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Fukushima aktuell: Panasonic setzt auf Salat

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Artikelbild - Salat (Foto: Dwight Sipler, cc-by)
Präf. Fukushima: Panasonic setzt auf Salat (Foto: Dwight Sipler, cc-by)

Die Sorge vor radioaktiv kontaminierter Nahrung, ist insbesondere seit der Reaktorkatastrophe vom März 2011 nicht nur auf Japan beschränkt. Doch japanische Unternehmen versuchen, dieser Besorgnis zu begegnen, wie ein aktueller Fall aus der Präfektur Fukushima heute zeigt.

Weitere Fukushima News, etwa zu Demonstrationen und Bauschutzmaßnahmen, nun im Spreadnews Japan-Ticker vom 17. März 2014.

Unsere Themen zu Wochenbeginn:

  • Panasonic eröffnet Salatanbau in Fukushima
  • Neue Testgeräte für Fukushima-Lebensmittel
  • Wochenende mit Atomkraftgegner-Großdemonstrationen
  • Behindertenwerkstätten in Fukushima werben für Region
  • Schulsporthallenschutz bei Erdbeben soll verbessert werden

Panasonic eröffnet Salatzucht in Fukushima: Am heutigen Montag nahm ein Werk des Herstellers Panasonic, in der Präfektur Fukushima, wieder den Betrieb auf. Dabei geht es jedoch nicht etwa um Chips, Halbleiter oder ähnliches – sondern um Gemüse.

Neben Salat wird unter dem LED-Licht der einstigen Fertigungsstätte für Digitalkameras, auch Spinat und weiteres grünes Gemüse angebaut, darunter auch eine besonders kaliumarme Spinatzüchtung, die sogar roh von Dialysepatienten gegessen werden kann.

Die Idee, renovierte Industrieanlagen als Gewächshäuser zu nutzen, ist nicht neu. Bereits 2012 gab es in Japan Überlegungen, auf diese Weise der Angst vor radioaktiv belasteten Lebensmitteln zu begegnen. Im Juli 2013 hatte Fujitsu eine ähnliche Anlage in Aizu-Wakamatsu (ebenfalls Fukushima) eröffnet.

Die nun von Panasonic eröffnete Gewächshausanlage, ist die Erste des Unternehmens. Ermöglicht wurde das Projekt durch finanzielle Zuschüsse des Ministeriums für Wirtschaft, Handel und Industrie (METI) in Höhe von 160 Millionen Yen. Über die beiden Projekte berichteten Asahi Shimbun und die Nikkei.

Neue Testgeräte für Fukushima-Lebensmittel: Die radioaktive Belastung von Nutztieren und Lebensmitteln ist ein nach wie vor bestehendes Problem, wenn es um den Verbraucherschutz in Japan geht. Von besonderer Bedeutung sind dabei Testmethoden die korrekte Ergebnisse in möglichst kurzer Zeit liefern.

Zuletzt war den Viehzüchtern der Region eine verbesserte Strahlungskontrolle für lebende Rinder vorgestellt worden. Ab April sollen in den Gemeinden der Präfektur Fukushima nun einfach zu nutzende Geräte zur Strahlungsmessung bei Lebensmittel zum Einsatz kommen.

Tokyo: Waren auf dem Ameyoko (Foto: Copyright by KJ)
Einfachere Lebensmittelkontrollen für Fukushima-Produkte geplant (Symbolfoto: Copyright by KJ)

War es für Lebensmitteltests zuvor notwendig, Proben des selbst angebauten Gemüses oder der Wildpflanzen in kleine Sücke zu schneiden und die Testdauer einer halben Stunde abwarten zu müssen, ist diese Zerkleinerung künftig nicht mehr erforderlich und die Prüfung wird weniger Zeit in Anspruch nehmen.

Bislang waren derartig komfortable Geräte nur für einzelne Lebensmittelgruppen entworfen worden und daher nicht allgemein nutzbar. Lediglich die Stadt Fukushima verfügte über ein solches Gerät.

Nun sollen statt bislang 530 konventionellen Strahlungsdetektoren, die sich in insgesamt 59 Gemeinden finden, jede Gemeinde zumindest eines der neuen Kontrollgeräte zur Verfügung gestellt bekommen. Die geringste nachweisbare Wert liegt bei etwa 20 Becquerel pro Kilogramm, was sogar unterhalb des Lebensmittelgrenzwerts von 100 Becquerel liegt.

Nachdem zuvor noch Tests für alle Produktgruppen laufen sollen, ist die Freigabe für den April geplant. Über den künftigen Einsatz der Geräte berichtet die Japan Times unter Berufung auf die Fukushima Minpo.

Wochenende mit Atomkraftgegner-Großdemonstrationen: Am Samstag versammelten sich mehr als 5.000 Atomkraftgegner im Hibiya-Park von Japans Hauptstadt Tokyo, um nach einer Kundgebung zur Ginza, dem bekannten Geschäfts- und Einkaufsviertel der Stadt zu ziehen.

