Fukushima aktuell: Radioaktiver Fallout nach Akutphase unterschätzt

Fukushima aktuell: Radioaktiver Fallout nach Akutphase unterschätzt

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Artikelbild: Einsatzkarte für Katastrophenhilfe nach der Fukushima-Katastrophe (Copyright by Andreas Teichert, DTRG e.V.)
Einsatzkarte für Katastrophenhilfe nach der Fukushima-Katastrophe (Copyright by Andreas Teichert, DTRG e.V.)

Neue Erkenntnisse lassen den radioaktiven Niederschlag der Katastrophe von Fukushima heute in anderem Licht erscheinen als bislang gedacht und werfen dabei neue Fragen, auch für andere AKW auf. Die Einzelheiten, sowie weitere Fukushima News, jetzt im Spreadnews Japan-Ticker vom 22. Dezember 2014.

Unsere Themen zum Wochenbeginn

  • Verbreitung von schwerem Fallout erfolgte später als angenommen
  • Starkes Erdbeben trifft Präfektur Fukushima
  • Sperrgebietssonderregelung über die Feiertage erlaubt
  • Erste Zwischenlagerlieferung verzögert sich

Verbreitung von schwerem Fallout erfolgte später als angenommen:  Eine Forschungsgruppe der japanischen Atomenergiebehörde JAEA, kommt aufgrund der Analyse neu gesammelter Daten zur Verbreitung des radioaktiven Materials unmittelbar nach Ausbruch der Fukushima-Katastrophe zu neuen Erkenntnissen.

Bislang galt der vier Tage umfassende Zeitraum zwischen dem 11. und 15. März 2011 als kritischster Zeitraum, für Freisetzung und Ausbreitung des radioaktiven Materials, da sich in diesem Rahmen die Kernschmelzen und die Wasserstoffexplosionen ereigneten.

Die Einzelheiten darüber,  wie sich der radioaktive Niederschlag (Fallout) nach dieser Zeit ausbreitete, blieben bislang unklar. Nun erklären die Experten der JAEA, tatsächlich sei während der als entscheidend angesehenen vier Tage lediglich 25 Prozent der Gesamtmenge ausgetreten.

Vielmehr müsse man nun davon ausgehen, dass mit 75 Prozent der Großteil des Materials, mit einer geschätzten Menge von 470.000 Terabequerel, erst in den folgenden zwei Wochen bis Ende März 2011 ausgetreten war – zu einem Zeitpunkt, an dem man davon ausging, dass die Ausbreitung bereits nachgelassen habe.

Bei der Analyse befasste man sich nicht nur mit Menge, sondern auch mit der Ausbreitung der freigewordenen Substanzen. In Gegenden, die heute als Sperrgebiet gelten, sei die entscheidende Belastung erstmals am 15. März nachgewiesen worden und damit bereits am Ende der vier Tage.

Auch die zeitweise aufgetretene Kontamination von Trinkwasser im Großraum Tokyo und der übrigen Kanto-Region sei auf radioaktives Material zurückzuführen, dass sich erst deutlich später, nämlich am 20. und 21. März wesentlich ausgedehnt hatte.

Grundlage für die Einschätzungen der Verbreitung des Fallout waren meteorologische Daten der damaligen Wetterbedingungen. Die Experten erklärten jedoch auch, es sei noch unklar,  weshalb sich die großen Mengen auch über einen derart langen Zeitraum anhaltend ausdehnten. Dies müsse für eine schnelle Kontrolle der Situation nach AKW-Unfällen unbedingt ermittelt werden. Hierüber berichtete die NHK.

Starkes Erdbeben trifft Präfektur Fukushima: Am Samstag ereignete sich um 18:30 Uhr (Ortszeit) ein Erdbeben der Magnitude 5,8, dessen Epizentrum sich vor der Küste der Präfektur Fukushima befand. Eine Tsunamiwarnung wurde nicht ausgegeben.

Unmittelbar nach dem Erdbeben veranlasste der Betreiber der dortigen Kernkraftwerke Fukushima Daiichi (Fukushima 1) und Fukushima Daini (Fukushima 2) eine Kontrolle der Kraftwerksgelände. Wie das Betreiberunternehmen TEPCO später mitteilte, war es zu keinen Störungen des Betriebs gekommen. Über das Ereignis berichtete die Kyodo.

Sperrgebietssonderregelung über die Feiertage erlaubt: Seit Samstag gilt für die früheren Bewohner einiger Bereiche des Sperrgebiets eine Sonderregelung des Übernachtungsrechts. Diese erlaubt Einwohnern, auch in Gebieten zu übernachten, bei denen aufgrund der Strahlungsbelastung sonst nur der Aufenthalt am Tage zulässig ist.

Allerdings gilt diese Sonderregelung in den Gemeinden aufgrund des unterschiedlichen Strahlungsniveaus unterschiedlich lange. Während man sich in der Stadt Minamisoma und den Ortschaften Iitate, Kawamata und Katsurao für die Dauer eines ganzen Monats (20. Dezember bis 18. Januar) uneingeschänkt aufhalten darf, sind es für die Einwohner von Naraha nur 15 Tage (24. Dezember bis  7. Januar).

Die einstigen Bewohner von Kawauchi dürfen dagegen nur neun Tage (27. Dezember bis 4. Januar) lang dort bleiben. Insgesamt betrifft diese Regelung eine Gesamtzahl von 26.740 Einwohnern aus 9.800 Haushalten und die Zeit wird oft für den Besuch der einstigen Häuser und der Pflege von Gräbern genutzt. Über die Sonderregelung berichtete die Mainichi Shimbun.

Erste Zwischenlagerlieferung verzögert sich: Wie aus Kreisen der japanischen Regierung am Sonntag bekannt wurde, musste der Zeitplan zur erste Lieferung von radioaktiv kontaminiertem Erdreich und anderem Material, das bei Dekontaminationsarbeiten anfiel, geändert werden.

Ursache für die Verzögerung sind der langsame Fortschritt bei den Dekontaminationsarbeiten, sowie die die schleppenden Verhandlungen mit den Grundstückseigentümern. Daran ändern offenbar auch die informellen Absprachen für Lagerstätten nichts. Die Anlage soll auf dem Gebiet der Gemeinden Futaba und Okuma entstehen.

Der Termin war auf den Januar 2015 gelegt worden. Über die Verzögerungen berichteten Kyodo und Präfekturmedien.

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