Start Aktuelles Fukushima aktuell: NRA-Mitglied zieht Brennelemente-Bergung in Zweifel

Fukushima aktuell: NRA-Mitglied zieht Brennelemente-Bergung in Zweifel

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Artikelbild: Fukushima-Reaktor 4: Aufladen des Transportbehälters am 21. November 2013 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Zeitplan für weitere Brennelemente-Transporte gekippt (Symbolfoto: TEPCO)

Die Aussichten für Fortschritte werden im Fall des AKW Fukushima heute längst nicht mehr von jedem positiv bewertet. Unterdessen sieht sich TEPCO zu erneuten Zahlungen veranlasst.

Doch auch die Entwicklungen in der Präfektur sind Teil der Fukushima News im Spreadnews Japan-Ticker vom 19. Februar 2016.

Unsere heutigen Themen zum Wochenende:

  • NRA-Mitglied zieht Brennelemente-Bergung in Zweifel
  • TEPCO muss freiwillig Evakuierte entschädigen
  • Dekontamination für Shiitake-Zucht entwickelt
  • Zahl der einsamen Tode steigt weiter an

NRA-Mitglied zieht Brennelemente-Bergung in Zweifel: Toyoshi Fuketa, Mitglied der Atomaufsichtsbehörde NRA erklärte gegenüber Reportern, es sei durchaus fraglich, ob die vollständige Bergung aller geschmolzenen Brennelemente sinnvoll sei.

Aufgrund des langen Zeitraums müsse man auch  andere Möglichkeiten in Erwägung ziehen – etwa so viel Brennelemente-Reste zu bergen wie möglich und die Übrigen in den jeweiligen Reaktoren zu verfestigen.

Diese Optionen müssten ebenfalls zur Diskussion stehen. Über die Äußerungen des NRA-Mitglieds berichtete die Kyodo.

TEPCO muss freiwillig Evakuierte entschädigen: Ein Gericht in Kyoto verurteilte gestern den Kraftwerksbetreiber TEPCO zur Zahlung einer Entschädigung an eine Familie, die im Zuge der Fukushima-Katastrophe auf eigene Initiative geflohen war.

TEPCO zeigte sich bei der Entschädigung der so genannten „freiwillig Evakuierten“ die vor der offiziellen Evakuierungsanordnung der Regierung flohen, wenig kooperativ.

Die Kläger hatten die Klage im Jahr 2013 eingereicht und 118 Millionen Yen gefordert. Das Gericht sprach Ihnen nun eine Summe von 30 Millionen Yen zu – was deutlich über den 11 Millionen liegt, die vom Schlichtungszentrum für außergerichtliche Einigung vorgeschlagen worden waren.

Als Grund für die Klage führten sie Folgen auf ihre Gesundheit an, die zur Arbeitsunfähigkeiten führten, darunter Depressionen und Schlaflosigkeit. Vor der Katastrophe leitete der Familienvater ein Unternehmen.

21 Millionen Yen der Entschädigung sind auf das Wegfallen des Einkommens und die Kosten durch die Evakuierung zurückzuführen, während der Rest eine symbolische Entschädigung für den Verlust der Heimat und gewohnten Lebensumstände darstellt.

TEPCO erklärte, das Urteil zu prüfen und mit der nötigen Ernsthaftigkeit und Aufrichtigkeit zu behandeln. Die Familie zeigte sich mit dem Urteil zufrieden. Es zeige, dass Evakuierte nicht aufgeben müssen, wenn ihnen die Entschädigung zu gering erscheint.

Über das Urteil berichteten japanische Medien, darunter Kyodo, Mainichi Shimbun, NHK und Präfekturmedien.

Dekontamination für Shiitake-Zucht entwickelt: Wissenschaftler vom Forschungszentrum für Forstwirtschaft der Präfektur Fukushima in Koriyama, haben eine Methode zur schonenden Dekontamination von Pilzzüchtungen entwickelt.

Durch einen Wasserstrahler kann die Konzentration von radioaktivem Cäsium am Holz, auf dem die Shiitake-Pilze gezüchtet werden, um etwa 60 Prozent reduziert werden, ohne dass dies einen Einfluss auf das Wachstum der Pilze hätte.

Das neu entwickelte Gerät greift Technologie zur Druckreinigung von Straßen im Rahmen von Dekontaminationsmaßnahmen auf. Bei dem jetzigen Verfahren werden die naturbelassenen Holzbretter nicht beschädigt. Jetzt sollen weitere Tests erfolgen, bis eine Fertigung für den praktischen Einsatz möglich ist.

Fortschritte gab es auch bei Dekontaminationsversuchen für Bambussprossen. Hier konnte durch die Entfernung von herabgefallenem Laub in den Bambuswäldern eine Reduzierung der Cäsiumbelastung erzielt werden.

Über die Bekanntgabe der Ergebnisse in der Stadt Koriyama (Präf. Fukushima) berichteten die Präfekturmedien.

Zahl der einsamen Tode steigt weiter an: Die Zahl der Flüchtlinge der Tohoku-Katastrophen, die alleine und ohne Angehörige in den Übergangshäusern sterben, steigt trotz der Bemühungen in den Gemeinden weiter an.

Seit dem Tohoku-Großbeben, dem damit verbundenen Tsunami und der Kraftwerkskatastrophe starben in den drei am stärksten betroffenen Präfekturen bislang 190 alleinstehende Menschen in Übergangshäusern.

Die Mehrzahl dieser „einsamen Tode“ ereigneten sich in der Präfektur Miyagi (84 Todesfälle), gefolgt von der Präfektur Fukushima (66 Tote) und Iwate (40 Todesfälle). Mit diesen aktuellen Zahlen einer Umfrage der Asahi Shimbun hält der Anstieg weiter an.

Seit den Tohoku-Katastrophen im Jahr 2011 (16 Fälle) und dem Folgejahr 2012 (38 Fälle) ist der Aufwärtstrend erkennbar, wie auch die Zahlen von 2013 (41 Fälle) und 2014 (44 Fälle) zeigen. Neben natürlichen Todesursachen werden auch Selbsttötungen hierzu gezählt.

Es handelt sich bei den Toten mehrheitlich um Männer (137 Fälle) und der Anteil der Menschen unter 65 Jahren die dort starben liegt bei 42,6 Prozent, was 81 Todesfällen entspricht.

Als Ursache wird der Umstand genannt, dass im Verlauf der vergangenen Jahre die sozialen Kontakte zu Nachbarn innerhalb, insbesondere aber auch außerhalb der Siedlungen aus Übergangshäusern, weiter abgenommen hat.

Durch die Bereitstellung von Sozialwohnungen, verlassen viele diese Siedlungen, auch wenn diese mietkostenfrei sind, um der isolierten Wohnsituation zu entkommen, was zur Vereinsamung der Zurückbleibenden führt. Ende Januar lebten noch etwa  59.000 Menschen dort.

Experten fürchten, dass auch in den Sozialwohnungen die Zahl der einsamen Tode steigen wird – eine Erfahrung die bereits beim Hanshin-Großbeben 1995 in Kobe gemacht wurde. Über ihre Umfrageergebnisse berichtete die Asahi Shimbun.

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