Tokyo: Atomkraftgegner-Demonstration im Juni 2011 (Foto: Copyright by KJ)
„No Nukes, One Love“: Atomkraftgegner-Demonstration im Juni 2011 (Symbolfoto: Copyright by KJ)

Die Protestler forderten die Regierung auf, die Neustarts von Reaktoren abzulehnen. Gegenwärtig gilt das AKW Sendai (Präf. Kagoshima) auf Kyushu als aussichtsreichster Kandidat für einen möglichen Neustart.

Nur einen Tag später versammelten sich am Sonntag etwa 6.000 Atomkraftgegner in der Stadt Kagoshima, um dort ebenfalls gegen die Neustartpläne der Reaktoren am AKW Sendai zu protestieren. In ihren Rufen lehnten sie die Nutzung der Atomkraft ab.

Sollten die von den Veranstaltern gemachten Angaben zu den Teilnehmerzahlen korrekt sein, wäre dies die bislang größte Anti-AKW-Demonstration der Präfektur. Über die Proteste in Tokyo und Kagoshima berichteten jiji und Asahi Shimbun.

Behindertenwerkstätten in Fukushima werben für Region: Die Wiederbelebung des Tourismus für die Katastrophenregion Tohoku, wird als wichtiger Schritt zu deren Revitalisierung gesehen. Hierfür investiert die japanische Tourismusbehörde nicht unwesentliche Summe.

Doch auch Menschen mit Behinderungen wünschen sich nach den Tohoku-Katastrophen nicht nur Arbeit, sondern auch eine Wiederbelebung der Region. Vor den Katastrophen hatten sie Arbeit bei der Herstellung von Gesichtspflegeprodukten aus Luffa.

Deren Verkäufe brachen nach der Fukushima-Katastrophe aufgrund der allgemeinen Angst vor radioaktiv kontaminierten Produkten ein. Den Arbeitskräften war es jedoch zu wenig, nun zum Spielen von Gesellschaftsspielen verurteilt zu sein und so forderten sie neue Arbeit.

Insgesamt zehn Behindertenarbeitsgruppen der Stadt Sukagawa, stellten die Fertigung dann auf hölzener Knöpfe für Kleidung um, die in Handarbeit gefertigt werden. Nach einer  ersten öffentlichen Präsentation diese Produkte erhielten die Werkstätten vom örtlichen Taschenherstellter Sunward Corporation einen Auftrag über 2.000 Knöpfe.

Mittlerweile hat die Sunward Co, mit „många knapp“ (Schwedisch für „viele Knöpfe“) auch eine eigene Marke, unter der die Taschen mit den handgefertigten Knöpfen zu Preisen zwischen 2.000 und knapp 20.000 Yen verkauft werden und bereits Geschäftserfolg brachten. Das Unternehmen bietet die Produkte nun auch im Internet an.

Eine ähnliche Initiative, die „Futaba Seisakusho“ entstand in Koriyama. Dort äußerten die Betroffenen den Wunsch, durch Arbeit weiter Teil der Gesellschaft sein zu wollen, so dass man dort mit der Herstellung von Tragetaschen aus A4-Umschlägen begann. Etwa 3.600 der Flüchtlinge aus dem Landkreis Futaba haben eine Behinderung.

Die durch Wachsbeschichtung wasserunempfindlich gemachten Tragetaschen wurden zunächst kostenlos an Unternehmen gespendet. Die Produktlinie läuft unter der Zahl „28“ die ein phonetisches Wortspiel mit der japanischen Aussprache als „Futaba“ – dem Heimatort der Flüchtlinge darstellt.

Eine beiliegende Karte erklärt die Hintergründe der Herstellung. Die Behälter werden zu Preisen von etwa 1.000 Yen mittlerweile auch online vertrieben und bereits bis zu Unterstützern nach Australien geliefert. Bislang wurden etwa 1.000 Stück verkauft. Über diese Bemühungen um Arbeit, Normalität und Wiederaufbau berichtete die Kyodo.

Schulsporthallenschutz bei Erdbeben soll verbessert werden: Das Ministerium für Bildung, Kultur, Sport, Wissenschaft und Technologie (MEXT) hat sich dazu entschlossen, die Sicherheitsmaßnahmen an Fenstern von Turnhallen an Grund- Mittelschulen zu verbessern.

Nachdem groß angelegte Schadensprüfungen in einigen Fällen hohe Risiken herunterstürzender Fenster festgestellt hatten, obwohl die Gebäude selbst als erdbebensicher galten, müssten nun die Verstärkungen der Gebäude bei Fenstern verstärkt werden, erklärt das Ministerium.

Um eine Priorisierung durchführen zu können, werden die Gemeindem im ganzen Land gebeten, Schulen auszuwählen, bei denen das Risiko besonders hoch sei. Zudem sollen die Richtlinien für den Neubau von Schulgebäuden geprüft werden. Auch Zwischendecken stellten ein zusätzliches Risiko dar, dass du eine stabile Struktur des Gebäudes nicht hinreichend abgedeckt wird.

Bereits 2012 hatte ein Rat des Ministeriums empfohlen, bei Neubauten künftig auf Zwischendecken zu verzichten. Über die Pläne zur Verbesserung der Erdbebensicherheit berichtete die Nikkei.

3 KOMMENTARE

    • Hey hajo,

      Machen die doch, zum Beispiel: „Über den künftigen Einsatz der Geräte berichtet die Japan Times unter Berufung auf die Fukushima Minpo.“

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