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Fukushima aktuell: Organisierte Kriminalität weiter in Dekontamination tätig

Yakuza hat enge Verstrickungen im Dekontaminationsgeschäft

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Artikelbild - Fukushima: Dekontamination von Bäumen durch Hochdruckreiniger (Foto: Juni 2012, TEPCO)
Fukushima: Dekontamination von Bäumen durch Hochdruckreiniger (Foto: Juni 2012, TEPCO)

Der mögliche Eindruck, zum Wochenbeginn gäbe es aus der Präfektur Fukushima heute keine bemerkenswerten Meldungen, täuscht. Denn in den vergangenen Tagen haben sich eine ganze Reihe interessanter Entwicklungen ergeben.

Diese Fukushima News umfassen kriminelle Aktivitäten genau so, wie Verstöße gegen Sicherheitsbestimmungen und weitere Meldungen. Sie alle gibt es jetzt im Spreadnews Japan-Ticker vom 2. Oktober 2017.

Unsere heutigen Themen zum Wochenbeginn:

  • Yakuza wegen Fukushima-Deals festgenommen
  • Kontaminiertes Erdreich tonnenweise auf AKW-Gelände entsorgt
  • Sorge vor möglichem Leck radioaktiver Abwässer
  • Lockerung der EU-Bestimmungen für Fukushima-Produkte in Aussicht
Yakuza wegen Fukushima-Deals festgenommen

Im Rahmen von Ermittlungen im Umfeld der Unternehmen, die mit der Dekontamination von Gebieten der Präfektur Fukushima beauftragt sind, nahm die Polizei drei Verdächtige fest – darunter ein hochrangiges Mitglied der Yamaguchi-gumi. Bei der Gruppierung handelt es sich um die größte Vereinigung der organisierten Kriminalität in Japan.

Das Vergnügungsviertel Kabukicho (Foto: KJ)
Die Yakuza: Aktivitäten in der Region Tohoku laufen weiter (Abb. symbolisch, Foto: KJ)

Den drei Festgenommenen wird vorgeworfen, über eine Scheinfirma an Dekontaminationsaufträge gekommen zu sein und seit 2014 Arbeitskräfte zu vermitteln, ohne über eine offizielle Genehmigung zu verfügen.

Mit den erhaltenen Geldern soll das Verbrechersyndikat mitfinanziert worden sein. Es ist bereits nachgewiesen, dass Beschäftigte im Auftrag des Unternehmens in der Präfektur Fukushima tätig waren.

Allerdings handelt es sich nicht um den ersten Fall dieser Art.

Bereits im Januar 2013 war ein wichtiges Mitglied der Sumiyoshi-kai festgenommen worden. Auch ihm wurden damals Verstöße gegen gesetzliche Bestimmungen zum Einsatz von Arbeitskräften in der Dekontamination vorgeworfen.

Über den aktuellen Fall berichteten am 28. September die Mainichi Shimbun und Asahi Shimbun, sowie Präfekturmedien.

Kontaminiertes Erdreich tonnenweise auf auf AKW-Gelände entsorgt

Die Atomaufsichtsbehörde ermittelt im Fall eines Verstoßes gegen die Vorschriften zur Lagerung von radioaktiv kontaminiertem Erdreich auf dem Gelände des AKW Fukushima Daiichi.

Demnach wurden etwa 1.200 Tonnen Erde nicht in Metallbehälter mit Kennzeichnung der Strahlungsbelastung gefüllt, sondern stattdessen in Plastiksäcken belassen und mit einer Plane abgedeckt.

Die Erde war bei der Demontage eines Tanks mit kontaminiertem Wasser angefallen und war seit März diesen Jahres zu dieser behelfsmäßigen Lagerstätte transportiert worden. Doch trotz wöchentlicher Kontrollen fiel niemandem auf, dass keine Genehmigung für die dortige Lagerung bestand.

Die Angelegenheit soll weiter untersucht werden, jedoch versicherte TEPCO als Betreiber der Anlage, es gäbe keine Auswirkung auf die umgebenden Gebiete.

