Fukushima aktuell: Nur wenige AKW-Arbeiter zu Gesundheits-Checks bereit

Fukushima aktuell: Nur wenige AKW-Arbeiter zu Gesundheits-Checks bereit

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Artikelbild AKW Fukushima: Arbeiter in einem Ruheraum im Juni/Juli 2011 (Foto: TEPCO)
Fukushima-Arbeiter: Bislang wenig Zusagen für Gesundheits-Checks (Symbolfoto: TEPCO)

Die aktuellen Fukushima News befassen sich mit der Gesundheit der AKW-Arbeiter und auch Berichte über mehr Sicherheit sind im Zusammenhang mit dem Kernkraftwerk Fukushima, heute von Interesse. Diese und sonstige Meldungen aus Japan, aktuell im Spreadnews Japan-Ticker vom 16. März 2015.

Unsere Themen zu Wochenbeginn:

  • Nur wenige Fukushima-Arbeiter zu Gesundheits-Checks bereit
  • TEPCO will Strahlungsniveau am AKW senken
  • TEPCO äußert sich zu Betrug bei Erdbebenpuffermaterial
  • Texter eines Propaganda-Slogans will Atomkraft-Werbetafeln erhalten

Nur wenige Fukushima-Arbeiter zu Gesundheits-Checks bereit: Wie die „Radiation Effects Research Foundation“ (RERF)“ am Samstag mitteilte, ist offenbar nur ein geringer Teil der Ersthelfer am AKW Fukushima Daiichi zu den Gesundheitskontrollen bereit.

Die geplanten lebenslangen Kontrollen von insgesamt 20.000 Arbeitern, die zwischen März und Dezember 2011 an der Kraftwerksanlage bei Notfallmaßnahmen tätig waren, soll die Langzeitfolgen von Strahlungsbelastung erfassen.

AKW Fukushima: Kraftwerksarbeiter am 17. März 2011 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Kraftwerksarbeiter am 17. März 2011 (Foto: TEPCO)

In diesem Zeitraum hatte die Regierung den zulässigen Grenzwert für Arbeiter von 100 auf 250 Millisievert angehoben, um den besonderen Umständen durch die hohe Strahlungsbelastung Rechnung zu tragen, so dass sie länger am AKW arbeiten konnten.

Doch Anfragen für die Teilnahme an der Kontrollgruppe von Arbeitern der ersten Stunde, die während der Akutphase der Fukushima-Krise tätig waren erbrachten kaum Erfolge.

Statt der erhofften 2.000 Zusagen für diese ersten Gesundheitstests, hätten nur 704 Personen den Untersuchungen zugestimmt – gerade einmal 35 Prozent.

Geringe Zusagen lägen allgemein aber auch daran, dass der Verbleib einiger AKW-Arbeiter unbekannt sei und gar nicht erst erreicht würden. Diese Arbeitskräfte, bei denen es sich häufig um Zeitarbeiter von Subunternehmen handelt, müssten unbedingt gefunden und von der Teilnahme überzeugt werden, erklärte Toshiteru Okuba, der Vorsitzende der Organisation.

Die ersten 2.000 Gesundheitskontrollen sollen noch in diesem Monat anlaufen, bevor mit dem Beginn des Fiskaljahrs 2015 im April die Checks der übrigen 18.000 AKW-Ersthelfer anlaufen werden.

Man habe seit Januar 5.466 Arbeiter in der Präfektur angeschrieben und um Teilnahme gebeten – 299 wurden wegen unbekanntem Empfänger zurückgeschickt.

Bislang gibt es lediglich 1.071 Antworten, von denen 295 Arbeiter die Untersuchungen aufgrund des mangelnden finanziellen Ausgleichs für die Arbeitsfehlzeiten, oder der schlechten Erreichbarkeit ablehnten. Über die geringe Beteiligung berichtete die Asahi Shimbun.

TEPCO will Strahlungsniveau am AKW senken: Das Elektrizitätsunternehmen TEPCO kündigte heute an, noch innerhalb dieses Monats effektive Maßnahmen zur Reduzierung des Strahlungsniveaus auf der Anlage durchführen zu können.

AKW Fukushima: Strahlungsmessung an Lagertanks am 3. September 2013 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Strahlungsmessung an Lagertanks im September 2013 (Foto: TEPCO)

Die bisherige Belastung von 3,5 Millisievert, die ein Arbeiter während eines einjährigen Aufenthalts auf der Anlage ausgesetzt wäre, soll auf weniger als einen Millisievert gesenkt und damit eine Vorgabe der Atomaufsichtsbehörde NRA umgesetzt werden.

Insbesondere  die 600.000 Tonnen an stark radioaktivem Wasser in den Lagertanks, erhöhen die Umgebungsradioaktivität auf dem Kraftwerksgelände. Die an den Lagertanks entstehende Strahlung gefährdet die Gesundheit der Angestellten. Täglich sind etwa 7.000 Menschen auf der Anlage beschäftigt.

