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Fukushima aktuell: Radioaktiv kontaminierte Wasserreservoirs zur Bewässerung genutzt

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Artikelbild - Reisfelder in der Präfektur Fukushima (Foto: pd)
Präfektur Fukushima: Internationale Experten bestätigen Kontamination durch AKW (Symbolfoto: pd)

Während am AKW Fukushima heute das Kühlsystem eines Abklingbeckens ausfiel, sieht sich die Präfektur mit radioaktiv belastetem Wasser konfrontiert, das zur Bewässerung von Feldern genutzt wurde. Diese und weitere Fukushima News jetzt im Spreadnews Japan-Ticker vom 25. Februar 2014.

Unsere heutigen Themen:

  • Hohe radioaktive Belastung in Wasserreservoirs nachgewiesen
  • Elektrischer Schaden führt zum Ausfall von Kühlsystem an Reaktor 4
  • Anzug eines Angestellten fing Feuer
  • Präfektur Fukushima könnte Teil des Olympischen Fackellaufs werden

Hohe radioaktive Belastung in Wasserreservoirs nachgewiesen: Untersuchungen der Schlammproben von 1.939 Wasserreservoirs in der Präfektur Fukushima, die von der Präfekturleitung und einem Büro des Landwirtschaftsministeriums durchgeführt wurden, wiesen eine hohe Konzentration von radioaktivem Cäsium nach.

Damit ist mehr als die Hälfte der 3.730 Reservoirs in der Präfektur betroffen. Das dort gespeicherte Wasser wird zur Bewässerung von landwirtschaftlichen Nutzflächen eingesetzt. In 576 Reservoirs lag die Belastung über 8.000 Becquerel pro Kilogramm Boden. Dies entspricht dem Wert für radioaktive Abfälle, deren Entsorgung die Regierung übernehmen muss.

In 14 dieser Fälle wurden mehr als 100.000 Becquerel pro Kilogramm nachgewiesen. Die zwischen Februar 2012 und Dezember 2013 durchgeführten Analysen der Schlammproben sind die ersten ihrer Art überhaupt.

Der Fund ist nicht nur von Bedeutung, da er die gerade laufenden Versuche der Verwaltungen, landesweit für die Unbedenklichkeit von Lebensmitteln aus der Präfektur zu werben, torpediert, sondern insbesondere, da die Wasserlager von denen viele in Wohngebieten liegen, nicht vom Dekontaminationsprogramm der Regierung abgedeckt werden.

Japan-Karte: Radioaktivität in Japan (Foto:pd)
Präfektur Fukushima hat neues Problem (Symbolfoto:pd)

Insgesamt  468 der 676 besonders stark belasteten Reservoirs versorgen nach wie vor landwirtschaftliche Flächen wie etwa Reisfelder mit Wasser.

Die meisten befinden sich in der Mitte der Präfektur, einschließlich der Städte Fukushima und Date.

Das am stärksten belastete öffentliche Reservoir liegt in Motomiya (Bezirk Takagi) innerhalb eines Wohngebiets. Der dortige Schlamm weist 370.000 Becquerel auf.

Da die Cäsiumbelastung des enthaltenen Wassers jedoch unter dem Nachweiswert liegt, dient das Lager auch dort als Bewässerungsquelle für landwirtschaftliches Gebiet.

Lediglich in den verbleibenden 108 Fällen liegen die Wasserlager innerhalb des Sperrgebiets und werden daher nicht genutzt.

Dort liegen auch neun der 14 Reservoirs, in denen mehr als 100.000 Becquerel pro Kilogramm nachgewiesen wurden.

Der höchste Wert in einem Sperrgebiet wurde im Ominamisaku-Reservoir in Futaba nachgewiesen, und beträgt 390.000 Becquerel pro Kilogramm.

Arbeiten in den Reisfeldern von Sawara, Präf. Chiba (Foto: Angie Harms, cc-by)
Radioaktives Wasser zur Reisbewässerung genutzt (Symbolfoto: Angie Harms, cc-by)

Die Verantwortlichen der bewohnten Gemeinden befürchten eine Gesundheitsgefährdung für die Einwohner. In einigen Reservoirs mit hohen Werten sinke der Wasserstand im Sommer, so dass der cäsiumhaltige Schlamm in Kontakt mit der Umwelt, insbesondere der Luft komme und so eine Kontamination der Umgebung drohe.

Durch die mörserartige Form der sammele sich in den Reservoirs leicht Erdreich an, das von dem umgebenden Bergen, in deren Wäldern sich nach der Reaktorkatastrophe radioaktiver Niederschlag gesammelt hatte, dort hinein gelange.

Trotz dieser Erkenntnisse sieht man bei den Behörden keine Veranlassung zum Handeln. Verantwortliche des Landwirtschaftsministerium erklärten, ihre Aufgabe sei es nur, das Umweltministerium über die radioaktive Belastung zu informieren. Die Dekontamination sei Sache des Umweltministeriums.

Doch auch das Umweltministerium sieht keine Notwendigkeit zur Dekontamination. Ein Aushub der Reservoirs sei nicht notwendig, da die Strahlungswerte der Umgebungsluft zu gering seien, um schädliche Auswirkungen auf die Gesundheit der Einwohner zu haben.