Am gleichen Tag, dem 27. September, veröffentlichte die Behörde zudem einen Zwischenbericht zu den Ergebnissen der Sicherheitsinspektionen an den Kernkraftwerken Fukushima Daiichi und Fukushima Daini.

Dabei wurde auch vom zweiten Kernkraftwerk mindestens ein Verstoß gemeldet.

Dort war eine Pumpe für Reaktor 2 seit Februar vergangenen Jahres keinen Vibrationstests mehr unterzogen worden – eine Maßnahme die eigentlich einmal pro Halbjahr durchgeführt werden muss.

Der damals Verantwortliche war jedoch zu dem Schluss gekommen, dass dieser Schritt überflüssig sei und hatte die Inspektion ohne Rücksprache vom Plan gestrichen. Über die Versäumnisse und Mängel berichteten Präfekturmedien.

Sorge vor möglichem Leck radioaktiver Abwässer

Am 28. September stellte der Betreiber des AKW Fukushima Daiichi fest, dass die Wasserstandsanzeigen von insgesamt sechs Grundwasser-Kontrollposten auf dem Gelände fehlerhaft waren.

Die dort angezeigten Werte hatten eine Differenz von 70 Zentimetern im Vergleich zum tatsächlichen Wasserpegel.

Wenn der Pegel des Grundwassers niedriger liegt, als der Stand der stark radioaktiv kontaminierten Abwässer aus den Untergeschossen der Reaktorgebäude, besteht das Risiko, dass durch die Differenz das radioaktive Abwasser schwallartig herausgelangt.

Alle betroffenen Brunnen wurden im April in Betrieb genommen und es ist völlig unklar, wie lange das Problem schon bestand, bevor es am 28. September aufgrund von Bohrarbeiten für einen neuen Grundwasserbrunnen entdeckt wurde.

Bereits im Mai war der Grundwasserstand eines Kontrollpostens abgesackt und hatte den Pegel der radioaktiven Abwässer in den Reaktorgebäuden unterschritten. Damals ging man von einer einzelnen Fehlfunktion des Messgeräts aus.

Wie laut der NHK bekannt wurde, kam es zwischen dem 17. und 21. Mai mindestens acht Mal zu Schwankungen, bei denen der Grundwasserpegel bis zu zwei Zentimeter niedriger wurde, als der Pegelstand der radioaktiven Abwässer.

Nach Angaben von Präfekturmedien kam es auch am 2. August zum Abfall des Grundwasserpegels unterhalb des Wasserstands in den Reaktoren.

Da jedoch kein Wasseraustritt festgestellt wurde, ging man auch diesmal von einem einzelnen Fehler aus und führte keine weitergehenden Kontrollen durch.

Die Betreiberfirma TEPCO versicherte, Analysen aus den Grundwasserbrunnen würden keine Auffälligkeiten, oder gar einen Anstieg der Konzentration von radioaktivem Material belegen. Über den Zwischenfall berichteten mehrere japanische Medien.

Lockerung der EU-Bestimmungen für Fukushima-Produkte in Aussicht

Anlässlich der Entscheidung des Umweltausschusses im Europaparlament, die eine Neubewertung der Importbestimmungen fordert, äußerten sich auch japanische Behörden und drängten auf eine Lockerung bisheriger Bestimmungen.

Tatsächlich könnte eine solche Erleichterung für die Einfuhr von Reis aus der Präfektur Fukushima noch im Verlaufe dieses Jahres erfolgen. Auch eine Aufhebung der Importbestimmungen für die Nachbarpräfekturen scheint möglich.

Da die USA bereits am 22. September die Einfuhr einiger Produkte ohne besondere Kennzeichnungspflicht genehmigte, könnte eine entsprechende EU-Entscheidung auch andere große Märkte, wie etwa China, zum Umdenken bewegen.

Die Lebensmittelgrenzwerte für radioaktives Cäsium sind in Japan strenger, als die Vorgaben der Europäischen Union. Während in der EU ein Grenzwert von 1.250 Becquerel pro Kilogramm gilt, sind in Japan nur 100 Becquerel pro Kilogramm zulässig.

Über die Tendenzen bei den Importbestimmungen berichteten viele japanische Medien, darunter Asahi Shimbun, jiji und Präfekturmedien.

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