und fünf Vermisste zu beklagen. Grund zur Klage gibt es aber offenbar auch bei der Sicherheit japanischer Reaktoren.

Die heutigen Fukushima News zeugen unter anderem, wie aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse offenbar bei der Bewertung ignoriert wurden. Die Details gibt es nun im Spreadnews Japan-Ticker vom 31. August 2016.

Unsere heutigen Themen im Überblick:

  • Veraltete Berechnungsformel für Erdbebensicherheit mehrerer AKW genutzt
  • Befragung zur Kernschmelzen-Verschleierung begonnen
  • Aktuelle Angaben zur Strahlungsbelastung der Fukushima-Arbeiter
Veraltete Berechnungsformel für Erdbebensicherheit mehrer AKW genutzt

Verschiedene Institutionen, darunter die Atomaufsichtsbehörde NRA und die Betreiberfirmen von Reaktoren, haben trotz der Gefahr von Unterschätzungen, ein altes System zur Berechnung von Erdbebenstärken an AKW genutzt.

Seit einer Überarbeitung im Jahr 2009 nutzt das unter Aufsicht der Regierung stehende Komitee für Erdbebenforschung (ERC), eine neue Berechnungsformel. Dessen Ausschuss hatte im Jahr 2006 bereits die Vorgängerformel entwickelt.

Trotz eines Hinweises im Juni, dass die alte Berechnung zu Unterschätzungen der tatsächlichen Erdbebenstärke führen konnte, beschloss die NRA im Folgemonat, dieses System beizubehalten.

Eine Anpassung sei nicht erforderlich, da zusätzlich zur Berechnung auch Untersuchungen vor Ort durchgeführt werden, was eine ausreichende Genauigkeit zur Beurteilung biete.

Das ERC hält diese Einschätzung für falsch, da der Umfang tektonischer Bewegungen durch aktive geologische Verwerfungen so nicht hinreichend berechnet werden könne. Dadurch fehle der NRA ein wichtiger Faktor zur Einschätzung möglicher Erdbeben.

Beim ERC arbeitet man bereits an der Aktualisierung ihres Handbuchs, in dem sich derzeit noch beide Vorgehensweisen finden. Der Inhalt müsse dem neuen Kenntnisstand angepasst werden.

Die veraltete Methode aus dem Jahr 2006 war Grundlage für den Neustart der Reaktoren am AKW Oi und fand auch an weiteren Kernkraftanlagen des Landes Verwendung. Daher könnte theoretisch eine Neubewertung der Reaktorsicherheit erforderlich werden.

Über die Entdeckung dieser wichtigen Differenzen berichtete die Mainichi Shimbun.

Befragung zur Kernschmelzen-Verschleierung begonnen

Am heutigen Mittwoch begann ein fünfköpfiger Ausschuss aus drei Verantwortlichen der Präfektur Niigata und zwei Mitarbeitern des AKW-Betreibers TEPCO mit der Befragung von Angestellten des Unternehmens.

Das Komitee soll untersuchen, wie es dazu kommen konnte, das ein internes Handbuch mit einer festen Definition des Begriffs „Kernschmelze“ fünf Jahre lang praktisch unbekannt blieb, so dass man dieses Wort so lange wie möglich vermied.

Tatsächlich habe der damalige TEPCO-Präsident Masataka Shimizu sogar eine Art Schweigeorder verhängt, von der er behauptet, sie sei von Seiten der Regierung verordnet worden – eine bis heute unbelegte Aussage.

Welche Ergebnisse die Befragungen tatsächlich bringen werden, wird die Zukunft zeigen. Über den Beginn der Untersuchung berichteten Präfekturmedien.

Aktuelle Angaben zur Strahlungsbelastung der Fukushima-Arbeiter

Am heutigen Mittwoch übermittelte der Kraftwerksbetreiber TEPCO die aktuellen Angaben zur Zahl der Beschäftigten an der Anlage, sowie zur Höhe der Strahlungsdosis an das Ministerium für Gesundheit, Arbeit und Soziales für den Juli 2016.

Die maximale Strahlungsbelastung der Angestellten lag bei 10,42 Millisievert.

Im Bezug auf die inkorporierte Strahlenbelastung wurden bei den Angestellten keine signifikanten Werte festgestellt.

Angaben zur Zahl der Beschäftigten machte das Unternehmen nicht, so dass offenbar keine Neubeschäftigung von Arbeitskräften stattfand.

Der nächste Bericht, der sich mit den Strahlungsdaten mit Stand von Ende August befassen wird, soll gegen Ende September eingereicht werden.

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