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Fukushima aktuell: Platzmangel im Zwischenlager für radioaktive Abfälle

Regierung bemüht sich um mehr Lagerkapazität für Dekontaminationsabfälle

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"Furekon" - Säcke mit kontaminiertem Erdreich nahe Okuma (Foto: Copyright by Ai Kon, Fukushima-ken)

Die Bewältigung der Dekontamination ist in Fukushima heute immer noch ein Problem, das sich nach den aktuellen Fukushima News sogar noch verschärfen könnte. Auch Todesfälle von Evakuierten und Schilddrüsenkrebs sind in Japan aktuell wieder Thema.

Diese und weitere Meldungen gibt es nun im Spreadnews Japan-Ticker vom 5. März 2018.

Unsere heutigen Themen zum Wochenbeginn:

  • Zwischenlager für radioaktive Abfälle geht der Platz aus
  • Dritte Schilddrüsenkontrollreihe mit neuem Krebsfall
  • Zahl der „einsamen Tode“ in Sozialwohnungen steigt
  • TEPCO äußert sich zu Entwicklungen am AKW Fukushima
Zwischenlager für radioaktive Abfälle geht der Platz aus

Das offizielle Zwischenlager auf dem Gebiet der Gemeinden Futaba und Okuma soll eine Antwort auf das Problem der radioaktiv belasteten Abfälle darstellen, die bei Arbeiten zur Dekontamination der Präfektur in großer Menge anfallen.

Doch nun droht dem Projekt in seiner jetzigen Phase die Luft auszugehen.

Während die „furekon“ genannten schwarzen Plastikbehälter von behelfsmäßigen Lagerorten auf Sportplätzen, Parks und Privatgrundstücken zunehmend in das Zwischenlager abtransportiert werden, kommt es dort zum Platzmangel.

Mit Stand vom 29. Januar hat die Regierung jedoch bislang nur 801 der mindestens benötigten 1.600 Hektar an Land erwerben können – und die Auslastung des Lagers in Futaba beträgt im jetzigen Zustand bereits 70 Prozent.

Somit ist unklar, ob der Zeitplan der Regierung, in dem bis 2045 ein Transport aller Dekontaminationsabfälle in ein Endlager außerhalb der Präfektur vorgesehen ist, tatsächlich eingehalten werden kann.

Die Behörden verhandeln unterdessen mit Grundstückseigentümern über Erwerb und Pacht weiterer Nutzflächen für eine Ausweitung des Lagers. Über die zunehmenden Kapazitätsprobleme berichtete die Asahi Shimbun.

Dritte Schilddrüsenkontrollreihe mit neuem Krebsfall

Am heutigen Montag hielt das Untersuchungskomitee zu den Gesundheitsfolgen der Katastrophe am AKW Fukushima Daiichi ein Treffen ab und gab dabei aktuelle Zahlen zu neuen Fällen von Krebserkrankungen, sowie der Zahl der Verdachtsfälle bekannt.

Es handelt sich um die dritte Kontrollreihe seit Beginn der groß angelegten Schilddrüsen-Screenings im Jahr 2011.

Dabei wurden aktuell 52 Fälle von Schilddrüsenkrebs bestätigt und 19 Verdachtsfälle gemeldet. Im Vergleich zu den vorigen Kontrollen stellt dies einen Anstieg bzw. Rückgang von jeweils einer Person dar.

Die Gesamtzahl aller bestätigen Krebserkrankungen liegt somit bei 160 Personen und im Fall der Verdachtsfälle bei 36 Personen. Das berichteten Präfekturmedien.

Zahl der „einsamen Tode“ in Sozialwohnungen steigt

Eine zunehmende Zahl an Personen, die in Sozialwohnungen der Präfekturen Fukushima, Iwate und Miyagi leben, sterben unbemerkt, da sie nach der Evakuierung nicht mehr in das stabile Sozialgefüge ihrer einstigen Gemeinde eingebunden sind.

Nach dem Aufenthalt in den Übergangshäusern sollen nun etwa 30.000 neue Sozialwohnungen in Wohnblöcken entstehen und tatsächlich sind etwa 90 Prozent des geplanten Wohnraums bereits verfügbar. Der Rest soll bis Ende März 2019 fertig sein.

Während die Privatsphäre in den Übergangshäusern durch die räumliche Nähe und Fertigbauweise stark eingeschränkt war – es gab beispielsweise Spannungen wegen lauter Kinder – schirḿen nun dicke Wände die Wohnungen voneinander ab.

Dadurch sind die Bewohner, von denen etwa 40 Prozent über 65 Jahre alt sind, stärker isoliert und Nachbarn bemerken Hinweise auf Abweichungen vom üblichen Tagesablauf weniger schnell. Über diese Problematik berichtete die jiji.

TEPCO äußert sich zu Entwicklungen am AKW Fukushima

In einem Interview mit Lokalmedien beantwortete Naohiro Masuda, Verantwortlicher bei TEPCO für die Stilllegung des Kernkraftwerks Fukushima Daiichi, eine Reihe von Fragen zu den Entwicklungen der vergangenen Jahre und einen Ausblick in die Zukunft.

Allgemein sei die Situation vor Ort sehr stabil und mit Arbeiten am Schutzmantel von Reaktor 3 habe das Unternehmen bereits Ziele erreicht, die vor sieben Jahren noch unmöglich zu sein schienen. Die Sicherheit der Anlage habe sich sehr verbessert.

Im Bezug auf die Lagerung radioaktiver Abwässer räumte er ein, dass der beständige Bau neuer Lagertanks keine dauerhafte Lösung darstelle. Bei der Wahl der richtigen Mittel müssten sowohl wissenschaftliche als auch soziale Fragen geklärt werden.

Die bisherigen Analysen zur Bergung geschmolzener Brennelemente (Corium) aus den Reaktoren hätten allesamt ähnliche Ergebnisse geliefert, was zwar eine erste Einschätzung ermögliche, jedoch noch nicht ausreichend sei.

Dem Zeitplan folgend werde man 2019 die Entscheidungsfindung über das richtige Vorgehen beginnen, da noch nicht ausreichend Kenntnisse über Verbleib und Zustand des Materials vorhanden sind und die Technologien weiterentwickelt würden.

Zur bislang ungeklärten Zukunft des Kernkraftwerks Fukushima Daini äußerte er sich ausweichend. Das Unternehmen sei sich der Forderungen bewusst, man müsse aber auch die Energiepolitik des Landes bei einer endgültigen Entscheidung berücksichtigen.