Fukushima aktuell: Positive Dekontaminationsprognosen fragwürdig

Fukushima aktuell: Positive Dekontaminationsprognosen fragwürdig

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Artikelbild - Fukushima: Dekontamination von Bäumen durch Hochdruckreiniger (Foto: Juni 2012, TEPCO)
Fukushima: Dekontamination von Bäumen durch Hochdruckreiniger (Foto: Juni 2012, TEPCO)

Die aus Fukushima heute berichteten Neuigkeiten scheinen überwiegend positiver Natur – doch es liegt sicher nicht am angeblichen Unglücksdatum, wenn ein genauerer Blick auf die Fukushima News  eine gewisse Ambivalenz aufkommen lässt.

Die einzelnen Meldungen finden sich nun im Spreadnews Japan-Ticker vom 13. Januar 2017.

Unsere heutigen Themen zum Wochenende:

  • Zuversicht beim Zeitplan der Dekontamination
  • Weltpremiere von Lieferdrohnen-Testflug in Minamisoma
  • Übergangs-Klinikleitung für Takano-Krankenhaus gefunden
Zuversicht beim Zeitplan der Dekontamination

Umweltminister Koichi Yamamoto zeigt sich zuversichtlich, dass die Dekontaminationsarbeiten unter Aufsicht der Regierung im Rahmen des bisherigen Zeitplans bis Ende März abgeschlossen werden können.

Mit Stand vom November vergangenen Jahres sind bereits in sieben von 11 Sondergebieten mit Evakuierungsanordnung die Arbeiten unter Regierungsaufsicht erfolgreich beendet worden.

Die „Folgedekontamination“ von Gebieten, in denen die Strahlungswerte nach der Durchführung weiterhin hoch blieben, wären demnach eine Form von Wartungsarbeiten, da die eigentliche Maßnahme bereits abgeschlossen ist.

Unterdessen sind jedoch auch 36 Gemeinden, die selbst für die Umsetzung des Dekontaminationsplans verantwortlich sind, durchaus zuversichtlich, die Arbeiten bis zum März abgeschließen zu können.

In diesem Fall sind mit Stand vom Oktober 2016 bislang 15 der insgesamt 36 Gemeinden erfolgreich dekontaminiert. Bezieht man die Zahlen nur auf die Häuser, so sind die Arbeiten bereits 96,4 Prozent der Gebäude abgeschlossen.

Allerdings beziehen sich all diese Fortschritte lediglich auf Grundstücke, Infrastruktur und Gebäude von Gemeinden. Das Problem von kontaminierten Ablagerungen in Wasserreservoirs und Straßengräben ist davon unberührt und besteht weiterhin.

Diese zuversichtlichen Äußerungen können also durchaus als fragwürdig angesehen werden, wird in diesen Prognosen doch ein Teil der erforderlichen Arbeiten ausgeklammert, da er nicht die Gemeinden direkt betrifft.

Über die positiven Erwartungen der Verantwortlichen berichteten Präfekturmedien.

Weltpremiere von Lieferdrohnen-Testflug in Minamisoma

Am gestrigen Donnerstag fand auf dem Strand an der Küstenseite der Stadt Minamisoma eine Weltpremiere der Drohnentechnologie statt, als eine Flugdrohne erstmals autonom eine Strecke von zehn Kilometern flog und dabei eine Lieferung durchführte.

An dem Projekt arbeiteten das Industrieministerium (METI), eine Organisation zur Entwicklung neuer Technologien (NEDO) und die Präfektur Fukushima zusammen.

Unter Kooperation mit einem Lieferdienst wurde eine Drohne vom Typ „ACSL-PF1“ vom Robotertestgelände Hamadori über zwölf Kilometer zum beliebten Surfgebiet Kitaizumi geschickt.

Das Gerät benötigte bei einer Geschwindigkeit von 43 Km/h insgesamt 12 Minuten, um den dort wartenden Personen einen Behälter mit warmer Suppe zu liefern..

Der Bürgermeister Katsunobu Sakurai hofft, durch das erfolgreiche Experiment das Interesse von Wissenschaftler und Unternehmen, auf die Entwicklung und Erprobung von Robotertechnologie im Gebiet seiner Stadt lenken zu können.

Japan verfügt nur über wenig Testgebiete für Drohnenversuche über Langdistanzen, so dass man hofft, die Anlage in Fukushima könne zum wirtschaftlichen Wiederaufschwung der Region beitrage.

Ziel der Experimente ist die Entwicklung von Drohnen für Flüge über lange Strecken, die dann auch unter schwierigen Bedingungen, wie Gebirge, oder schlechten Wetterverhältnissen operieren können.

Über die Weltpremiere der Lieferdrohne über mehr als zehn Kilometern Flugstrecke berichteten die Kyodo und Präfekturmedien.

Übergangs-Klinikleitung für Takano-Krankenhaus gefunden

Nach dem Tod des engagierten Mediziners Dr. Hideo Takano, der während der Akutphase der Krise nicht evakuierte, weil er seine Patienten nicht im Stich lassen wollte, war die Zukunft des Krankenhauses ungewiss, da kein Nachfolger zur Verfügung stand.

Eine Crowdfunding-Kampagne brachte zunächst die dringend benötigte finanzielle Unterstützung zur Deckung der Kosten für Transport und unterbringung der ehrenamtlich helfenden Ärzte.

Jetzt fand sich auch ein Mediziner, der die Verwaltung des Krankenhauses als befristeter Leiter zumindest für zwei Monate übernehmen wird.

Der 36 Jahre alte Dr. Yujiro Nakayama ist eigentlich als Chirurg an einem Krankenhaus in Tokyo tätig und wird ab dem 1. Februar bis Ende März die Leitung der Klinik in Hirono übernehmen.

Demnach bleibt die Zukunft ab dem 1. April, wenn Dr. Nakayama den Posten wegen einer beruflichen Versetzung räumen muss, weiter ungewiss. Doch die Initiative zur Erhaltung der Klinik ist weiter auf der Suche nach einem dauerhaften Nachfolger. Das berichten japanische Medien.

Es bleibt zu hoffen, dass diese Bemühungen ähnlich erfolgreich sein werden, wie die Spendenkampagne, die bereits einen Tag nach Beginn das Ziel von 2,5 Millionen Yen übertraf. Derzeit liegt die Summe bei 5,5 Millionen (Stand 16:02 MEZ).

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