Fukushima aktuell: Pfusch bei Dekontaminationsarbeiten

Fukushima aktuell: Pfusch bei Dekontaminationsarbeiten

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Artikelbild - Fukushima: Dekontamination von Bäumen durch Hochdruckreiniger (Foto: Juni 2012, TEPCO)
Fukushima: Dekontamination von Bäumen durch Hochdruckreiniger (Foto: Juni 2012, TEPCO)

Die vergangenen Jahre werden einerseits für die Fortschritte gelobt, die sich in Japan aktuell durchaus finden lassen, andererseits macht eine Meldung zu den Dekontaminationsarbeiten in Fukushima heute wieder einmal deutlich, das nicht alles Gold ist, was glänzt. Diese und weitere Fukushima News jetzt im Spreadnews Japan-Ticker vom 13. März 2015.

Unsere Themen zum Wochenende:

  • Manipulation bei Dekontaminationsarbeiten
  • Ursache für radioaktive Regenwasserwerte offenbar ermittelt
  • 53 Haushalte leben im Evakuierungsgebiet des AKW Fukushima
  • Transport von kontaminiertem Erdreich begonnen

Manipulation bei Dekontaminationsarbeiten: Sowohl der Schutz von Dekontaminationsarbeitern, als auch die korrekte Durchführung der erforderlichen Maßnahmen ist durch Manipulationen, Schlamperei und lückenhafte Regelungen vielfach nicht gegeben. Das geht aus Berichten verschiedener Personen hervor.

So sollen etwa in Protokollen der Strahlungsbelastung einiger Arbeiter, der einheitliche Wert von 0,002 Mikrosievert verzeichnet worden sein, obwohl keinerlei Messungen stattgefunden hatten.

AKW Fukushima: Dekontamination von Grasflächen (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Dekontamination von Grasflächen (Symbolfoto: TEPCO)

Auch bei der Kontrolle von Arbeitsgerät habe es keine Strahlungsmessung gegeben. Die Arbeiter wurden dazu angehalten Werte einzutragen, die eine mögliche Überschreitung des Grenzwerts von 13.000 Zählern pro Minute (cpm) kaschieren sollten.

Löcher in den Regelungen zum Schutz der Arbeiter, tragen zum Risiko für die Beschäftigten bei. So werden etwa nur die Strahlungsbelastungen der offiziell von der Regierung in Tokyo beauftragte Arbeiter zentral gesammelt und abgeglichen.

Von den Gemeinden veranlasste Arbeiten werden dort nicht erfasst, was „Wanderarbeiter“ begünstigt, die von Arbeitsstelle zu Arbeitsstelle ziehen und so Mehrfachbelastungen ausgesetzt sind.

Dekontaminationsarbeiten die nicht zentral überwacht werden, verleiten zum Missbrauch und daher sei gerade bei Arbeiten, die nur im Auftrag von Ortsverwaltungen erfolgten, gepfuscht und die Effektivität unzureichender Maßnahmen durch Manipulation lediglich vorgetäuscht worden.

So habe man Dächer und Wände von Gebäuden nicht wie vorgeschrieben mit Hochdruckreinigern dekontaminiert. sondern lediglich mit Wasser bespritzt und dann die Messwerte korrekt dekontaminierter Bereiche übernommen.

Dieses Vorgehen und mangelnde Sorgfalt würden zudem dazu führen, das selbst in dekontaminierten Gebieten noch so genannte „Mikrospots“ – kleinere Bereiche erhöhter Radioaktivität – auftreten.

Ein Subunternehmer gab an, bereits mit einer Belegschaft von vier Arbeitern und einer vor einem Jahr gegründeten Firma, Aufträge als Vierter in einer Reihe von Subunternehmen bekommen zu haben.

Da sein Unternehmen nicht den offiziellen Vorgaben entsprach, arbeiteten seine Angestellten vordergründig für den ersten Subunternehmer.

Dies führe zu zwielichtigen Geschäftspraktiken und es sei bei Arbeiten nicht immer nachvollziehbar, wer für die Einhaltung von Strahlungsschutzvorschriften zuständig ist.

Sowohl die offizielle Zahl von 8.000 Bauunternehmen, die Dekontaminationsarbeit leisten, als auch die Beschäftigungszahlen von Präfektur und Umweltministerium, müssten bezweifelt werden. Im Sommer vergangenen Jahres waren offiziell 28.000 Personen an den Arbeiten beteiligt. Die Winterzahlen wurden mit 20.000 angegeben.

Da auch Lieferbetriebe und andere Firmen an Tätigkeiten beteiligt sind, die ihren Sitz oft außerhalb der Präfektur Fukushima haben und dort lediglich Zweigstellen betreiben, sei eine Einschätzung, wie viele Unternehmen und Beschäftigte tatsächlich tätig sind, extrem schwierig.

Über die Aussagen von Subunternehmern, Arbeitern und früheren Angestellten, berichtete die Mainichi Shimbun.

Ursache für radioaktive Regenwasserwerte offenbar ermittelt: Nach Angaben des Kraftwerksbetreibers TEPCO ist die Ursache für die hohe radioaktive Belastung des ausgetretenen Regenwassers möglicherweise gefunden.