Noch innerhalb dieses Monats soll der Gehalt an radioaktivem Material im Wasser durch die Filterung deutlich gesenkt werden. Der für Ende dieses Monats geplante Abschluss der Filtermaßnahmen, wurde jedoch wegen Verzögerungen aufgrund technischer Probleme bereits auf Ende Mai verschoben.

Selbst dieses verschobene Datum könnte nach aktuellen Angaben von TEPCO jedoch aufgrund des hohen Gehalts an Magnesium, der sich durch die Nutzung von Meerwasser erklärt, vermutlich nicht gänzlich eingehalten werden.

Über die Ankündigung des Kraftwerksbetreibers berichtete die NHK und über die zu erwartenden Verzögerungen informierte die jiji.

TEPCO äußert sich zu Betrug bei Erdbebenpuffermaterial: Wie das Ministerium für Land, Infrastruktur, Verkehr und Tourismus (MLIT) am vergangenen Freitag mitteilte, habe man dem Unternehmen Toyo Tire & Rubber Co. ein im Jahr 2003 ausgestelltes Qualitätszertifikat entzogen.

Grund dafür ist Betrug beim Verkauf von Material, dass die Erschütterungen von Erdbeben abfangen soll. Insgesamt 2.052 verkaufte Produkte entsprachen nicht den hierfür erforderlichen Standards.

Wie das Unternehmen mitteilte, habe sehr wahrscheinlich ein Mitarbeiter die entsprechenden Daten gefälscht, um die Zertifizierung des minderwertigen Materials zu ermöglichen.

Das Schockabsorptionsmaterial wurde im gesamten Land eingesetzt. Zu den 55 mit Mangelware ausgestatteten Gebäuden die in 18 Präfekturen entdeckt wurden, gehören neben Einkaufszentren und Krankenhäusern, auch ein 30 Stockwerke umfassendes Gebäude. Das Unternehmen aus Osaka schließt nicht aus, dass weitere Gebäude betroffen sein könnte.

Während man bei Toyo Tire auf Anordnung der Regierung innerhalb eines Monats nun prüfen muss, ob durch das nicht standardkonforme Material möglicherweise Sicherheitsrisiken erwachsen sind, die behoben werden müssten, äußerte sich auch Kraftwerksbetreiber TEPCO zum Skandal.

Laut einer Bekanntmachung des Elektrizitätsunternehmens, wurde weder am Kernkraftwerk Fukushima Daiichi, noch an den Anlagen Fukushima Daini und  Kashiwazaki-Kariwa in der Präfektur Fukushima, das fragliche Material eingesetzt.

Nach Regierungsangaben gehören auch drei Gebäude in Sendai (Präf. Miyagi) zu den Objekten, bei denen das falsche Material eingesetzt wurde. Trotz der Minderwertigkeit des Produkts habe es beim Tohoku-Großbeben 2011 offensichtlich keine Schäden gegeben.

Sollte sich eines der insgesamt 55 Gebäude als unsicher erweisen, werde man den Namen der Einrichtung bekannt geben, erklärte das Ministerium. Über den Skandal berichteten mehrere Medien, darunter die Kyodo und die jiji, sowie der AKW-Betreiber TEPCO.

Texter eines Propaganda-Slogans will Atomkraft-Werbetafeln erhalten: Der 39 Jahre alte Yuji Onuma, aus der evakuierten Ortschaft Futaba, reichte heute bei der ausgelagerten Verwaltung des Ortes einen Antrag ein, Schilder mit Atomenergie-Werbeslogans in Futaba zu erhalten.

Onuma hatte als Grundschüler im Rahmen eines Wettbewerbs den Slogan „Atomkraft für eine leuchtende Zukunft“ geschaffen. Dieser wurde als Werbetafel in Futaba angebracht.

Nach den Ereignissen vom 11. März 2011, haben diese Schilder eine Bedeutungsänderung erhalten und die Verwaltung beschloss, im Etat für das kommende Fiskaljahr Finanzmittel in Höhe von 4,1 Millionen Yen für die Entfernung der Atomenergie-Slogans vorzusehen.

Doch Onuma möchte, dass die Schilder dort bleiben und bei den verfügbaren Geldern auch erhalten werden – als Mahnmal für die „Dummheit der Menschheit“, wie er sagt. Die Werbetafeln zu entfernen bedeute, sich nicht den Ereignissen zu stellen. Künftige Generationen müssten an die Katastrophe erinnert werden.

Nach Angaben von Bürgermeister Shiro Izawa, sei der Grund für den Abrissentschluss der bauliche Verfall und die Gefährdung für einstige Bewohner die zeitweise zurückkehren dürfen.

Onuma will nun eine Petition zur Erhaltung starten und Bürgermeister Izawa erklärte, die Angelegenheit mit der Verwaltung besprechen zu wollen. Über den Werbetexter berichteten Asahi Shimbun und NHK.

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