Start Aktuelles Fukushima aktuell: Öffnung von Außenwand an Reaktor 2 genehmigt

Fukushima aktuell: Öffnung von Außenwand an Reaktor 2 genehmigt

Umsetzung genehmigter Pläne für den Reaktor steht noch aus

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Artikelbild - AKW Fukushima: Reaktorblock 2 am 15. August 2012 (Foto: TEPCO)
Fukushima-Reaktor 2: Vorbereitungen zur Öffnung der Außenwand dauern an. (Symbolfoto: TEPCO)

Mit der Ankündigung umfangreicher Arbeiten liefert das AKW Fukushima heute wieder Schlagzeilen. Doch auch ein Wasserleck gehört zu den Fukushima News – ebenso wie die Meldung neuer Diagnosen von Schilddrüsenkrebs in der Präfektur.

Die Pläne und Hintergründe zu den Nachrichten gibt es jetzt im Spreadnews Japan-Ticker vom 26. Dezember 2017.

Unsere heutigen Themen am 2. Weihnachtsfeiertag:

  • Pläne für Bohrung in Außenwand von Reaktorgebäude 2 genehmigt
  • Wasserleck in Transferleitung des Lagertankbereichs G3
  • Fünf weitere Fälle von Schilddrüsenkrebs
Pläne für Bohrung in Außenwand von Reaktorgebäude 2 genehmigt

Am gestrigen Montag gab der Betreiber des AKW Fukushima Daiichi bekannt, dass man von der Atomaufsichtsbehörde NRA die Genehmigung für Pläne, bei deren Umsetzung eine Öffnung in die Seitenwand von Reaktor 2 gebohrt werden soll.

Die Öffnung an der Außenwand soll den ersten Schritt der Stilllegungsarbeiten an diesem Reaktor darstellen. In dessen Verlauf soll der obere Teil des Gebäudes so weit entfernt werden, dass eine Bergung von 615 abgebrannten Brennelementen möglich wird.

Um die Demontage am oberen Bereich des Gebäudes effektiv durchführen zu können, sollen Öffnungen von fünf Metern Breite und sieben Metern Höhe geschaffen werden, die auch in dieser Höhe einen Zugang zum Gebäude ermöglichen.

Um zu Verhindern, dass bei den Arbeiten stark radioaktiv belasteter Staub in die Luft gelangt, soll auf der Höhe des 4. Stocks von außen eine verkleidete Plattform entstehen, die eine Freisetzung verhindern soll.

Die Arbeiten werden zudem durch Strahlungskontrollen überwacht und die Dekontamination des Bereichs spielt eine wesentliche Rolle bei der Durchführung der Maßnahme.

Dass diese Schritte erforderlich sind, zeigen Strahlungswerte von 800 Millisievert pro Stunde, die im oberen Bereich des Gebäudes gemessen wurden. Dort war nach der Kernschmelze und der Wasserstoffexplosion eine große Menge radioaktives Material ausgetreten.

Der jetzt erteilten Genehmigung, die am 21. Dezember erfolgte, ging eine lange Wartezeit voraus, da ein entsprechender Antrag bereits im Juni 2016 gestellt worden und der Beginn der Arbeiten ursprünglich für April diesen Jahres vorgesehen war.

Doch die Notwendigkeit, die Erdbebensicherheit während der Demontage zu berechnen und Maßnahmen zum Schutz vor unkontrollierter Freisetzung zu planen, warf den Zeitplan um mehr als ein halbes Jahr zurück.

Der Präfekturverwaltung, sowie den Gemeinden, soll das Vorgehen zu Beginn kommenden Jahres erklärt werden. Der Beginn der Brennelementebergung ist für den Beginn des Fiskaljahrs 2023 vorgesehen. Das berichten Präfekturmedien.

Zuvor waren bereits neue Missionen für Reaktor 2 angekündigt worden.

Wasserleck in Transferleitung des Lagertankbereichs G3

Am heutigen Dienstag bemerkte ein Angestellter eines Partnerunternehmens während Drainage-Arbeiten gegen 14:03 Uhr, dass  Wasser aus der Transferleitung austrat. Eine Untersuchung der Umstände ergab folgende Sachlage:

Das Wasser trat aus, als man einen Teil der Leitung an Behälter D1 im Lagertankbereich G4 reinigte. Dabei gelangte das Wasser auf den asphaltierten Boden und breitete sich auf einer Fläche von etwa 2,5 x 2,7 Metern aus. Die Gesamtmenge wird auf sieben Liter geschätzt.

Nach Angaben von AKW-Betreiber TEPCO lief kein Wasser in Gräben, oder gelangte auf andere Weise in die Umwelt. Man habe die Beseitigung der Lache in Angriff genommen.

Fünf weitere Fälle von Schilddrüsenkrebs

Bei einem gestrigen Treffen eines Untersuchungsausschusses der Präfektur wurden fünf weitere Fälle von Schilddrüsenkrebs bei Personen festgestellt, die zum Zeitpunkt der AKW-Krise im März 2011 unter 18 Jahre alt waren.

Somit steigt die Zahl der bestätigten Krebsfälle mit Stand vom September 2017 auf insgesamt 159 Personen. Doch auch beim aktuellen Treffen wurde erklärt, ein kausaler Zusammenhang mit der Strahlungsbelastung sei nur schwer vorstellbar.

Das berichtete die Mainichi Shimbun.

Hintergrund

Offizieller Konsens von Experten ist, dass die gestiegene Zahl an Entdeckungen und Verdachtsfällen auf die umfassenden Gesundheitskontrollen zurückzuführen sind, die seit mehreren Jahren im Rahmen von Schilddrüsen-Testreihen durchgeführt werden.

Es handele sich also, insbesondere beim Nachweis gutartiger Veränderungen der Schilddrüse, somit um „Überdiagnosen“ – nicht die Zahl der Erkrankungen, sondern die frühzeitige Nachweisrate sei gestiegen.

Auch wird immer wieder angeführt, eine Krebserkrankung sei erst nach einem Zeitraum von fünf Jahren seit den Ereignissen mit der Strahlungsbelastung in Verbindung zu bringen. Da mittlerweile sieben Jahre vergangen sind, dürfte dieses Argument an Wirkung verlieren.