AKW Fukushima: Blasenbildung am 10. März 2015 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Blasenbildung während des Regenwasserlecks am 10. März 2015 (Foto: TEPCO)

Am 10. März waren 747 Tonnen Regenwasser trotz zwei Barrieren von 30 bis 50 Zentimtern Höhe ausgetreten und außerhalb des gesicherten Bereichs in den Erdboden gelangt. In Folge waren 11.000 Becquerel pro Liter in Grundwasserproben nachgewiesen worden.

Jetzt erklärte das Unternehmen, erst hier sei auch die radioaktive Kontamination aufgetreten. Ursache dafür sei vermutlich Erdreich, das nach dem Austritt von etwa 100 Tonnen Wasser im März 2012 stark kontaminiert und offenbar nicht ausreichend entfernt wurde. Bei gestrigen Untersuchungen wurde in dem Bereich außerhalb der Barrieren eine Betastrahlerbelastung von 35 Millisievert pro Stunde.

Aufgrund dieser Erklärung versicherte TEPCO erneut, das Wasser stamme nicht aus  den Tanks und gelange auch als Grundwasser nicht in das Meer. Neben TEPCO berichtete auch die Mainichi Shimbun.

53 Haushalte leben im Evakuierungsgebiet des AKW Fukushima:  Vier Jahre nach der Kraftwerkskatastrophe, leben trotz der Einrichtung von Evakuierungsgebieten und Sperrzonen, mehrere Familien im Umkreis des AKW.

Straßensperre in der Präfektur Fukushima (Foto: Prof. Haruhiko Okumura cc-by)
Absperrung einer Zonengrenze in der Präfektur Fukushima (Foto: Prof. Haruhiko Okumura cc-by)

Im Rahmen des Drei-Zonen-Modells werden Gebiete, nach ihrer Aussicht auf Rückkehr, klassifiziert. Derzeit betrifft diese Regelung zehn Gemeinden.

Sowohl in langfristig unbewohnbar klassifizierten Gebieten (Jahresbelastung über 50 Millisievert), als auch in mittelfristig bewohnbar geltenden Arealen (Jahresbelastung zwischen 20 und 50 Millisievert), und Gebieten mit baldiger Rückkehraussicht (Jahresbelastung unter 20 Millisievert), wurde der langfristige Aufenthalt eigentlich untersagt.

In den gering belasteten Gebieten können frühere Einwohner während des Tages zurückkehren, eine Übernachtung ist jedoch erst nach gänzlicher Aufhebung des Evakuierungsstatus vorgesehen. Doch durch Gespräche mit Personen die Patrouillengänge durchführen um Plünderer abzuschrecken wurde nun bekannt, dass in mindestens 53 Haushalten weiterhin Menschen leben.

Teilweise befinden sich die Gebäude sogar in den am stärksten belasteten Gebieten des Zonenmodells. Zu ihrer Motivation befragt, erklärten die Bewohner der Evakuierungszone, sowohl ihren Viehbestand versorgen zu müssen, als auch an ihrem  Heimatort leben zu wollen. Zudem falle es einigen schwer, sich an neue Umgebungen zu gewöhnen.

Die verantwortlichen Regierungsstellen und Ortsverwaltungen erklärten, die Einwohner mehrfach auf die Gefahren durch Radioaktivität aufmerksam gemacht zu haben. Da der Aufenthalt in der Evakuierungszone jedoch keinen Gesetzesverstoß darstellt und keine Strafe für das Wohnen dort vorgesehen ist, bleibt den Behörden wenig mehr, als an die Menschen dort zu appelieren. Über die Bewohner der Evakuierungszonen berichtete die NHK.

Transport von kontaminiertem Erdreich begonnen: Wie zuvor angekündigt, begann in der Präfektur Fukushima der Transport von Dekontaminationsabfällen in ein Lager, das auf dem Gelände der Gemeinden Futaba und Okuma im Bau ist.

Schwarze Säcke mit radioaktiv kontaminiertem Material (Foto: Prof. Haruhiko Okumura, cc-by)
Präfektur Fukushima: Lieferungen an Zwischenlager begonnen (Symbolfoto: Prof. Haruhiko Okumura, cc-by)

Im Verlauf eines Jahres will das Umweltministerium die Lieferung von 1.000 Kubikmetern kontaminiertem Material dorthin bewältigen. Das belastete Erdreich und ähnliche Abfälle stammen aus 43 Gemeinden der Präfektur.

Mit dem Bau der Lagers war aufgrund der Standortsuche erst im Februar begonnen worden. Einmal fertiggstellt, soll die 16 Quadratkilometer messende Anlage eine Gesamtmenge von 22 Millionen Kubikmeter aufnehmen können.

Bislang steht mit einer Kapazität von 20.000 Kubikmetern nur ein Bruchteil von etwa 0,1 Prozent des geplanten Lagervermögens zur Verfügung. Wann die Arbeiten tatsächlich abgeschlossen werden können ist unklar, da weiterhin Verhandlungen mit privaten Grundstückseigentümern laufen. Hierüber berichteten unter anderem auch jiji und NHK.

 

1 KOMMENTAR

  1. Flüssige und feste radioaktive Müllberge mit Langzeitisotopenanteil nicht ins Meer spülen sondern in Folienabgedichteten Lagermulden oder Seen technisch , chemisch ,schönen und trocknen die entstandenen Hügel sodann mittelfristig mit Folien bedeckt zwischenlagern und später mit Zeolith und Beton in Fundamenten z.B. Straßenbau verarbeiten

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