Fukushima aktuell: Radioaktiver Abfall in Parks von Wohngebieten entsorgt

Fukushima aktuell: Radioaktiver Abfall in Parks von Wohngebieten entsorgt

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Artikelbild: Straße durch Shirakawa, Präf. Fukushima (Foto: pd)
Präfektur Fukushima: Radioaktive Abfälle in Wohngebieten entsorgt (Foto: pd)

Mangelnde Aufsicht und Nachlässigkeit können die Gesundheit gefährden, das zeigt ein Fall aus der Präfektur Fukushima heute. Daneben befassen sich die Fukushima News heute auch mit einem weiteren Strahlungsrekord, dem Fortschritt der Bergungsarbeiten und der Untersuchung von Folgen für die Umwelt.

Alle Meldungen nun ausführlicher im Spreadnews Japan-Ticker vom 16. Dezember 2013.

Unsere Themen zu Wochenbeginn:

  • Fund von radioaktiven Abfällen an Kinderspielplätzen in öffentlichen Parks
  • Wieder einmal Strahlungsrekord an Messposten
  • Zweite Untersuchung der Meeresboden-Kontamination begonnen
  • Entwicklung der Bergungsarbeiten am AKW Fukushima Daiichi

Fund von radioaktiven Abfällen an Kinderspielplätzen in öffentlichen Parks: Seit Oktober liefen in der Stadt Shirakawa Dekontaminationsarbeiten. Nun scheint es so, als ob durch nachlässige Kontrollen radioaktiv belastetes Erdreich in öffentlichen Parks nicht weggeräumt wurde. Dort spielen gerne Kinder, so dass Einwohner nun um ihre Sicherheit sorgen.

Bereits Mitte November informierte eine Einwohnerin der Stadt die Präfekturverwaltung, nachdem sie beobachtet hatte, dass Kinder im Park eines öffentlichen Wohngebiets auf einem Haufen von Plastiksäcken herumkletterten. In diesen wird kontaminiertes Erdreich gelagert. Nach Angaben der Frau Mitte 70 reagierten die Behörden nicht auf ihren Hinweis.

Das Auftürmen der Säcke im Kinderspielbereich des Parks begann Anfang November. Die Präfekturverwaltung Fukushima hatte vertraglich gebundenen Unternehmen die Entsorgung von Abfällen, die bei der Dekontamination anfallen, überlassen. Offenbar wurde weder das Vorgehen der Firma, noch der Verbleib der Säcke von den Behörden überprüft.

Japans Kinder (Symbolfoto: Michael Rhys cc-by)
Fukushima-Kinder: Eltern fürchten Gefährdung durch kontaminierten Abfall (Foto: Michael Rhys cc-by)

Nach dem bekannt werden der Vorkommnisse unternahmen Reporter der Mainichi Shimbun einige Nachforschungen.

Im aktuell Fall ergab eine Dosimeter-Messung in unmittelbarer Nähe der Plastiksäcke auf denen Kinder gespielt hatten, eine Strahlung von 2,23 Mikrosievert pro Stunde – eine zehnfache Überschreitung der offiziellen Grenzwerte.

Im Abstand von mehreren Metern verringerten sich die gemessenen Werte auf 0,23 Mikrosievert pro Stunde.

In Folge wurden weitere Wohnkomplexe untersucht. Bei Befragung von Kindern erklärten diese, ihnen sei die Gefahr durch die Säcke nicht bewusst gewesen.

Obwohl die Wohnkomplexe von Familien mit kleinen Kindern bewohnt werden, wurde in keinem der Schreiben an die Mieter auf Gefahren oder notwendige Sicherheitsmaßnahmen im Bezug auf die Müllsäcke hingewiesen. An einem anderen Standort wurden sie unmittelbar neben den Geräten eines Spielplatzes gestapelt.

Da zwei Parks von eisernen Zäunen umgeben sind, wurde offenbar in Ermangelung anderer Lagermmöglichkeiten die Säcke im Park belassen. Außerhalb der Tore des Zauns wurde Strahlung in Höhe von einem Mikrosievert pro Stunde nachgewiesen.

Lediglich in einem Fall erfolgte zumindest eine teilweise Sicherung. An einer der Lagerstätten, an denen die Belastung mehr als zwei Mikrosievert pro Stunde betrug, wurde der Bereich um die Säcke durch Metallzäune abgegrenzt. An anderen Standorten wurden bis zu 0,7 Mikrosievert pro Stunde nachgewiesen.

Ein Vertreter der Präfekturverwaltung erklärte, der größte Teil des anfallenden kontaminierten Materials werde vergraben. Daher stellten die oberirdisch aufgestapelten Abfallsäcke lediglich eine Übergangslösung dar. Er erklärte, die örtlichen Gemeinden würden bald provisorische Lagermöglichkeiten bieten.