Nach Meldung der Asahi Shimbun könnten aber Kostengründe hier der Zurückhaltung stecken. Da TEPCO zwar durch Sondergesetze gezwungen werden kann, die Kosten für Dekontaminationsmaßnahmen zu übernehmen, Wasserreservoirs hierdurch jedoch nicht abgedeckt sind, muss die Regierung fürchten, bei Entfernung des Schlamms selbst die Kosten tragen zu müssen.

Die Landwirtschaftsabteilung der Präfekturverwaltung Fukushima hält jedoch dagegen und erklärt, die Dekontamination der Wasserlager könne von der Verwaltung mit einem Zehntel des Dekontaminationsbudgets erfolgen – wenn man ihnen die finanziellen Mittel geben würde. Ob dies jedoch geschieht, ist offenbar unklar.

Elektrischer Schaden führt zum Ausfall von Kühlsystem an Reaktor 4: Gegen 9:40 Uhr ertönte ein Alarm, der auf eine Störung an den elektrischen Teilen des Kühlsystems des Abklingbeckens von Reaktor 4 hinwies. Etwa fünf Minuten später stellte das Kühlsystem den Betrieb ein. Dem Unternehmen sei es jedoch gelungen, das System um 14:16 Uhr erneut zu starten.

Fukushima-Reaktorgelände: Bohrlöcher als Ursache des Stromausfalls vom 25. Februar 2014 (Foto: TEPCO)
Fukushima-Reaktorgelände: Bohrlöcher als Ursache des Stromausfalls vom 25. Februar 2014 (Foto: TEPCO)

Ursache des Zwischenfals war offenbar ein Schaden an einem elektrischen Kabel, das zu einem Brand geführt hatte. Offenbar hatten Kraftwerksarbeiter bei Bohrungen auf dem Gelände das Kabel beschädigt.

Die Temperatur innerhalb des Abklingbeckens stieg während dieser Zeit von 13 Grad Celsius,  was weit innerhalb der Sicherheitsspanne liegt.

Der um 10:27 Uhr festgestellte Rauch wies auf einen Kabelbrand hin. Dieser konnte jedoch bereits drei Minuten später gelöscht werden. An den anderen Teilen der Kraftwerksanlage wurden keine Auffälligkeiten festgestellt. Über den Zwischenfall berichteten Kyodo, jiji und NHK.

Im November 2013 waren Arbeiten zum Transfer von Brennelementen aus dem Abklingbecken von Reaktor 4 angelaufen. Diese sollen in das Becken eines anderen Gebäudes transportiert werden, das als sicherer gilt (Spreadnews berichtete am 18. November 2013). Diese Arbeiten wurden nun zunächst ausgesetzt. Bislang sind 374 der insgesamt 1533 Brennelemente transferiert.

In der Vergangenheit hatte es mehrfach Probleme mit der Elektrizitätsversorgung am AKW Fukushima Daiichi gegeben. Zu den Zwischenfällen gehört ein Ausfall der Stromversorgung der Reaktoren 1,3 und 4  im vergangenen Jahr (Spreadnews berichtete am 18. März 2013).

Anzug eines Angestellten fing Feuer: Gegen 15:30 Uhr kam es an der Tankstelle des Kraftwerksgeländes zu einem Zwischenfall. Beim Transfer von Treibstoff, blieb offenbar ein Teil an der Pumpe hängen. Beim Aufwischen der Flüssigkeit entflammte die Vorderseite des Schutzanzugs eines der Arbeiter.

Da die Flammen schnell gelöscht wurden, wurde lediglich der Anzug beschädigt, der Arbeiter erlitt keine Verletzung. Auch eine radioaktive Kontamination wurde nach Angaben von TEPCO nicht festgestellt. Gegen 16:53 Uhr wurde die Feuerwehr Futaba über den Zwischenfall in Kenntnis gesetzt.

Präfektur Fukushima könnte Teil des Olympischen Fackellaufs werden: Wie Sportminister Hakubun Shimomura bei seiner gestrigen Rede vor einem Finanzausschusses des Unterhauses erklärte, erwäge man, auch die Präfektur Fukushima in die Route der olympischen Flamme auf ihrem Weg zu den Sommerspielen 2020 in Tokyo einzubeziehen.

Auch wenn die Spiele in der Hauptstadt Tokyo stattfänden, so hoffe er doch, dass zumindest in allen 47 Präfekturen des Landes Trainingsstätten für die Sportler entstehen werden.  Dies gelte auch für die Tohoku-Region, die im März 2011 von einem verheerenden Erdbeben, dem damit verbundenen Tsunami und Japans bislang schwerstem Zwischenfall an einem Kernkraftwerk betroffen war.

Als besonderes Extra anlässlich der Olympischen Sommerspiel 2020, sollen außerdem frühestens ab 2015 erstmals Kfz-Sonderkennzeichen zugelassen werden. Bis Ende 2020 werden dann speziell gestaltete Kennzeichen mit Nummern nach Wunsch des Fahrzeughalters angeboten. Neben der normalen Kfz-Gebühr werden Kosten für das Sonderdesign, sowie eine Spende erhoben.

Auch ein Austausch bereits vorhandener Kennzeichen soll möglich sein. Die Spenden sollen zur Verbesserung des öffentlichen Verkehrssystems, etwa zur Barrierefreiheit von Bussen genutzt werden. Das gab Verkehrsminister Akihiro Ota heute bekannt. Über die Olympiapläne berichtete die jiji.

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