Fukushima aktuell: NRA will Evakuierung von Risikogruppen verzögern

Fukushima aktuell: NRA will Evakuierung von Risikogruppen verzögern

Senioren und Kranke sollen bei AKW-Krisen länger ausharren

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Artikelbild - Präfektur Fukushima: Nationalstraße 114 durch Namie (Foto: pd)
Neue Pläne zur Evakuierung von Risikogruppen im Gespräch (Foto: pd)

Während die Präfektur Fukushima heute nach dem Fund eines sterbenden Schwans einen ersten Fall von Vogelgrippe bestätigt, befassen sich die Fukushima News, die aus Japan aktuell gemeldet werden, mit sehr lebendigen Herausforderungen und Problemen.

Umstrittene Evakuierungspläne, eine PR-Aktion, eine Entscheidung über Entschädigungen und ein weiterer Fall von Schülermobbing sind Thema im Spreadnews Japan-Ticker vom 2. Dezember 2016.

Unsere Themen zum Wochenende:

  • Verzögerte Evakuierung bei AKW-Krisen im Gespräch
  • PR-Präsentation über die Rettung des AKW Fukushima Daini
  • Entschädigungsfrist für Landwirtschaft und Fischerei verlängert
  • Schüler aus Fukushima von Lehrer gemobbt
Verzögerte Evakuierung bei AKW-Krisen im Gespräch

Die Atomaufsichtsbehörde NRA plant eine Änderungen der bisherigen Evakuierungsregelungen. Demnach sollen Angehörige von Risikogruppen, wie Senioren und chronisch Kranke künftig später evakuiert werden als bislang üblich.

Das gab die Behörde bei einem Treffen am Mittwoch bekannt.

Derzeitige Bestimmungen sehen bei AKW-Krisen vor, dass Angehörige von Risikogruppen, die innerhalb eines Fünf-Kilometer-Radius leben, bei halbstündigen Stromausfällen aller Systeme, oder dem Einsetzen der Notkühlung sofort evakuiert werden.

Die NRA will diesen Zeitplan nun lockern, da die Vergangenheit gezeigt hätte, dass sich gesundheitliche Probleme durch die Evakuierung verschlechterten, oder sogar neue Erkrankungen aufgetreten waren.

Da Stromausfälle und andere Probleme nicht automatisch zu gefährlichen Katastrophen führen würden, sei es sinnvoll abzuwarten, ob eine derartig belastende Evakuierung tatsächlich in solch frühem Stadium erforderlich wird.

Doch gerade die Energiekonzerne sehen diese geplanten Änderungen kritisch und veranlassten die NRA dazu, auch die Meinung der Betreiberunternehmen einzuholen. Über die umstrittene Planung berichtete die Mainichi Shimbun.

PR-Präsentation  über die Rettung des AKW Fukushima Daini

Am heutigen Freitag präsentierte Kraftwerksbetreiber TEPCO in seiner PR-Einrichtung der „Energy Hall“ des AKW Fukushima Daini eine Tafel, auf der Hintergründe erklärt werden, weshalb die Anlage im März 2011 einer Kernschmelze entging.

Entscheidend war neben den eingeleiteten Maßnahmen gegen den Stromausfall, der damals auch dort die Reaktorkühlung gefährdete, offenbar eine gute Portion Glück.

Dadurch, dass der Hauptbereich der Anlage 12 Meter über dem Meeresspiegel liegt und der dortige Tsunami somit niedriger war, blieben wichtige Teile unbeschädigt.

Auf einer Pressekonferenz in der neu eröffneten Einrichtung, die der Anmeldung von offiziellen Besuchen der Anlage und der Öffentlichkeitsarbeit dient, wurde auch der Sinn der Ausstellung in Tomioka erläutert.

Es sei wichtig die verschiedenen Maßnahmen an den AKW Fukushima Daiichi und Fukushima Daini zu zeigen – sowohl während des Krisenfalls, als auch die folgenden Bemühungen – um daraus gezogene Lektionen nachvollziehen zu können.

Gerüchte, denen zufolge die Ausstellung den Bürgern einen Neustart des AKW Fukushima Daini schmackhaft machen soll, erteilte der TEPCO-Sprecher eine Absage. Es ginge nicht darum, die Sicherheit zu bewerben, sondern man wolle Fakten präsentieren.

Über die Aktion und das damit verbundene Misstrauen berichteten Präfekturmedien.

Entschädigungsfrist für Landwirtschaft und Fischerei verlängert

Aufgrund der Schäden für Landwirtschaft und Fischerei, die durch die Kraftwerkskatastrophe 2011 entstanden waren, sieht sich AKW-Betreiber TEPCO zu einem längerfristigen Entschädigungszeitraum veranlasst, als bislang.

War ursprünglich geplant worden, die kollektiven Entschädungszahlungen nach dem Januar kommenden Jahres zu beenden, sollen die Zahlungen nun um drei Jahre, also bis 2019 weitergeführt werden.

Das zumindest geht aus einem überarbeiteten Entwurf hervor, den der Elektrizitätsanbieter einem Präfekturausschuss vorlegte.

Ob der neue Plan akzeptabel sei, will man durch Einholung verschiedener Meinungen überprüfen und noch in diesem Jahr auf einer außerordentlichen Generalversammlung eine Entscheidung treffen.

Damit folgt der TEPCO-Entwurf praktisch fast vollständig den Vorschlägen, die mit der Regierungspartei LDP Ende vergangenen Monats besprochen worden waren.

Außerhalb der unmittelbaren Evakuierungsgebiete will das Unternehmen vorerst an der bisherigen Entschädigungspraxis festhalten. Das berichten Präfekturmedien.

Schüler aus Fukushima von Lehrer gemobbt

Am heutigen Freitag wurde der bislang dritte Fall bekannt, in dem ein Schüler wegen seiner Herkunft aus der Präfektur Fukushima an seiner neuen Schule gehänselt wurde. Doch diesmal war ein Mitglied des Lehrkörpers am Zwischenfall beteiligt.

Der Grundschüler war in der vierten Klasse in einer Schule in Niigata bereits von Mitschülern gehänselt worden, und hatte sich in den Sommerferien beim Lehrer darüber beschwert, dass sie seinem Namen den Begriff „Bazille“ anhängten.

Dann, am 22. November, am Tag des schweren Erdbebens und gerade einmal fünf Tage nach jüngsten Beschwerde des Schülers, titulierte ihn dieser Lehre vor der gesamten Klasse mit der gleichen abwertenden Bezeichnung.

Zwei Tage später beschwerten sich die Eltern bei der Schüler und andere Lehrer befragten wenige Tage später alle Mitschüler.

Ein Schulausschuss kommt zu dem Schluss, gerade da sich der Schüler hilfesuchend an ihn gewand habe, sei das Verhalten des Lehrers als unbedacht und unangemessen zu bewerten. Das berichtete die Kyodo und Asahi Shimbun.

Bereits zuvor war Mobbing eines Schülers in Yokohama bekannt geworden. Auch dort war die Herkunft der Grund und neben Hänseleien erfolgten auch Übergriffe und Erpressungen.

Die Fälle wurden öffentlich, nachdem die Eltern des ersten Jungen einen Brief  mit Selbstmordabsichten veröffentlicht und der Schüler einen Appell an andere Betroffene verfasst hatte, sich nicht das Leben zu nehmen, sondern sich Hilfe zu hohlen.

Danach hatte ein Fukushima-Flüchtling über Mobbing in Tokyo berichtet. Neben der radioaktiven Belastung ist der Bezug von Entschädigungsgeldern eines der Hauptmotive der bislang bekannt gewordenen Fälle.

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