Ein anderer Mitarbeiter räumte jedoch ein, dass die Fertigstellung erst im kommenden Fiskaljahr erfolge, so dass die radioaktiv belasteten Säcke vorest noch dort verbleiben werden. Über die Funde berichtete die Mainichi Shimbun.

Wieder einmal Strahlungsrekord an Messposten: Der Trend steigender Strahlungswerte an Grundwassermessposten auf dem Gelände des AKW Fukushima Daiichi hält an. Dort wurde in Proben, die am 12. Dezember entnommen worden waren, 1,8 Millionen Becquerel pro Liter an Betrastrahlern nachgewiesen.

AKW Fukushima: Grundwasser-Kontrollpunkt 1-1 vom 16. Juli 2013 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Erneut Rekordwerte an Messposten (Foto: TEPCO)

Der Messposten befindet sich nach Angaben des Betreibers auf der Seeseite von Reaktor 2 und in der Nähe befinden sich Gräben die stark radioaktives Wasser enthalten.

TEPCO erklärt den Anstieg im Messposten dadurch, dass Wasser durch Beschädigungen in diesem Bereich in den Boden gelangt sei.

In der jüngsten Zeit was es mehrfach zum Anstieg von Strahlungswerten an Messposten gekommen, dabei waren immer neue Rekordwerte entdeckt worden..

Die Kontamination von Grundwasser durch Schäden in den Untergeschossen von Gebäuden auf dem Gelände ist dagegen ein seit Jahren andauerndes Problem für den Kraftwerksbetreiber, das weitere Arbeiten immer wieder behindert.

Über den neuesten Fund berichtete unter anderem die Kyodo.

Zweite Untersuchung der Meeresboden-Kontamination begonnen: Am heutigen Montag begannen Wissenschaftler der Universität von Tokyo mit der Ermittlung der radioaktiven Belastung im Meeresboden vor der Küste der Präfektur Fukushima. Eine entsprechende Untersuchung war bereits im vergangenen Fiskaljahr durchgeführt worden.

Im Verlauf der jetzt angelaufenen Untersuchungen, die 20 Kilometer vor der Küste durchgeführt werden, soll ein Messgerät von einem Boot aus in das Wasser herabgelassen und langsam über den Meeresboden bewegt werden, um die Höhe an radioaktivem Cäsium zu ermitteln.

Bei den letzten Untersuchungen dieser Art waren 40 stark kontaminierte Stellen am Meeresboden nachgewiesen worden. Im aktuellen Fall soll die untersuchte Fläche auf 700 Kilometer und damit die fünffache Fläche der vorangegangenen Kontrolle ausgedehnt. werden.

Verantwortliche der japanischen Atomaufsichtsbehörde NRA hatten die Wissenschaftler um ihre Mitarbeit gebeten, um ermitteln zu können, wie sich radioaktives Material auf dem Meeresboden ausbreitet. Mitglieder der Forschungsgruppe gehen davon aus, dass die Erkenntnisse auch zur Ermittlung von Strahlungsbelastung von Fischen, die am Boden leben, beitragen könnten.

Über die aktuellen Maßnahmen berichtete die NHK.

Entwicklung der Bergungsarbeiten am AKW Fukushima Daiichi: Nach Informationen des Kraftwerksbetreibers TEPCO sind zwischenzeitlich 88 der insgesamt 1.533 Brennelemente aus dem Lagerbecken von Reaktor 4 in das Sammelbecken eines anderen Gebäudes transportiert worden.

Transportbehälter bei Vorbereitungen zum Gemeinschaftsbecken-Transfer am 29. November 2013 (Foto: TEPCO)
Transportbehälter bei Vorbereitungen zum Gemeinschaftsbecken-Transfer am 29. November 2013 (Foto: TEPCO)

Bei 66 der bislang geborgenen Brennelemente handelt es sich um abgebrannte Brennelemente, bei den übrigen 22 handelt es sich um ungenutzes Material. Insgesamt wurden mit Stand vom heutigen Montag vier Transporte durchgeführt.

Nachdem zu Beginn der ersten Maßnahmen testweise zunächst ungenutzte Brennelemente geborgen wurden, hatte das Unternehmen erstmals Ende November mit der Bergung von abgebrannten Brennelementen begonnen (Spreadnews berichtete am 26. November 2013).

Diese stellen aufgrund der stärkeren Radioaktivität ein höheres Risiko bei den Arbeiten dar.

Bislang gibt es keine offiziellen Berichte über eventuelle Störungen oder Zwischenfälle im Rahmen der Bergungsmaßnahmen.

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